NETTer Ausflug auf NETTen Wegen_NETT 09.11.2014

IMG_2476

5 Uhr Wecker, 6 Uhr zum Bahnhof, 30 Minuten Verspätung und doch vom Veranstalter persönlich am Bahnhof abgeholt worden – ein perfekter Sonntagmorgen. Und dann ist auch noch die ganze Familie zum Sonntagsausflug angetreten. Alles angerichtet also für jede Menge Spaß. Insgesamt lässt sich der NETT mit dem Adjektiv: „bemerkenswert“ zusammenfassen. Während der NEU in diesem Jahr aufopferungsvoll extern betreut wurde, waren wir beim NETT tatsächlich auf uns allein gestellt. Das mag auf 42 km an sich kein Problem sein, Stefan hat mit liebevoller Trailrecherche allerdings eine Strecke gebastelt, die ihresgleichen sucht.

Das was uns als Wege vorgestellt wird, ist entweder so zugewachsen, dass ein Durchkommen fast nicht möglich ist oder so voll Matsch das ein Weiterkommen fast nicht zu denken ist. Dazu kommen dann noch die Momente wo Stefan sagt wir müssten hier abbiegen und einfach mitten ins Dickicht läuft. Auf die Behauptung: das seien doch keine Wege, sagt er oft: „Ich hab da ne Karte von 1970 – da war das noch ein Weg!“. Vermutlich selbstgezeichnet diese Karte. Stefan weiss auch immer zu beruhigen mit Aussagen wie: „Diese Stelle ist immer schwierig zu finden“, „GPS-Track brauch ich nicht, ich kenne ja den Weg“, oder auch „Wir laufen zwar schon lange, richtig vorwärts sind wir aber auch noch nicht gekommen“. Das Herr der Ringe Zitat: „geht nur um ein weniges fehl und die ganze Unternehmung wird scheitern“ wird auf eine interessante Art und Weise real :)! Alles in allem ist die Strecke so schwer, dass man für einen Marathon mal locker sechseinhalb Stunden braucht und sich am Ende ein paar Jahre älter fühlt. Alles perfekt also. Der NETT wird seinem Namen auf jeden Fall gerecht: super Leute, kaum Zivilisation, ganz viel Einsamkeit, keine Verpflegung, jede Menge Matsch, Pfützen, Wurzeln und Steine und wenn man Glück hat ab und an mal ein erkennbarer Pfad. Wie Stefan sagen würde: simply running!

Wege sind dann letztlich doch nur das, was man selbst draus macht. Da wo der Pfad sich schließlich endgültig verliert entsteht sofort laufend ein neuer. Sehr passend veröffentlichte dann Christopher McDougall (Autor von „Born to run“) ein Statusupdate:

“If you don’t have answers to your problems after a four-hour run, you ain’t getting them.”

Ohne Worte.

IMG_2478IMG_2486IMG_2479

Wer mir nicht glaubt: hier ist der Beweis: https://www.youtube.com/watch?v=EEK5nkYLu-s

Wer sich schon immer fragte was man wohl so alles braucht um das durchzustehen: http://www.vilvo.de/sportshop/

IMG_2495

Klassenfahrt mit Nadine (14. Röntgenlauf 2014_26.10.2014)

Kaum waren wir um 6 Uhr in Aachen losgefahren stand auch schon das Motto des Tages fest: „Klassenfahrt“. Irgendwie ein komischer Wochentag für ne Klassenfahrt, aber naja. Warum Björn diese Namens-Idee hatte ist mir schleierhaft, in einem sollte er Recht behalten – es war eine klasse Fahrt (Lauf). In Remscheid angekommen musste ich recht schnell meine Ausrede revidieren es würde wohl ewig dauern bis ich jemanden sehe, den ich kenne. Nach gefühlten 5 Sekunden trafen wir auf Jörg und Joachim – Helmut kannte natürlich auch alle Anderen. Was war das hier noch gleich? Ein Wettkampf oder treffen sich hier nur ein paar Verrückte zum gemütlichen Laufen? Pünktlich um 8.30 wurde das Laufevent gestartet und es war viel los (alle die Halbmarathon laufen wollten, egal ob einen, zwei oder drei wurden zusammen losgeschickt). Die etwas überflüssige Runde durch RS-Lennep zu Beginn des Laufs machte auf einmal doch viel Sinn für mich, weil ich so den ersten schlechten Witz recht früh unterbringen konnte. Und wie jeder weiß: jeder gute Tag beginnt mit einem schlechten Witz. An dieser Stelle ist wohl schonmal eine Entschuldigung bei sowohl Björn als auch Helmut fällig: ich hoffe es war nicht zu schlimm mit mir?!

