Die Zeit in Aachen begann für mich im September 2009. Laufen bedeutete für mich zu dieser Zeit, immer wieder eine sehr begrenzte Auswahl an asphaltierten Wegen zu nutzen und einmal im Jahr einen Marathon vorzubereiten und zu laufen. Mit dem Aachener Wald bin ich in meinen ersten 3 Jahren in Aachen kaum wirklich in Berührung gekommen. Geändert hat sich das mit dem Anschluss an den LTB Aachen im Dezember 2012. Dort kam ich dann auf den traditionellen Laufrunden mit den breiteren Wegen des Aachener Waldes in Berührung. Überrascht war ich von der Größe und den unterschiedlichen Bereichen die es zu sehen gab. Endgültig verändert hast sich mein Erleben des Aachener Walds mit der Entdeckung meiner Leidenschaft für die kleinsten und allerkleinsten Pfade. Zusammen mit Björn, der nicht ganz unschuldig an der Vorliebe für die Trails ist, habe ich seit einem Jahr so unglaublich viele Trampelpfade im Aachener Wald gesucht und gefunden, wieder entdeckt, neu kombiniert, dass sich unendliche Kombinationsmöglichkeiten von traumhaften Wegen ergeben haben. Und doch ist ein Gefühl geblieben: es gibt noch so viele Pfade mehr die entdeckt werden wollen. Mittlerweile laufen wir absichtlich keine Runde mehr genau gleich – jedes Mal wird ein neuer Abzweig versucht und für gut befunden oder verworfen. Eine abwechslungsreichere Traillandschaft gibt es hier in der Umgebung sicher nicht. Es gibt im Aachener Wald so schwere Trailkombinationen, dass ich sie alleine nicht laufe, weil diese Wege nur zu zweit und mit vielen Scherzen zu überstehen sind. Auf diesen Touren braucht nur einer nicht ganz auf der Höhe zu sein und schon wird es enorm schwer. Jede nur denkbare Bodenbeschaffenheit und jegliche Steigungs- und Gefällungsprozente sind vorhanden. Durch all diese Facetten ist der Aachener Wald nun viel mehr als nur ein Gebiet zum Laufen für mich. Er ist ein Rückzugsgebiet von unschätzbarem Wert geworden, indem es mühelos gelingt auch an sonnigen Wochenendnachmittagen keiner Menschenseele über den Weg zu laufen und indem man sich sehr einfach verlieren und verlaufen kann. Das Gefühl die bekannten Trails zu sehen und die Neugier diesen eine kleine Weg mal zu versuchen den man irgendwann entdeckt hatte sind unbezahlbar. Björn und ich sind uns mittlerweile sicher, das wir einen absolut wunderschönen und unglaublich harten Trail-Marathon im Aachener Wald veranstalten könnten. Wenn es nur jemanden interessieren würde.. Immer wenn wir uns sicher sind das die Teilnehmerzahl nicht größer als 2 werde würde, müssen wir lachen. Dann ziehen wir den Gurt vom Rucksack enger und verschwinden im grünen Paradies! Ungesehen, ungestört und voller Freude und Freiheit!
Archiv des Autors: Pfadsucher
20150613_Göhl-Marathon
Die Fluss Göhl als lohnendes Laufprojekt war mir im Frühjahr 2015 auf einer kleinen Aufwärm-Tour zu einem der Halfzwaren von Willem aufgefallen. Damals lagen weite Teile der Flusslandschaft im Dunkeln vor mir, also wurde es wirklich Zeit für eine Tour im Hellen! In der üblichen Zweierbesetzung ging es vom üblichen LTB-Aachen Treffpunkt 6 km die Trails des Aachener Waldes in Richtung Belgien hoch. Die Quelle der Göhl liegt im deutsch/belgischem Grenzgebiet in der Nähe des Grenzübergangs Lichtenbusch. Von dort sind wir dem Fluß auf seinen ersten knapp 20 km durch sowohl belgisches, als auch niederländisches Gebiet gefolgt. Die Maßgabe dabei war die Übliche: möglich die kleinsten Wege und möglichst nah am Fluss. Das was uns dann auf dieser Strecke erwartete waren, neben 3 Stunden Regen, absolut wunderbare Landschaften auf allerbesten Trails. Offene Wiesen mit nur einer ungefähren Ahnung des genauen Wegverlaufs, absolut zugewachsene Trampelpfade, Matschwege am Wasser, alte Bergwerksruinen, verwunschene Wälder, traumhaft schöne Flussbiegungen … Ich weiss nicht viel über Belgien und die Niederlande und kenne sie kaum, aber die Freiheit und Freude die sie einem beim Laufen durch die lockere Auslegung des Begriffs „Privatgelände“ und durch ein absolut einzigartig ausgebautes Netz an Wanderwegen bereiten ist unglaublich! Augen auf und Staunen! Der Rückweg nach Aachen brachte die Tour auf ca. 43 km – ein perfekter Vormittag!

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RöX (09.05.2015), RuA (14.05.2015) & der Schokokuchen
20150509_RöX (Röntgenlauf bei Nacht) / 55 km
Es war schon eine lustige Truppe, die sich am 09.05.2015 um 20 Uhr in Remscheid versammelte. Stefan Jung hatte eingeladen, den Röntgenlauf einfach mal nachts abzulaufen (RöX = Röntgenlauf Extrem ;)) – so zum Spaß! Was dann in den folgenden gut 7 Stunden passierte, war wieder mal Lauferei vom Allerfeinsten: es wurde sehr viel gelacht, gefühlte 5000 Läufe in 2015 besprochen und teilweise war soviel Zug drin an der Spitze, dass einige Freundschaften beinahe dauerhaft darunter gelitten hätte. Die im Wald versteckte Kiste bei KM30 war eine perfekte Verpflegung mit allerlei leckeren Sachen und hat mir sehr geholfen. Insgesamt ein für mich doch recht schwerer Lauf – irgendwie wollten die Beine in dieser Nacht nicht ganz so wie gewohnt. Trotzdem ein perfekter Lauf mit super Leuten! Vielen Dank an den Organisator für die Realisierung und vor allem für das Bengalo auf dem Parkplatz im Ziel – ein sehr stimmungsvolles Ende einer schönen Laufnacht!
20150514_Rund um Aachen 2015 / 63 km
Das Gefühl der Erschöpfung war schon vor dem Lauf irgendwie präsent. Vielleicht war ich doch nicht ganz fit? Egal, Dieter vom Bahnhof abholen, dann schön zum Waldstadion joggen, sich bei Karin anmelden und schon ging´s los. Rund um Aachen war vor 2 Jahren mein erster Lauf über der Marathondistanz und hat daher einen romantischen Stellenwert im Laufkalender. Nett, familiär und mit der ständigen Möglichkeit auszusteigen zieht Rund um Aachen immer eine sehr interessante Mischung von Läufern an. Die erfahrenen Langstreckler genauso wie die Neulinge. Das macht besonders viel Freude. Natürlich wollte ich nach 2013, 2014 auch 2015 wieder die volle Distanz hinter mich bringen und so die Serie weiterführen. Ob der ständigen und liebevollen Verpflegung fällt das Vorankommen bei RuA traditionell sehr leicht – es sind meist nur 5 km bis zum nächsten Keks. Trotz all der schönen Eindrücke und der sehr schönen Strecke wollte der Körper ab km 45 einfach nicht mehr. Die Beine unsäglich müde und ständige Übelkeit – das Laufen wurde immer schwerer. Dazu noch die Verlockung an jedem VP einfach im Auto sitzen bleiben zu können und dann sofort Ruhe zu haben … Da mir eh nicht nach essen war habe ich an den letzten VPs die Zeit zum Sitzen genutzt und mich mit der Frage beschäftigt: aufgeben oder nicht? Warum ich letztlich weiter gelaufen bin kann ich nicht wirklich sagen. Irgendwie meinte der Kopf: ankommen wär schon irgendwie wichtig! Auch wenn ich die letzten 15 km nicht wirklich geniessen konnte, den leckeren Schokokuchen bei KM 59 nicht essen konnte war ich doch sehr froh mich dann doch ins Ziel geschleppt zu haben. Die Serie ist doch nicht gerissen. Nach dem Duschen war die Übelkeit dann auch soweit weg, das wir doch noch einen Familienausflug zum traditionellen Essen nach RuA in der Waldschenke unternommen haben. Ein wie immer sehr schöner Abschluss eines heute sehr sehr harten Laufs. Es gibt wohl solche und solche Tage… Als krönender Abschluss hat Maren mir noch ein Stück des Kuchens aufgehoben, den ich vorher verpasst hatte. Vielen Dank dafür wie auch Karin + Familie und Maren für die super Betreuung unterwegs. Bis nächstes Jahr!