Was ist über den Lauf an sich zu sagen? Schöne Strecke, die an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Trail hätte haben dürfen (also fast überall) – aber insgesamt sehr gut zu laufen. Den ersten HM sind wir zusammen mit Christian schön gemütlich gelaufen. Die Begebenheit die dem gesamten Lauf wohl die Krone aufgesetzt hat passierte nach ca. 14 km. Nach einem vermutlich weiteren sehr guten Witz von mir sagte Helmut etwas lauter: „Boah Tim“ was sofort von einer uns unbekannten Frau 2 Reihen weiter mit „Boah Tim“ beantwortet wurde. Was soll ich sagen: der Running Gag war geboren. An der nächsten Verpflegung habe ich den Namen erfragt und konnte das „Boah Tim“ von da an mit „Boah Nadine“ beantworten. Alle in Hörweite hatten dieses Spiel sicherlich schnell satt. Auf den folgenden ca. 10 km ging das immer wieder hin und her. Danach haben wir Nadine aus den Augen verloren und Björn und ich haben uns vornehmlich damit beschäftigt uns von Verpflegung zu Verpflegung zu befördern und dabei möglichst viel Spass zu haben. Gegen Ende des 2. HM war Helmut kurzzeitig nicht so bei Laune und hat uns bei km 41 entnervt weggeschickt: er wäre gerade wohl nicht so fit aber auch nicht bereit aufzugeben. Daraufhin sind Björn und ich den letzten HM zusammen angegangen (es sollte unser schnellster werden). Mittlerweile wurde ich von mir unbekannten Läufern mit „Boah Tim“ an den Verpflegungen begrüßt – schön diese personalisierte Verpflegung.

Der letzte HM war dann in vieler Hinsicht bemerkenswert. Björn und ich waren beide stillschweigend überein gekommen das Tempo immer weiter anzuziehen und hatten doch viel Spass dabei. Da wir für die Geschwindigkeiten die wir zwischen km 44 und 61,5 laufen konnten aufgrund unseres langsamen Starts relativ zu den Läufern um uns rum schnell unterwegs waren, flogen wir quasi Richtung Ziel. Das es so gut läuft zu einem so späten Zeitpunkt auf einer Strecke mittlerer Länge hatte ich vorher nicht für möglich gehalten. Einen großen Verdienst daran hat natürlich Björn -die Art wie seine Gegenwart mein Laufen und die Einstellung zum Selbigen in den letzten Monaten verändert hat ist wunderbar. Auch kam uns unsere alldonnerstägliche Traileinlage durch den Aachener Wald hinsichtlich Kraft in den Beinen sicherlich sehr zu gute. Den kurzen Trail zwischen km 60 und 61,5 sind wir dann auch tatsächlich zu schnell gelaufen und ich hab doch noch kurz die Nachteile unseres Sprints erleben dürfen – aber geschenkt. Nach 6:53 h (1. HM = 2:23; eher bergab, 2. HM = 2:25; eher flach, 3. HM = 2:04; eher bergauf) sind wir dann glücklich aber ausgepumpt ins Ziel gekommen und wurden direkt am ersten Bierstand mit „Boah Tim“ begrüßt (Nadine und ihre Truppe waren Marathon gelaufen und per Bus schon zum Ziel transportiert worden). Insgesamt ein toller Lauf für uns drei (Helmut hatte sich wie vermutet erholt und ist ganz gut durchgekommen auf den letzten 21 km)! Eigentlich war alles dabei was eine gute Klassenfahrt so braucht:

  • neue Menschen wurden kennen gelernt
  • immer wieder gab es was zu essen (am Ende sogar Süssigkeiten)
  • es wurden Aufputschmittel konsumiert (Cola)
  • zwischendrin dachte man sich immer wieder: sind wir denn hier beim Kindergeburtstag?
  • bevor es richtig öde wurde war es vorbei
  • es wurde nur am Ende einmal geduscht

22. Jungfrau Marathon 13.09.2014

Einen Bericht über eine Marathon Massenveranstaltung? Über einen Lauf der zu den bekanntesten Europas gehört? Mit über 4000 Läufern? Hört sich alles etwas weiter entfernt von dem an, was mir so richtig Spaß macht. Trotz alledem: super wars.