Was hier natürlich noch fehlt ist das Rezept vom Schokokuchen:
BaHAMaS Schokokuchen (BAckt Heute Alle MArens Superschlemmer Schokokuchen)
Zutaten:
150 g Zartbitterschokolade
250 g Margarine (z.B. Alsana)
250 g Zucker
20 g Vanillezucker
3 EL Sojamehl
6 EL (Leitungs-)Wasser
300 g Mehl
1 Päck. Backpulver
1 Prise Salz
100 ml Hafermilch
ca. 7 EL Kakaopulver (nach Belieben auch mehr möglich 😉 )
50 ml Espresso
Zubereitung:
1. Schmelze die Zartbitterschokolade (z. B. im Wasserbad oder in der
Mikrowelle). Anschließend (nicht weiter erhitzen) lasse die Margarine
unter Rühren in der Schokolade schmelzen. Ist die Masse etwas abgekühlt,
schlage sie mit dem Mixer schaumig auf. Füge den Zucker und den
Vanillezucker hinzu und rühre auch diese Masse schaumig auf.
2. Vermenge das Sojamehl und das Wasser zu einer glatten Masse. Rühre es
anschließend unter die unter 1. erzeugte Masse.
3. Mehl, Backpulver und Salz mischen. Löffelweise und abwechselnd mit
der Hafermilch unter die in 2. erzeugte Masse rühren.
4. Rühre nun das Kakaopulver in die in 3. erzeugte Masse ein.
5. Teile den Teig etwa gleichmäßig auf. In eine Hälfte wird der Espresso
eingerührt.
6. Fülle den beide Teige nacheinander in eine (26er-)Springform und
ziehe mit einer Gabel Marmormuster in den Teig.
7. Backe den Kuchen bei 180°C etwa 50 Minuten.
8. Lasse den Kuchen kurz auskühlen, damit du dich nicht verbrennst, und
vernasche ihn anschließend. Falls Gäste eingeladen waren, für die der
Kuchen gedacht war, beginne wieder mit Schritt 1 😉
Vielen Dank für das Rezept (Björn) und das Backen (Maren)!
Ein Shirt lag im Schrank!
Hier mein Beitrag zum nie aufgerufenen und ausgelobten TTdR Shört Contest!