Die Idee den Jungfrau Marathon nach 2011 noch einmal zu laufen, kam von meinem damaligen Begleiter, welcher meinte, wir hätten noch eine Rechnung mit diesem Berg offen. Eine Zielzeit um 5:40 h und unglaublich langsame letzte Kilometer müssten doch zu schlagen sein. Ich dachte mir: das hört sich vernünftig an und habe mich am Valentinstag angemeldet. In der Zwischenzeit verletzte sich mein Kollege und ich dachte mir: toll, warum nur bin ich jetzt angemeldet. Auf der Suche nach einem neuen Mitläufer wurde ich schnell fündig. Überrascht und sehr erfreut habe ich die Email von Henk gelesen, indem er schrieb, er wäre gerne dabei. Das passte dann schon wieder wunderbar: mit Henk unterwegs zu sein würde bestimmt großartig werden und auch Henk und ich hatten auch noch so etwas wie eine Rechnung offen. Die letzten 30 km die wir zusammen unterwegs waren, waren die KM 130 bis 160 bei der TorTour de Ruhr 2014. Es wurde Zeit für schönere Erinnerungen.

Die Geschichte des Laufs ist schnell erzählt: wir hatten einfach 2 Tage richtig viel Spaß. Freitag morgens in den Zug, Freitag abends Startnummer geholt und das schlechte Wetter in Interlaken bewundert. Samstags morgens dann Sonnenschein und insgesamt perfekte Bedingungen während des ganzen Laufs. Beim Jungfrau Marathon gibt es ein paar Regeln: da es oben sowieso langsam wird muss alles was geht an Zeit unten rausgeholt werden. Wer also unbedingt unter 5 h will muss eine super Zeit auf den ersten 25 km auf die Strecke bringen. Angesichts dessen dachte ich mir: egal. Genießen war angesagt. Schön gemütlich los, die ersten 25 km in 2:30 h gelaufen (dabei ist man schon weit hinter dem 5:30 Tempoläufer :D) und dann in den Berg. Henk wollte noch gemütlicher und so haben wir uns für oben verabredet. Über die letzten 17 km beim Jungfrau Marathon kann man vieles sagen: einfach sind sie sicher nicht. Teilweise noch viel unbequemer als ich das von 2011 in Erinnerung hatte. Ich fühlte mich gut. Das langsame Tempo am Anfang war genau richtig. Ich machte mich ans überholen und genoss die Aussicht. Plötzlich wusste ich wieder warum ich mir dieses Massengedrängel angetan habe: die Aussicht ist tatsächlich unbezahlbar. Dazu die Machtlosigkeit angesichts dieser steilen Wege, das Gefühl überhaupt nicht vorwärts zu kommen obwohl man sich richtig reinhängt. Die letzten Kilometer über die Moräne, wo man nur noch denk und hofft: wann ist das endlich wieder zu Ende. Gleichzeitig kann man dabei die Eiger Nordwand bewundern. Das hat schon was. Und dann war es vorbei. 5:22 h. Trotz langsamem Laufen unten, schneller als 2011. Revanche mit dem oberen Teil des JM geglückt. Der Sieg über einen Läufer mit dem Aufdruck: Schal..04 auf dem Trikot, den ich zwischen KM 28 und 40 immer mit im Blick hatte, war das iTüpfelchen! Zufrieden und begleitet von einer leichten Übelkeit warte ich auf Henk. Der lässt nicht lange auf sich warten, wir holen das wunderschöne gelbe Finisher Shirt, unsere Sachen und fahren mit der unendlich langsamen Bergbahn den Berg wieder runter. Nach einer sehr leckeren Pizza lassen wir den Abend liegend ausklingen.