Die Geschichte meines TTdR-Shirts ist eine Traurige. Anfang 2014 gelangte es in meinen Besitz als Präsent von Helmut an seine angedachten Supporter für die TTdR2014. Mit Freude habe ich es damals entgegen genommen und mich auf den Support gefreut. Leider verletzte sich Helmut und musste seine Teilnahme absagen. Meinen Support habe ich dann Henk zur Verfügung gestellt. So schön es auch war dabei sein zu können und irgendwie zu versuchen zu helfen, so schwierig war es auch zu sehen, wie Henk an diesem Tag seine Träume nicht verwirklichen konnte. Was genau passiert ist lest ihr hier! Seit der TTdR2014 hat sich vieles getan. Die Läufe wurden länger, die Grenze des Möglichen hat sich immer weiter verschoben. Nur ein Shirt hat das alles nicht mitbekommen. Es lag meist weit unten im Stapel – irgendwie fühlte es sich komisch an sich mit diesem Lauf und diesen Distanzen zu schmücken. Es war dann schon ein sehr besonderes Gefühl als Jens heute die Einladung zur TTdR2016 für die 100 Meilen geschickt hat. Irgendwie die Krönung der letzten beiden Jahre. Selber auf eine der drei Strecken zu dürfen, die Ruhr entlanglaufen zu können wo meine persönlichen Lauferei 2007 in Herdecke begonnen hat und dann auch noch (so sieht es momentan aus) von ganz vielen lieben Läufern supported zu werden, die die letzten Jahre geprägt haben – fantastisch! Ich freue mich schon jetzt sehr auf 2016 – danke Jens für die Chance! Gerade war ich laufen und irgendwie war das Shirt das ich anhatte ziemlich schwarz…
20150502_WHEW100
„Ja, mir san mit’m Radl da“
Die Idee Stand schon länger im Raum. Dieter und ich hatten uns bei einem unser seltenen Treffen Anfang 2015 für den WHEW100 entschieden. 100 km Run&Bike. Das hörte sich für uns beide schon nach einer sehr lustigen und reizvollen Idee an. Am 02.05.15 war es dann soweit. Treffen um 0600 in Wuppertal in einem wunderschönen alten Bahnhof. Die üblichen Vorbereitung – die Hälfte der Läufer stellte sich noch sehr schlafend. Um 0700 Uhr ging es los. Ca. 70 Einzelstarter über die 100, ein paar 2er oder 4er Staffeln sowie 12 Run&Bike-Teams. Die Regeln des Run&Bike waren denkbar einfach. Zusammenbleiben und wechseln nach Belieben. Dieter bediente die ersten 12 km und ich habe wohl selten mehr auf einem Fahrrad gefroren als während dieser Zeit. Direkt nach dem Wechsel begegneten wir Anja und Andre, einem der weiteren Run&Bike Teams. Eine sehr glückliche Fügung wie sich noch herausstellen sollte. Auf den kommenden 50 km waren wir dann tatsächlich sowas wie ein 4er Team. Nicht die ganze Zeit zusammen, aber doch weite Teile. Was gibt es schöneres als neue Leute kennen zu lernen, sich über schöne Läufe zu unterhalten und so die km einfach km sein lassen zu können. Es hat sehr großen Spaß gemacht diesen Weg zu teilen (vielen Dank an Verena Liebers für das tolle Foto).
Unterwegs war es die übliche Mischung aus Essen, Laufen, Quatschen und Fahrradfahren. Das einzig wirklich brutale waren die Wechsel vom Rad zurück auf den Boden. Es dauert immer ein paar hundert Meter bis es sich wieder wie Beine anfühlte. Bei km 60 kam die Trennung von Anja und Andre weil die Geschwindigkeit nicht ganz passte. Ab da fing dann auf einmal die Träumerei so richtig an. In dem Tempo wäre es theoretisch möglich die 9 Stunden zu unterbieten. Wenn auch sehr knapp, auf einer Strecke die erstmal 13 km nur hoch ging … Dieter und ich haben immer mal wieder drüber nachgedacht und dann ohne viel zu entscheiden angefangen schneller zu laufen. Es folgten 40 sehr harte km. Beide waren wir während der Laufpassagen eher Richtung Anschlag unterwegs und haben versucht auf dem Rad halbwegs zu regenerieren. Die Uhrzeit wurde auch immer wichtiger. Mal ein wenig rechnen