Fest steht: solche Massenveranstaltungen müssen eigentlich nicht sein – da sind Henk und ich uns einig. Trotzdem hatten wir ein wie ich fand super Wochenende! In Erinnerung bleiben die unglaublich schönen Berge, CandyCrush und die gelben Finisher Shirts – nicht wahr Henk?P1090281 P1090273 P1090271 P1090265 P1090268 P1090254 P1090241 P1090232 P1090228 P1090207 P1090204 P1090274 P1090272 P1090266 P1090264 P1090263 P1090259 P1090252 P1090251 P1090245 P1090234 P1090230 P1090220 P1090211 P1090200

MatschTrail 23.08.2014

Foto 1 Foto 2 Foto 4 Foto 5 Foto 3

Hach war das schön matschig heute. Schöne Tour von Aachen nach Raeren und zurück. Die ganze Laufgruppe (also wir 2) waren hochzufrieden mit dem tollen Track. Den könnt ihr euch hier anschauen. Ein bisschen Anlass zur Optimierung gibt es noch: der Asphalt-Anteil ist mit geschätzten 20% doch arg hoch. Hoffentlich fällt mir noch eine nette Variante ein um auch noch das letzte Bisschen Zivilisation zu umgehen. Dafür sind schon jetzt 2 lange Bachtrails drin die an Schönheit eigentlich nicht zu überbieten sind. Eine Stelle war so schön, dass ich die volle Konzentration auf den Untergrund etwas vernachlässigt habe. Das Ergebnis ist in den Fotos zu sehen. 

Die am häufigsten verwendeten schlechten Witze unterwegs hatten allesamt mit Matsch zu tun. Auch die Aussage: „Mit Trailschuhen wäre das nicht passiert“ hatte ihren Ehrenplatz

Bewegtes zum Lauf findet ihr hier

Als Fazit bleibt: Etablieren könnte man diese wunderschönen 43 km eigentlich als den 1. Aachener Trailmarathon. Das muss definitiv mal geplant werden. Ob da wohl jemand mitlaufen würde?