obs noch geht :). Es wurde langsam immer wahrscheinlicher und bei km 80 waren wir uns relativ sicher. Blöd, das noch ein welliges Stück an der Strasse auf uns wartete bis es dann endlich kurz vor km 95 wieder auf die Bahntrasse ging. Breiter und perfekter Asphalt. Bis dahin hatten wir auf den letzten 30 km immer weiter Run&Bike Staffeln eingesammelt und waren uns auch irgendwie bewusst, dass es Richtung Treppchen gehen könnte. Völlig entkräftet wechselten wir bei 94,5 und 97 km noch zweimal auf diesem Teilstück. Die letzte VP bei km 95,5 führte Buch. Platz 8 gesamt (konnte also nicht soweit hinten beim Run&Bike sein). Das setzte die letzten Kräfte frei. Der Blick auf die Zeitnahme 200 m vorm Ziel war dann die Befreiung. Das Rad schiebend überquerten wir nach 08:53:18 die Ziellinie. Absolut kaputt aber mehr als zufrieden trifft es wohl am Besten. Insgesamt auch noch Platz 2 der Run&Biker. Entspannen, alle anderen beglückwünschen die ins Ziel kommen, rauf aufs Treppchen und dann nach Hause. Insgesamt eine perfekt organisierte und wunderschöne Veranstaltung. Ich glaub ich nehme jetzt immer einen Mitläufer und ein Rad mit wenn ich 100 km laufe. Man spart doch relativ viel Zeit ;)!
20150418_Limburgs Zwaarste 2015 (100 km)

Das war dann also der erste 100 km Lauf. Ein Tag danach halten sich die Nachwirkungen tatsächlich in Grenzen. Das erste mal 100 km zu finishen fühlt sich schon besonders an. Und dann auch noch auf dieser wunderbaren Strecke. Es ist alles dabei: Enorm viele und schwerer Singeltrails, wunderbare Passagen an Bächen und Flüssen, traumhafte Wälder, absolut unnötige und schwere Anstiege, Wege voller Steine oder Wurzeln – alles was das Herz begehrt. Insgesamt gehört die Strecke mit ihren 2500 hm sicherlich zu den schwersten in den Niederlanden. Die äußeren Bedingungen waren perfekt, seit Tagen kein Regen (alles was sonst im Schlamm untergeht war gut zu laufen), nicht zu kalt und bis auf die Mittagszeit auch nicht zu warm und dabei 11 h Sonne (nach einem absolut gigantischen Sonnenaufgang nach der ersten Stunde):

Das eigentlich erstaunlich neben der perfekten Betreuung, Unterstützung und Verpflegung war die Tatsache, dass sowohl Björn als auch ich keinerlei Probleme hatten (vielleicht bis auf die Tatsache, dass wir Angst hatten Björns Schuhe könnten sich in zwei Teile teilen). Es lief einfach. Die Geschwindigkeit war perfekt, jede Tempovariation ging von uns beiden aus und die Vernunft hat uns davon abgehalten zu früh zu viel Energie zu verschwenden. 100 km nebeneinander herlaufen zu können und dabei beide genau richtig belastet zu werden ist sicherlich ein großes Geschenk. So waren wir immer zu zweit, haben gerechnet, gescherzt, gelacht, geschwiegen und so 9 schöne 10 km Läufe und zwei wunderbare 5 km Läufe genossen. Dazwischen immer schön was essen und trinken – so gingen die 12 Stunden recht problemlos vorbei. Perfekt war dann irgendwie auch, dass meine Garmin den 100. km bei genau 11:59 h ausgerufen hat (eine Grenze über die wir immer mal wieder diskutiert hatten unterwegs). Ein Moment des Glücks und der Erleichterung. Die Erschöpfung war kurz unwichtig. Nach meiner Uhr war Willems Strecke 102 km lang, er selbst hat sie mit 101 km ausgeschrieben, die gewerteten 100 km waren für Björn und mich nach 12 Stunden und 14 Minuten vorbei. Die Glückwünsche von Willem, Henk an der Zeitnahme – perfekter geht es nicht. Damit ist der nächste Schritt Richtung lang getan. Es wird immer gesagt, der erste 100 km-Lauf bleibt in Erinnerung. Das wird er sicher! Auch wegen all der schönen Momente, aber vor allem aufgrund des Gefühls das da noch mehr geht. Tim und Struppi können und wollen zusammen noch viele Abenteuer erleben ;)!