20140706_Corio Trail – 36 km Spaß

Der Hinweg vom Bahnhof Heerlen führt direkt mal an einigen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei (Statuen, merkwürdigen Firmengebäuden und Stockrose-bewachsenen Hauseinfahrten). Irgendwie sind die Straßen morgens um 9 Uhr in den Niederlanden sehr leer – war gestern etwa Fußball? Bald liegt die Stadt hinter uns und es geht ab in den Wald. Der erste Eindruck von der Umgebung stimmt uns froh und als wir dann noch einen Abhang sehen, der mit Sicherheit nicht laufbar ist und doch zur Strecke zu gehören scheint können wir uns kaum erwarten. Der Wald lichtet sich und nach den ersten 4,5 Laufkilometern sind wir am Start. Schön neue Sportanlage inkl. Vereinsheim und viele lustige Läufer. Jetzt heisst es Rucksack umpacken, Chip an den Schuh und warten das es los geht. Wann das dann wohl sein wird, weiss keiner so genau und es scheint auch keinen wirklich zu interessieren. Irgendwann bekommen wir viele hilfreiche Informationen zur Strecke auf niederländisch durchgesagt (wir hoffen das es auch ohne die Infos gehen wird) und es geht los. Nach einer kleinen Runde um den Sportplatz und über ein paar Nebenstraßen geht es zügig in den angrenzenden Wald. Schnell wird klar das heute alles super wird. Wunderschöne enge Trails, Matschgruben, Bäume auf dem Weg und kleine gelbe Pfeile die die Richtung weisen. Naja, also zumindest meistens (der Track auf der Garmin hat dann doch noch die Chance gehabt sich zu bewähren). Was auch auffällt: der pessimistische Wetterbericht sollte nicht recht behalten und es wird schnell sehr warm (schade eigentlich). Achso ja: der vorhin beschrieben Abhang war tatsächlich nicht laufbar – es fühlte sich eher nach springen/fallen an. Nach 6 km die erste Verpflegung und wieder einmal bewahrheitete sich: die kleinen Laufveranstaltungen haben es einfach drauf. Alles da was Not tut: Salzstangen, Chips, Waffeln, Äpfel, Wasser, Cola und Energiezeug und jede Menge Weingummi! Der Track führt jetzt immer wieder über offene Wiesen, zwischen Feldern entlang und hält sich dabei immer an das Motto: neben den Wegen ist auch schön. Nach ca. 10 km kommt dann schon das absolute Highlight. Gemütlich auf einem Feldweg unterwegs werden wir von hinten darauf aufmerksam gemacht das es doch nach links abgeht. Und richtig: die Garmin sagt das auch. Allerdings ist auch glasklar, dass das eine Streckenführung aus einer Zeit sein muss an dem der Steilhang da links weniger zugewachsen gewesen sein muss und ganz sicher nicht abgesperrt war. Die von hinten Rufenden wollen irgendwie trotzdem da hoch und Teile unser zweiköpfigen Laufgemeinschaft sind direkt Feuer und Flamme. Also Klettern wir: zuerst über den Zaun und dann den Steilhang hoch – auf allen Vieren. Die Belohnung folgt oben: 1 km eines ehemaligen Trampelpfads der wunderbar zugewachsen ist und eine sensationelle Aussicht bietet. Die anderen Läufer laufen unten auf dem breiten Weg locker an uns vorbei, doch es ist Zeit zum genießen. Mittlerweile sehr weit hinten im Feld kehren wir auf den wohl richtigeren Weg zurück. Es wird immer wärmer und die Trinkpausen häufen sich. Bei der zweiten von drei Verpflegungen bei km 16 sehen wir zu das wir möglichst viele Chips essen und unsere Wasservorräte auffüllen. Der größte Teil der zweiten Hälfte des Laufs geht wunderschön zwischen Feldern entlang, über Felder, über Wiesen und immer schön rauf und runter. Es wird immer deutlicher: das ist heute richtig übel! Frohen Mutes kämpfen wir uns weiter und werden kurz vor Schluss nochmal richtig belohnt. Es geht wieder durch das am Anfang beschrieben Wäldchen und gipfelt in einem Teil wo auf einmal Seile von einem Abhang herunterhängen der sonst auf keinen Fall zu bewältigen wäre. Nach dem Kletterspaß ziehen sich schöne Waldpfade bis zum Ende des Rennens nach 36 km. Rucksäcke wieder füllen und ab in Richtung Bahnhof. 4,5 der längsten km die es wohl gibt. Toll wars – nächstes Jahr gerne wieder!

http://coriotrail.nl

20140607_TorTour Support

„Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Strasse, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“

Leichte Kopfschmerzen, das Gefühl zuviel gegessen zu haben und gleichzeitig die Frage ob genug Energie im Körper steckt und dazu diese bleierne Müdigkeit. Es ist Samstag Abends 23 Uhr. Am liebsten würde ich mich jetzt ins Bett liegen. Im Fernsehen nur belangloses Zeug – immer wieder der Blick auf das Handy. Immer noch keine SMS. Die Gedanken sind bei Henk – das war heute viel zu warm für einen Lauf über ein paar KM und sicherlich die Hölle wenn man seit 8 Uhr auf den Beinen ist. Um 00:26 kommt die SMS von Rebecca: „Henk wandert jetzt – braucht noch eine Stunde bis KM 130“. Es ist also soweit. Der Blick aufs Thermometer: Unglaubliche 19 Grad. Gut, dann kommt das Unterhemd wohl in den Rucksack. Ein bisschen Wasser, das Handy, die Uhr und die Lampe. 6 KM bis zum VP130 und die ersten Schritte beseitigen nicht nur die Müdigkeit, auch die Kopfschmerzen sind sofort weg. Es geht gut, Fuchs, Reh und Igel auf dem Weg sind relativ erstaunt über meinen Lauf zu dieser Zeit, aber was soll´s. Herdecke bei Nacht ist wie immer: absolut leer. Angekommen auf dem Parklatz am VP130 treffe ich glücklicherweise direkt auf Astrid (Willem macht es sich gerade im Camper bequem um ein wenig zu schlafen), mit der zusammen ich die etwas verstecke Verpflegung finde. Es ist 01:30 Uhr und an der Verpflegung läuft alles ruhig und familiär ab. Jetzt heisst es warte. Wann kommt Henk? Astrid und ich setzen uns an den Radweg und schauen den ankommenden Läufern entgegen. Dann ist Henk da. Er berichtet von einem guten ersten 100er, der großen Hitze, einer nervigen Umleitung und das es ihm nicht gut gehe. Ich bin etwas sprachlos: was soll ich ihm jetzt sagen? „Alles gut!“, „Du hast noch genug Zeit“, „Jetzt ist es doch nicht mehr weit!“ – alles klingt irgendwie unpassend. Henk isst nur ein Toast und will direkt weiter. Astrid auf dem Rad und ich zu Fuß begleiten ihn: einer rechts und einer links von ihm. Nachtwanderung. Henk kann nicht mehr laufen – er versucht es mehrmals aber es geht ihm direkt sehr viel schlechter. Er ist besorgt, rechnet schon jetzt – einen Schnitt von 6 km/h will er unbedingt halten. Das klappt in der ersten Stunde auch ganz gut. Links von uns liegt groß, schweigend und dunkel der Hakortsee. Kurz hinter Wetter erreichen wir den VP140. Rebecca und Willem sind da, Henk trinkt Kaffee. Mit Astrid auf dem Rad und mir gehts weiter. Willem ermahnt mich Henk nicht am Rand des Weges gehen zu lassen: „Wenn er einmal fällt dann war´s das!“ Es beginnt eine schwierige Zeit. Henk ist am Ende und schwankt gehörig. Der Schnitt nähert sich immer weiter den 5 km/h. Ich halte Björn per SMS´en auf dem Laufenden. Zugleich merke ich mir wie mir die Fußballen weh tun. Scheinbar ist das Wandern in Laufschuhen etwas ganz anderes als Laufen – ich verdränge diese Gedanken. Was sind schon diese Probleme im Vergleich zu Henk´s Zustand. Ab 4 Uhr fängt es an zu dämmern – gegen 5 Uhr können wir die Stirnlampen einpacken. „Das Problem ist, dass ich nicht mehr gerade aus laufen kann“. Dann sind wir wieder am Camper. Wieder Kaffee für Henk. Dem tut es sichtbar gut. Auch das man wieder was sieht kommt uns allen zu gute. Meine Füße fühlen sich komisch an. Es wird weiter gewandert und wir nähern uns langsam aber sicher dem Kemnader Stausee. Auf dem Weg dahin geht die Sonne orange über Thyssen auf – ich denke mir: mehr Ruhrgebiet geht nicht. Henk kommt uns am Kemnader See weit entgegen. Etwas abseits von Henk beraten wir uns. Er bestätigt mir, dass das Gehen tatsächlich was ganz anders ist und auch von Ultraläufern geübt werden sollte (wer, wenn nicht er muss das wissen). Auch sagt er: ihr seid zu langsam. 10 Minuten schon. Kurze Verpflegung: Henk bleibt lieber so gut wie gar nicht stehen. Großartiger Kampf. Ich schreibe in der Zwischenzeit Björn, dass wir bis VP174 wohl doch noch sehr lange brauchen würden. Er antwortet er sein in Zwischenzeit angekommen (nach einer sicher nicht angenehmen Zugfahrt durch die Nacht). Wir alle machen Henk Mut. Henk geht weiter. Ich versuche ihm etwas zu erzählen, weiss aber nicht so recht was und so ermuntere ich ihn von Zeit zu Zeit und hoffe das mein gehen neben ihm ihn gut genug unterstützt. Meine Füße brennen. Wir sind auf der Hälfte des Kemnader See´s als Henk plötzlich sagt: „Bei 174 steige ich aus, es reicht!“ Er entschuldigt sich für seinen miserablen Zustand und hängt noch weitere überaus plausible Gründe an warum es nicht mehr geht. Ich sage ihm mehrmals, dass er sich nicht zu entschuldigen bräuchte. Ich hätte vollstes Verständnis und sage ihm, dass es bisher eindeutig schon eine überaus großartige Leistung sei. Wie groß mein Respekt vor seiner Leistung und seinem Kampf ist, kann ich nicht in Worte fassen. Meine Füße schmerzen schon nach 30KM und Henke hat jetzt bald 160. Wie kann er sich überhaupt noch bewegen? Ich schreibe Björn er soll sich vom VP174 mal besser laufend auf den Weg uns entgegen machen, damit Henk ihn noch zu Gesicht bekommt. Henk ist innerlich glaube ich sehr zufrieden mit seiner Leistung und froh über seine Entscheidung. Es wird schon ziemlich warm, wir gehen weiter und werden langsamer. Schnell wird klar das wir VP174 heute nicht erreichen werden. Wie Henk diese letzte Stunde übersteht, kann ich nicht nachvollziehen. Mir tut auch jeder Schritt weh – insgesamt wohl ein sehr trauriges Gespann. Es ist mittlerweile nach 8 Uhr. Endlich kommen wir bei ungefähr KM163 wieder zum Camper. Alle sind da, Willem, Rebecca und Astrid – alle gratulieren Henk. Dieser verschwindet ziemlich schnell im Camper: sein Versuch die Stufen in den Camper zu besteigen macht nur überdeutlich was er geleistet hat. Ich finde ein Stück Wiese und kann mich endlich mal hinsetzen und meine geschwollenen Füße samt einer großer Blasen bewundern. 8 Stunden auf den Beinen, knapp 40KM, kein Schlaf – ich bin froh zu sitzen. Björn findet uns glücklicherweise. Ist kurz bei Henk. Alle sind müde und können sich jetzt entspannen – Henk hat alles versucht und wir haben versucht ihn möglichst gut dabei zu unterstützen. Henk hat 24 Stunden durchgehalten, die ersten 12 in einer Temperatur die sich perfekt fürs Freibad eignet und die nächsten 12 immer noch sehr warm und teilweise dunkel. Er hat etwas mehr als 100 Meilen hinter sich gebracht. Zum Zeitpunkt von Henk´s Aufgabe haben schon über 40  der 80 Startern auf der langen Distanz das Handtuch geschmissen. Es wird immer wärmer. Es wird wieder so ein unmenschlicher Tag. Vermutlich hatten nur die eine echte Chance, die so schnell waren, dass sie zu dieser Zeit schon so um KM200 sind. Für alle anderen würde es sehr, sehr schwer werden. Einen zweiten Tag bei annähernd 30 Grad – vorstellen kann ich es mir nicht. Ich komme mir sehr klein vor in diesem Moment auf dieser Wiese.