Ein Großer Dank an Willem, Annemarie, Henk und all die anderen Helfer. Ohne euren Support und euren Einsatz können und wollen wir das nicht tun!
Sonnenaufgänge
Es ist doch sehr kalt draussen. Eigentlich eine blöde Idee, das Bett so früh zu verlassen. Und das alles nur um vor der Arbeit noch ein paar KM abzureissen. Der Himmel ist außergewöhnlich klar und ruhig – die Dämmerung schon in vollem Gange. Die schlafende Stadt schält sich langsam aus dem eintönigen Schwarz. Alles wirkt leer, kalt und einsam. Zeit sich der Natur zuzuwenden und vor der grauen Stadt zu fliehen.
Die ersten Berge im Wald , unzählige singende Vögel. Jeder hat im Wald so seine Lieblingsstrecken. Bei der Streckenplanung vom Vorabend ist mehr oder weniger durch Zufall die Entscheidung auf den Trail am Waldrand gefallen. Und dann passiert es. Genau in dem Moment wo der höchste Punkt des Waldes genommen ist und sich eben dieser Trail vor die Füße legt, geht die Sonne auf. Rot und riesig. Wir sind zu zweit unterwegs an diesem morgen und sofort verstummt unser Gespräch. Die nächsten Minuten wird einfach nur gelaufen, geschwiegen und genossen. Der wunderbare Weg und im Osten ein unglaublicher Sonnenaufgang. Es braucht keine Worte in diesen Momenten. Alles scheint von selbst zu gehen, das Laufen fühlt sich so natürlich und leicht an, dass es absolut keine Mühe bereitet und nur aus Spaß zu bestehen scheint. Nach einiger Zeit knickt unser Weg nach Westen ab, die Sonne ist nun im Rücken und der Wald vor unseren Augen. Die Stämme der Bäume leuchten blutrot und alles andere erscheint plötzlich unwichtig und klein.
Es ist die Kraft dieser Momente, diese Sprachlosigkeit vor den Wundern der Natur, die alles andere zwar unwichtig und klein erscheinen lässt, es damit aber nicht abwertet sondern es im Gegenteil dadurch erst wunderschön und vollkommen macht.
WUT 2015_65 km Wiedtal Ultratrail
Die wirklich gute Nachricht diese Woche erreichte mich am Donnerstag: Björn meldet sich einsatzbereit. Das war ein wichtiges Zeichen. Die ganze Woche über nicht komplett gesund und die 86 km vom letzten Samstag wohl immer noch etwas in den Knochen hatte ich kurz am WUT-Start gezweifelt. Aber zu zweit geht alles. Tim und Struppi zusammen würden es schon packen. 0515 ging es mit dem Auto los in Aachen und wir waren auch auch pünktlich um 0700 an der Sporthalle in Waldbreitbach. Es ist warm im Auto und das Thermometer warnt vor kalten 3 Grad draussen – also noch nen Moment im Auto sitzen und sich auf den Tag freuen. Dann trauen wir uns doch raus und holen uns bei unseren Veranstaltern Wolfgang Bernath und Josef Hoß die Nummern ab. Für die müden Läufer gibts sogar Kaffee – echter Service. Pünktlich um 0730 geht es los. Wolfgang wird uns heute durch das wunderschöne Wiedtal führen. Ungefähr 60 Läufer sind da, erstaunlich viele sind bekannt. Langsam wird mir das etwas unheimlich. Wir sind 140 km durch die Nacht gefahren, kommen an und werden begrüßt als wären wir zuhause :). Nach einigen Metern schon wird klar, dass die Strecke mit viel Liebe zum Detail gewählt wurde. Den ganzen Tag begleitet uns wunderbare Natur, immer wieder sind absolut tolle Singletrails dabei und was Steigungen angeht – auch hier die Bestnoten. Besonders der Anstieg nach der letzten Verpflegung. Wie krass ist der denn bitteschön? 200 hm auf 1 km oder so. Unglaublich!