20140517_Rennsteig Supermarathon

Das Ding heisst Supermarathon. Super ist der Marathon tatsächlich, aber irgendwie hat da jemand beim Vermessen der Strecke richtig gepennt. Der Tag begann eiskalt in Eisenach. Ich hatte das Glück der Vollbetreuung durch meine Schwester (3:15 Aufstehen, Hinbringen, Betreuung bis Einschließlich Startschuss und Abholen am Zielort) und so konnte ich alles sehr entspannt über mich ergehen lassen. Also Nummer holen und dann mit 2000 anderen Läufern auf dem Marktplatz in Eisenach den Hubschrauber beobachten, der das Spektakel aufzeichnet (interessiert vermutlich niemanden so wirklich).

Pünktlich um 6 gehts dann los. Ich stand im hinteren Drittel des Feldes und so waren die ersten Kilometer absolut überfüllt. Was direkt aufgefallen ist, ist die Gelassenheit der Mitläufer. Keiner hats eilig, alle erzählen allen anderen, dass es bald besser wird. Wirklich besser fühlt es sich erstmal nicht an (es geht merkwürdigerweise nur hoch und ist immer noch richtig kalt) aber nach 10 km hat es sich alles etwas auseinander gezogen. Dadurch, dass das Vorwärtskommen am Anfang etwas erschwert war ist der Schnitt auf der Garmin weit über 8 min/km und ich frage mich schon ob ich wohl noch im Hellen ankomme. Zur Kälte gesellt sich ein hartnäckiger Nebel, der auf dem Inselberg (km 25) recht drastische Formen annimmt. Das erste Drittel ist also geschafft und ich fühle mich immer noch nicht richtig in Laufstimmung – die Beine fühlen sich richtig träge an. Was solls: Weiterlaufen ist angesagt – hilft ja nix.

Die Verpflegung ist exzellent und die Verpflegungsstellen super betreut. Früh beschließe ich mich auf Schmalzbrote mit extra Salz festzulegen. Auf viel Durcheinander verzichte ich bewusst. Einmal gab es noch Gurke mit Kräutersalz (top)! Dazu am Anfang nur Wasser, ab km 45 Wasser und Cola, am Ende nur noch Cola und irgendwas zitroniges und erfrischendes. Kein Schleim, keine Wiener Würstchen, kein Gel, kein Tee, kein Bier, keine Experimente. Die Strecke an sich ist schnell beschrieben: grün, baumreich mit machmal fantastischer Aussicht und durchaus bergig. Da ich schön langsam losgelaufen war, dachte ich: mach ich doch einfach so weiter. Jeder Anstieg wird konsequent gegangen und insgesamt ein Durchschnittstempo von ca. 7:10 (inkl. aller Verpflegungen) gehalten. Und siehe da: km 30 kommt und die Beine fühlen sich besser an, der Nebel ist weg und es wird wärmer. Km 37,5 – Halbzeit. Der Sprecher am Verpflegungsstand erzählt davon das der 1. Läufer vor gut 2 Stunden hier durchgekommen sein soll. Er ist wohl der Einzige, den das interessiert. Es läuft immer besser – ich hoffe das das Hoch nicht zu früh da ist bzw. nicht allzu bald wieder geht.

Km 40, km 45, km 50 und das wirklich Erstaunlich ist: ich fühle mich richtig gut. Km 54 Grenzadler. Auf einmal lichtet sich der Wald und es geht steil eine Wiese hinab und der Zielbogen ist zu sehen. Die Freude ist nur kurz: alle um mich rum laufen dran vorbei und ich schließe mich schweren Herzens an. An der Verpflegung Brühe versucht, für schlecht befunden und wieder auf Schmalzbrote umgestiegen. Kurz überlege ich ob ich nicht doch mal Biathlon versuchen soll, jetzt wo ich schonmal hier bin, laufe dann aber doch wieder hoch in den Wald. Ein Schild mit der Angabe KM 2 verwirrt kurz (die Erkenntnis, dass es sich hierbei um die Kilometrierung der HM Strecke handeln muss, folgt bald).

An der Getränkestelle bei km 58 kurz ein Schwätzchen mit dem Typen von dem Stand mit dem zitronigen Etwas. Er sagt mir: ich wäre der entspannteste und fröhlichste Läufer der bisher vorbeigekommen wäre. Ich sage ihm: die Sonne scheint doch, also warum groß grämen. Ich bedanke mich für die Verpflegung und mache mich auf die letzten 15. Einmal noch hoch (am höchsten Punkt haben die Übermütigen doch tatsächlich einen Haufen Schnee platziert, der fröhlich vor sich hin schmilzt) und dann in Wellen bergab. Es läuft immer noch den Umständen entsprechend großartig, auch wenn es so langsam mal zu Ende sein könnte. Noch 10. Ich denke mir immer wieder, dass die letzten 10 km sich perfekt für einen Wettkampf nach dem Motto: „unter Garantie zur Bestzeit“ nutzen lassen würden. Die bald schon viel drängendere Frage: haben die das 70 km Schild vergessen? So langsam schmerzen die Beine. Es bietet sich ein surreales Bild: die Unterhaltungen sind längst verstummt, alle blicken verzweifelt nach vorne und laufen oder gehen wie Roboter. Alle wollen das Gleiche und doch ist jeder so allein im Kampf mit sich selbst.

Ahhhh, da ist ja das 70 km Schild. So langsam macht sich die Gewissheit breit: heute wird tatsächlich gefinisht. Dann geht alles ganz schnell: 71, 72, Zielgerade – fertig. 8:41:12. Soll reichen. Wirklich ein super Marathon. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch: im Kleiderbeutel ist eine Broschüre der DUV, die aus irgendeinem Grund behauptet ich gehöre jetzt zu denen. Verrückt!