Insgesamt gibt es 4 hervorragend sortierte Verpflegungen für uns. Kekse, Salzstangen, Honigwaffeln, Brot, Käse, Bananen, Wasser, Kaffee, Tee und Iso. So solls sein.
Was das Laufgefühl angeht, war es schwierig für mich. Wie befürchtet sind die Beine heute müde und schwer. Es ist kein Selbstläufer. Gut das Björn da ist und das die Familie mitläuft. Es ist perfekt. Immer neue Gesprächspartner, die von der Anstrengung ablenken. Kontakt zu neuen Läufern geknüpft, alte Lauffreunde besser kennen gelernt, neue Wortspiele ausprobiert… Entweder man unterhält sich selber oder lässt sich treiben und hört einfach nur zu. In der Nähe von Tom Eller lässt es sich gut aushalten und hat so etwas von Dokumentarfilm gucken. Einfach zuhören wie er sich auf den Madeira Island Ultra Trail freut, darüber diskutiert wie man den UTMB in 39 Stunden läuft und wie sich die zweite Nacht am Mont Blanc so anfühlt, oder wie schön doch der Andorra Ultra Trail ist. Einfach Augen zu machen und zuhören und sich dabei freuen, dass man selbst ein so schlechter Läufer ist, das man nicht auch nur in die Nähe der Versuchung kommt, sich für solche Läufe auch nur zu interessieren. Dann wird das Laufen auf einmal leichter – habe ich jetzt wirklich gerade 40 km gebraucht um wach und warm zu werden? Zeit ab und an mal heimlich ein wenig zu rennen. Björn ist sofort da – ein sehr gutes Zeichen, er ist wirklich wieder fit. Nach 65 km sind wir zurück in Waldbreitbach. Es ist kurz vor 1800 und alle sind glücklich. Der Regen setzt genau dann ein als wir zum Auto gehen. Wie schon gesagt – perfekt geplant alles.
Es ist noch nicht vorbei mit den tollen Eindrücken. Die Bitte Wolfgangs, die Turnhalle nicht zu verdrecken und Laufschuhe und Socken möglichst fern von ihr zu halten, verstehen sehr viele Läufer als Aufforderung die 100 m vom Auto zur Turnhalle barfuss zurück zu legen. Bei 5 Grad und Regen. Es gibt Momente die einfach im Gedächtnis bleiben. Ich schließe mich an und mache mich barfuß auf den Weg zur Dusche. Der kalte und nasse Asphalt fühlt sich gar nicht schlecht an. Frisch geduscht gehts dann in die Ortsmitte ins Hotel. Uns wurde Pasta versprochen – zum Essen sind wir natürlich immer zu haben. Und es ist unglaublich gut. 8 verschiedene Kreationen, von denen mindestens 6 exzellent waren. Es ist erstaunlich wie viele Teller Nudeln man schafft wenn man den ganzen Tag schon Kekse und Salzstangen gegessen hat… Auch diese 3. Halbzeit macht großen Spaß. Am Tisch mit Weltmeistern, deutschen Vizemeistern zu sitzen und ganz entspannt über den Tag und die Zukunft zu reden macht Spaß. Auch über die KM-Spiel Mannschaft der Euregio-Läufer kann mal in aller Ruhe gesprochen werden :)!
Am Ende bedankt sich Wolfgang bei uns und beim Orga-Team. Das geben wir nur zu gerne zurück: vielen Dank Wolfgang und Josef und eurem ganzen Team. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht! Gerne wieder!
Für Bilder war ich selbst zu voll, verlinke hier aber gerne die Berichte die schon da sind oder noch kommen – dort gibt es dann auf sicher schöne Fotos!
Den Anfang macht der Bericht von Jörg Segger! Und hier der Bericht von Trailrunning.de!
20150307_Limburgs Halfzware Teil 2
Der letzte echte Test für die 100 km. Zugegeben: Wecker auf 03:45 zu stellen fühlt sich schon ein bisschen nach Weltuntergang an. Aber Track ist Track. Und der ist genau 88 km lang – davon 39 km vor dem 50 km Lauf mit Willem beim Halfzwaren Teil 2. Um 04:45 stehe ich auf der Straße und lauf los. Die ersten beiden Stunden im Dunkeln haben es in sich: unbekannte Trails im Dunkeln, dazu noch allein sind eine Nummer für sich. Die Strecke muss im Hellen wunderschön sein. Doch auch die Dunkelheit hat seinen Reiz. Die generelle Laufrichtung ist erstmal nach Südwesten und Belgien. Der Vollmond steht genau dort und weißt den Weg. Dazu der Weg an der Göhl, und ein paar wunderbare belgische Kuhwiesen. Laufen in Belgien fühlt sich immer querfeldein an – sei es vom Untergrund her, oder von den wie Privat wirkenden Wiesen und Federn, die überquert werden wollen. Ein Blick nach links: 20 glühende Augenpaare. Diese paar Sekunden Schock, bis das Gehirn meldet – sind doch nur Schafe… Uff. Dazu noch die kreative Landschaftsbeschreibungen in Belgien direkt hinter der Grenze:
Dann ist es endlich soweit: ein wunderbarer, langsamer Sonnenaufgang beginnt. Wie sich über eine gefühlte Ewigkeit die Bäume, der Fluss, der Trail und schließlich die Steine und Wurzeln aus dem Nichts entwickeln hat etwas magisches. Im Westen der Vollmond, im Osten das Inferno und über mir die Kondensstreifen der Flugzeuge, die schon von der Sonne beschienen sind. Relativ eindrucksvoll.
Dann ists hell und die Realität kehrt zurück. Der Blick auf die Uhr sagt: zuviel Zeit ist verflogen. Ich beschließe den Track zu verlassen um ihn minimal abzukürzen. Gelingt mit der neuen Uhr ziemlich gut. Sowieso ist die arrival Spoq SQ100 ein absoluter Geheimtip was zuverlässige Navigation ohne Schnickschnack angeht (danke Willem für die Empfehlung). Nach 37 km und 04:12 Stunden bin ich um 08:57 am Treffpunkt. Willem ist sehr stolz auf mich.
Der dann folgende Halfzware ist wie immer perfekt. Wunderschöne Strecke, heute absolutes perfektes Wetter und liebevolle Betreuung. Die ersten 10 km fallen mir sehr schwer. Das Tief ist da. Am Anfang des 50 km Laufs (km 37 – 47). Das Erfreuliche ist: danach geht es tatsächlich wieder bergauf. An der ersten Verpflegung sehe ich Jochen, Christoph und Bernd, die mir vorher irgendwie entgangen waren. Ab da ist es dann der übliche Familienausflug. Zu viert bringen wird die Strecke langsam aber sicher hinter uns: perfektes Tempo für mich. Mir geht es immer besser und am Ende sind es 86 sehr schöne km. Meine absolute Lieblingsstelle bei Limburgs Halfzwarem Teil 2 ist diese hier: 
Eine Unterführung, die in der Mitte tatsächlich so dunkel ist das man gar nichts sieht. Die Hälfte der Breite ist Pflaster, die andere Bach – ein tolles Gefühl! Am Ende erreichen wir glücklich das Vereinsheim, sprechen kurz über verrückte Läufe und dann gehts ab nach Hause. Wieder mal wunderbar. Vielen Dank an Willem und Annemarie und alle anderen Helfer (wo bekommt man sonst schon 2 Portionen Rührei auf Brot) und auch an die fantastischen 3 Jochen, Christoph und Bernd! Hat perfekt gepasst! Zum Schluss noch ein paar Fotos von Willem vom Lauf:










