Nachts sind alle Katzen wach! – PussyRun 5.0

17.01.2015 1825 Nationalpark Infopunkt Zerkall, Startpunkt des Wildnistrails. Es sind tatsächlich alle da, die sich angekündigt hatten. Und sogar noch mehr. Unser persönliches Taxi, welches uns vom Ziel um Start bringen soll, ist sogar extra zum Start gekommen um ein paar Klamotten von uns mitzunehmen. Wir sind sehr dankbar drüber. Nach der Begrüßung sieht jeder zu das der Rucksack gepackt ist und richtig sitzt. Ein Foto. Es ist still, dunkel und kalt. Der Plan von uns sechs ist denkbar einfach: Wildnistrail Nordeifel, falschrum (hat 350 m mehr rauf als runter, insgesamt: 2677 m↑ und 2312 m↓), nachts und im Winter – 85 km Dunkelheit und Einöde also. Zu siebt laufen wir los (ein geplanter Aussteiger begleitet uns bis Heimbach, km 17). Es geht gleich richtig los mit den ersten richtig schweren Höhenmetern. Die Stimmung lockert sich zusehends und wir kommen sehr gut durch bis nach Heimbach. Unsere Nummer 7, die uns hier geplant verlässt, öffnet uns bereitwillig den Kofferraum und wir kommen an Cola und Bananen. Damit nicht genug: wir werden gefragt, was wir so von heißem Tee bei Kloster Mariawald halten würden (7-8 km weiter). Da sagen wir nicht nein und werden tatsächlich nochmal liebevoll auf der zugigen Höhe beim Kloster verpflegt. Einfach perfekt sowas, da gibts gar nicht genug Dankbarkeit und Respekt für diesen Support. Die Stimmung beim Lauf ist gut, auch wenn jeder sich mit so ein paar Sorgen ob der Streckenlänge im Kopf rumschlägt. Keiner scheint sich so ganz sicher zu sein, ob das im Dunkeln und Kalten so gut zu schaffen ist. Wir einigen uns darauf, es Schritt für Schritt anzugehen. Nächster Halt: KM40 – Gemünd.

Über das Laufen an sich ist in dieser Nacht nicht viel zu sagen: es ist perfekt. Alle kommen super miteinander aus, was tatsächlich ein Problem hätte werden können, wenn man 14 Stunden miteinander verbringt. Aber das Gegenteil ist der Fall. In früheren Berichten hatte ich ja schonmal geäußert, dass wenn man mehr als 4 Stunden mit jemandem laufend verbringt, ihn entweder mag danach oder ihn nicht leiden kann. Während 14 Stunden findet man neue, gute Freunde. Stefan nennt das was er macht und liebt oft: simply running! Für diese Nacht passt das perfekt. Jeder ist für jeden da und sorgt so dafür das jeder so gut wie eben möglich durchkommt (was auch das einzige Interesse aller Beteiligten des Laufs ist).

Dann ist KM40 erreicht und uns erwartet das Paradies: Warme Gemüsesuppe, warmer Tee, Baquette, Obst, Cola, Apfelsaft und Wasser. Sogar Riegel sind da. Wir gönnen uns 10 Minuten Pause und genießen einfach. Wer Freunde hat die solch einen Service um halb 1 Uhr nachts irgendwo im Nirgendwo aufbauen, der kann sich glücklich schätzen. Auch der schönste Moment endet irgendwann. Wir machen uns wieder auf.

KM40 war auch gleichzeitig der Point of no Return. Alle wissen das. Vor uns liegen 45 km Nichts, keine Verpflegung, keine Hilfe, jede Menge Dunkelheit und der weitaus schwerere Teil der Strecke. Während am Anfang sehr viele Unterhaltungen zu hören waren, wird das nun etwas weniger. Alles ist reduziert aufs Laufen. Ein eigenartig großartiges Gefühl. Uns ist schon früh aufgefallen, dass wir die Ehre haben unter einem der gigantischsten Sternenhimmel unterwegs zu sein, die ich seit langem genießen durfte. Die unendliche Weite oben und unten das gefrorene Gras, das wie Millionen kleiner Kristalle im Licht der Stirnlampe glitzert. Unbeschreiblich. Langsam, aber unaufhaltsam kommen wir voran, kämpfen uns über enorme Anstiege, halsbrecherische Gefälle und über Singletrails, die rechts so steil runter gehen, das man fast froh ist es nicht komplett sehen zu können. Die Gespräche sind immer noch nicht verstummt, die gute Laune und die Hoffnung das es wirklich alles gut ausgeht ist nie weg. Plötzlich eine Bewegung im Wald. 2 Augen, die eindeutig zu einer Katze gehören die durch den Wald schleicht. Und schnell ist klar, dass es nicht eine Hauskatze sondern die Wildkatze ist, deren Silhouette wir auf unzähligen Schildern hinterher gejagt sind. Geht es perfekter. Ein Tier was sich fast nie zeigt erweist uns die Ehre. Die Nacht hält für mich kurz vor dem Ziel noch einen weiteren großen Moment bereit – die Morgendämmerung. Frei nach Herr der Ringe, nachdem auch die größte Dunkelheit einmal weichen muss, wird es ganz langsam hell. Es hat etwas Magisches. Das Drumrum ist auf einmal wieder da. Wir sind kurz nach Einbruch der Nacht los und jetzt wird es hell. Als es richtig hell ist, ist das Ziel in Sicht. Als wenn es so gewollt gewesen wäre. Wir sind in Monschau-Höfen. Klatschen uns ab. 13:55 h auf den Beinen. Fast vollständig in einer mondlosen Winternacht. Die letzten 200 m führen uns zum Bäcker, wo erstmal heisser Tee, heisser Kaffee und Brötchen verschlungen werden.

Natürlich war es anstrengend zwischendrin, es war unglaublich kalt, es war windig, viele von uns waren an der eigenen Grenze angekommen (keiner musste drüber) und doch sitzen wir 6 zusammen glücklich in der warmen Bäckerei. Abgekämpft, aber lächelnd. Sehr viel investiert und alles gewonnen. Um alles noch ein Stückchen perfekter zu machen gibt es noch die Ehrung die aus der weltbesten Kombi aus Medaille und Urkunde besteht: eine runde Holzscheibe mit dem Symbol des Wildnistrails, welches uns durch die Eifel geführt hat und eine Tüte Anali Kizli von der Firma Mutfak. Die Erklärung: auf der Knorr Tüte sah es aus wie Katzenscheisse und dann auch noch der bestechliche Name. Natürlich musste es die Urkunde werden. Alle  wissen: es hat sich wirklich alles gelohnt. Ein riesen Dank gilt unseren Organisatoren, und den Supportern, für ihre liebevolle Organisation und Hilfe. Ohne euch kein wir!

Bis ganz bald, Freunde – war mir eine Ehre!

Ich lass hier mal Platz für Stefans Video! Und da ist es auch schon!

Und hier nochmal unsere Belohnungen im Bild:

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Noch 2 Bilder von KM40 (Bilder von Dirk Palm – vielen Dank!):

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Es sind diese Tage, die mit einem gemütlichen Frühstück beginnen. Am besten bricht man danach auf, setzt sich ins Auto und fährt zum Treffpunkt um dort noch weitere Freunde zu treffen. Viele alte Bekannte sind da, aber auch neue Gesichter. Alle sind entspannt (trotz Schneesturm) und freuen sich auf den Ausflug. Alle wissen es gibt mehr als genug Zeit sich über dies und das zu unterhalten, gemeinsame Pläne für 2015 zu schmieden, ab und an was zu essen und einfach eine Menge Spaß zu haben. Sehr viele sind gekommen und pünktlich gehts los. Es sind diese Läufe, die komplett ohne Stress verlaufen, wo keiner es wirklich eilig hat (bis auf den Paten vielleicht ;)) und das trotz teilweise heftig kaltem Wind. Es sind diese Läufe, die ohne Verpflegung ausgeschrieben sind und wo sich dann doch sehr viele liebe Menschen den ganzen Tag um die Ohren schlagen um 30 Verrückten Tee, Kaffee und Gebäck in die letzte Ecke der Nordeifel hinterherzufahren. Es sind diese Läufe die man einfach zufrieden beendet, sich von den Freunden verabschiedet mit den Worten „bis bald“ und mit dem guten Gefühl einen perfekten Einstand in das Laufjahr gehabt zu haben wieder nach Hause fährt. Kurzum, es war wieder NEU-Zeit!

Hier sind Stefans Bilder!

Vermutlich kommt auch noch ein Video! Ahh da ist es ja auch schon!

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Winterlauf spezial!

Alljährlich kündigte sich der Winterlauf in Aachen an. Da dieser Lauf immer mit dem Problem des Transports zum Start einhergeht (in vollen Bussen zu Start gefahren werden und dann lange in der Kälte rumstehen bis es losgeht), war die Idee zum Start zu laufen relativ naheliegend. Der Track wurde dann letztendlich 28 km lang und Helmut war sofort vorbei, als er von der Idee erfuhr. So sind wir dann um halb 8 losgelaufen, wohl wissend das die Zeit bis zum Start um 11 nur mit einigem Glück für 30 schwere km reichen würde. Rucksäcke auf und los. Die Stunde der Morgendämmerung war geprägt von absoluter Ruhe, die Trails waren teilweise schwierig zu erkennen. Schnell verloren wir einige Minuten unserer kostbaren Zeit. Der Weg war uns beiden teilweise unbekannt und wir haben viele tolle neue Wege kennen gelernt. Da die letzten Tage nicht gerade trocken waren, hatten wir schnell nasse Füße – von schlammigen Beinen brauchen wir gar nicht erst anfangen. Kurz vor Schmithof hatten wir das Glück ein Feld entlang zu laufen – parallel zum Sonnenaufgang. Unbeschreiblich schön. Hinter Schmithof hatte ich in weiser Voraussicht ein Stück der mAMa-Strecke mit ins Programm genommen. Eins meiner Lieblingsstücke: ein Trampelpfad direkt an der Inde. Es gibt eine gute Nachricht für alle mAMa-Starter: bei schlechtem Wetter bzw. nach viel Regen in den Tagen davor sind diese 3 km tatsächlich kaum zu laufen und doch wunderschön – ein absolutes Highlight, ihr dürft euch drauf freuen! Bald danach stiessen wir auf die Vennbahn, ein Stück des Raeruns und schließlich auf den Eifelsteig, welcher uns dann ins Struffelt führte.

Es gibt einige Momente in denen man wirklich fühlt, warum man sich das antut. Das war definitiv einer davon:

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Es sind genau diese Momente voller Ruhe, Frieden, endloser Weite und unendlichem Glück, die uns immer wieder loslaufen lassen. Wir sind dann um 10.45 am Start des Winterlaufs angekommen – perfekt eigentlich. Schnell umziehen, Mitläufer suchen und los. Der Winterlauf an sich war dann mit 30 km in den Beinen nicht mehr ganz so leicht, ich hatte aber das große Glück die meiste Zeit von Kyra, Marius und Eran umgeben gewesen zu sein, die mich, ob sie es denn wussten oder nicht, am Laufen gehalten haben. Die letzten 4 km im Aachener Wald waren dann richtig schwer und ich war sehr froh nach 1:28 h im Ziel zu sein. Helmut war mit der Taktik des etwas langsamer Laufens eindeutig fitter im Ziel. Insgesamt ein perfekter Tag mit schönen 53 km insgesamt.

Olne-SPA-Olne!!!

Alta Vatta, was war das denn? Ein Lauf so schön und brutal wie es ihn selten gibt. Begonnen hat der SPAß mit der Frühstückseinladung Sonntags um 0545 bei Helmut. Auch ne neue Erfahrung. Alle waren mehr oder weniger anwesend: Helmut, Björn und ich. 0630 los. Eine interessante Naviroute führte uns tatsächlich zum Start. Eine MuFu-Sporthalle mit allem was man sich so wünscht. Nummern holen und in der Wärme auf das warten was da so kommen möge. Für uns alle ist es der erste Start in OLNE. In der Startaufstellung stehend wird uns dann auf Französisch, Deutsch, Niederländisch und Englisch einiges an Unverständlichem zugetragen. Wiederkehrend und unverkennbar sind in jeder Sprache die Wörter: Gefahr und Schwierigkeiten. Das ist mal ein Mutmacher. Am Start ist es sehr nebelig, eigentlich ist es den ganzen Tag nebelig bis auf die Viertelstunde von 1400 bis 1415. Schade eigentlich – das, was von der Landschaft zu sehen war, sah nett aus. Mit dem einen Problem: wer bei OLNE-SPA-OLNE auch nur einmal die Augen vom Boden löst ist selbst schuld! Trails wie sie die Belgier lieben. Die ersten 20 km gefühlt nur Matsch, mal knöcheltief und nass, mal knöcheltief und klebrig, mal als dünne, flüssige Schicht auf rutschigen Steine, mal dünn und sehr klebrig – es gibt unendlich viele Formen von Matsch. Als Abwechslung gibts Riesenpfützen – jawoll. Bei km 22 dann ein absolutes Highlight: ein Bachbett mit Bach was eindeutig als Laufstrecke ausgewiesen ist. Kaltes, schlammiges Wasser. Auch danach gibt es immer wieder Singeltrails allererster Güte, mal so schräg das man denken mag: die spinnen die Belgier, mal ist der Abhang an einer Seite zum fürchten, mal hört der Weg auf und geht dann anderthalb Meter weiter unten weiter… Es bleibt wohl dabei: Weg ist das was du draus machst. Wir vertreiben uns die Zeit mit sehr flachen Wortspielen (erste Hälfte des Laufs und ja, es tut mir leid) und Singen (zweite Hälfte des Lauf – es tut mir wirklich leid). Ein beliebtes Spiel ist es alle deutschen Wörtern die die Buchstaben SPA drin haben zu finden und sinnfrei in Sätze einzubauen. Vorne mit dabei waren sicherlich: „das kommt mir SPAnisch vor“, „CockerSPAniel“, „SPAnplatte“, „SPAten“ und „SPArkasse“. Es gibt unendlich davon – genug Erheiterung für bestimmt 30 km. Die 4 Verpflegungsstellen waren dank vollen Rucksäcken absolut ausreichend und an den letzten 3 Verpflegungsstellen gab es CHIPS! Damit ist über die hervorragende Verpflegung alles gesagt. Überhaupt: super nette Betreuung der Verpflegung und immer wieder am Wegesrand laute Anfeuerung. Kam uns alles französisch vor, war aber bewundernswert und aufopferungsvoll. Was als 3er Gruppenlauf begann wollten wir auch als solchen zu Ende führen. Gut das wir an die Stirnlampen gedacht hatten. Nach 9:12 h waren wir drin – einigermassen ko aber auch verhältnismäßig glücklich. Wunderbarer aber sehr schwerer 67 km Trail mit am Ende nach Garmin 2100 hm, positiv wie negativ. Gerne wieder nächstes Jahr!

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NETTer Ausflug auf NETTen Wegen_NETT 09.11.2014

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5 Uhr Wecker, 6 Uhr zum Bahnhof, 30 Minuten Verspätung und doch vom Veranstalter persönlich am Bahnhof abgeholt worden – ein perfekter Sonntagmorgen. Und dann ist auch noch die ganze Familie zum Sonntagsausflug angetreten. Alles angerichtet also für jede Menge Spaß. Insgesamt lässt sich der NETT mit dem Adjektiv: „bemerkenswert“ zusammenfassen. Während der NEU in diesem Jahr aufopferungsvoll extern betreut wurde, waren wir beim NETT tatsächlich auf uns allein gestellt. Das mag auf 42 km an sich kein Problem sein, Stefan hat mit liebevoller Trailrecherche allerdings eine Strecke gebastelt, die ihresgleichen sucht.

Das was uns als Wege vorgestellt wird, ist entweder so zugewachsen, dass ein Durchkommen fast nicht möglich ist oder so voll Matsch das ein Weiterkommen fast nicht zu denken ist. Dazu kommen dann noch die Momente wo Stefan sagt wir müssten hier abbiegen und einfach mitten ins Dickicht läuft. Auf die Behauptung: das seien doch keine Wege, sagt er oft: „Ich hab da ne Karte von 1970 – da war das noch ein Weg!“. Vermutlich selbstgezeichnet diese Karte. Stefan weiss auch immer zu beruhigen mit Aussagen wie: „Diese Stelle ist immer schwierig zu finden“, „GPS-Track brauch ich nicht, ich kenne ja den Weg“, oder auch „Wir laufen zwar schon lange, richtig vorwärts sind wir aber auch noch nicht gekommen“. Das Herr der Ringe Zitat: „geht nur um ein weniges fehl und die ganze Unternehmung wird scheitern“ wird auf eine interessante Art und Weise real :)! Alles in allem ist die Strecke so schwer, dass man für einen Marathon mal locker sechseinhalb Stunden braucht und sich am Ende ein paar Jahre älter fühlt. Alles perfekt also. Der NETT wird seinem Namen auf jeden Fall gerecht: super Leute, kaum Zivilisation, ganz viel Einsamkeit, keine Verpflegung, jede Menge Matsch, Pfützen, Wurzeln und Steine und wenn man Glück hat ab und an mal ein erkennbarer Pfad. Wie Stefan sagen würde: simply running!

Wege sind dann letztlich doch nur das, was man selbst draus macht. Da wo der Pfad sich schließlich endgültig verliert entsteht sofort laufend ein neuer. Sehr passend veröffentlichte dann Christopher McDougall (Autor von „Born to run“) ein Statusupdate:

“If you don’t have answers to your problems after a four-hour run, you ain’t getting them.”

Ohne Worte.

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Wer mir nicht glaubt: hier ist der Beweis: https://www.youtube.com/watch?v=EEK5nkYLu-s

Wer sich schon immer fragte was man wohl so alles braucht um das durchzustehen: http://www.vilvo.de/sportshop/

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Klassenfahrt mit Nadine (14. Röntgenlauf 2014_26.10.2014)

Kaum waren wir um 6 Uhr in Aachen losgefahren stand auch schon das Motto des Tages fest: „Klassenfahrt“. Irgendwie ein komischer Wochentag für ne Klassenfahrt, aber naja. Warum Björn diese Namens-Idee hatte ist mir schleierhaft, in einem sollte er Recht behalten – es war eine klasse Fahrt (Lauf). In Remscheid angekommen musste ich recht schnell meine Ausrede revidieren es würde wohl ewig dauern bis ich jemanden sehe, den ich kenne. Nach gefühlten 5 Sekunden trafen wir auf Jörg und Joachim – Helmut kannte natürlich auch alle Anderen. Was war das hier noch gleich? Ein Wettkampf oder treffen sich hier nur ein paar Verrückte zum gemütlichen Laufen? Pünktlich um 8.30 wurde das Laufevent gestartet und es war viel los (alle die Halbmarathon laufen wollten, egal ob einen, zwei oder drei wurden zusammen losgeschickt). Die etwas überflüssige Runde durch RS-Lennep zu Beginn des Laufs machte auf einmal doch viel Sinn für mich, weil ich so den ersten schlechten Witz recht früh unterbringen konnte. Und wie jeder weiß: jeder gute Tag beginnt mit einem schlechten Witz. An dieser Stelle ist wohl schonmal eine Entschuldigung bei sowohl Björn als auch Helmut fällig: ich hoffe es war nicht zu schlimm mit mir?!

Was ist über den Lauf an sich zu sagen? Schöne Strecke, die an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Trail hätte haben dürfen (also fast überall) – aber insgesamt sehr gut zu laufen. Den ersten HM sind wir zusammen mit Christian schön gemütlich gelaufen. Die Begebenheit die dem gesamten Lauf wohl die Krone aufgesetzt hat passierte nach ca. 14 km. Nach einem vermutlich weiteren sehr guten Witz von mir sagte Helmut etwas lauter: „Boah Tim“ was sofort von einer uns unbekannten Frau 2 Reihen weiter mit „Boah Tim“ beantwortet wurde. Was soll ich sagen: der Running Gag war geboren. An der nächsten Verpflegung habe ich den Namen erfragt und konnte das „Boah Tim“ von da an mit „Boah Nadine“ beantworten. Alle in Hörweite hatten dieses Spiel sicherlich schnell satt. Auf den folgenden ca. 10 km ging das immer wieder hin und her. Danach haben wir Nadine aus den Augen verloren und Björn und ich haben uns vornehmlich damit beschäftigt uns von Verpflegung zu Verpflegung zu befördern und dabei möglichst viel Spass zu haben. Gegen Ende des 2. HM war Helmut kurzzeitig nicht so bei Laune und hat uns bei km 41 entnervt weggeschickt: er wäre gerade wohl nicht so fit aber auch nicht bereit aufzugeben. Daraufhin sind Björn und ich den letzten HM zusammen angegangen (es sollte unser schnellster werden). Mittlerweile wurde ich von mir unbekannten Läufern mit „Boah Tim“ an den Verpflegungen begrüßt – schön diese personalisierte Verpflegung.

Der letzte HM war dann in vieler Hinsicht bemerkenswert. Björn und ich waren beide stillschweigend überein gekommen das Tempo immer weiter anzuziehen und hatten doch viel Spass dabei. Da wir für die Geschwindigkeiten die wir zwischen km 44 und 61,5 laufen konnten aufgrund unseres langsamen Starts relativ zu den Läufern um uns rum schnell unterwegs waren, flogen wir quasi Richtung Ziel. Das es so gut läuft zu einem so späten Zeitpunkt auf einer Strecke mittlerer Länge hatte ich vorher nicht für möglich gehalten. Einen großen Verdienst daran hat natürlich Björn -die Art wie seine Gegenwart mein Laufen und die Einstellung zum Selbigen in den letzten Monaten verändert hat ist wunderbar. Auch kam uns unsere alldonnerstägliche Traileinlage durch den Aachener Wald hinsichtlich Kraft in den Beinen sicherlich sehr zu gute. Den kurzen Trail zwischen km 60 und 61,5 sind wir dann auch tatsächlich zu schnell gelaufen und ich hab doch noch kurz die Nachteile unseres Sprints erleben dürfen – aber geschenkt. Nach 6:53 h (1. HM = 2:23; eher bergab, 2. HM = 2:25; eher flach, 3. HM = 2:04; eher bergauf) sind wir dann glücklich aber ausgepumpt ins Ziel gekommen und wurden direkt am ersten Bierstand mit „Boah Tim“ begrüßt (Nadine und ihre Truppe waren Marathon gelaufen und per Bus schon zum Ziel transportiert worden). Insgesamt ein toller Lauf für uns drei (Helmut hatte sich wie vermutet erholt und ist ganz gut durchgekommen auf den letzten 21 km)! Eigentlich war alles dabei was eine gute Klassenfahrt so braucht:

  • neue Menschen wurden kennen gelernt
  • immer wieder gab es was zu essen (am Ende sogar Süssigkeiten)
  • es wurden Aufputschmittel konsumiert (Cola)
  • zwischendrin dachte man sich immer wieder: sind wir denn hier beim Kindergeburtstag?
  • bevor es richtig öde wurde war es vorbei
  • es wurde nur am Ende einmal geduscht

22. Jungfrau Marathon 13.09.2014

Einen Bericht über eine Marathon Massenveranstaltung? Über einen Lauf der zu den bekanntesten Europas gehört? Mit über 4000 Läufern? Hört sich alles etwas weiter entfernt von dem an, was mir so richtig Spaß macht. Trotz alledem: super wars.

Die Idee den Jungfrau Marathon nach 2011 noch einmal zu laufen, kam von meinem damaligen Begleiter, welcher meinte, wir hätten noch eine Rechnung mit diesem Berg offen. Eine Zielzeit um 5:40 h und unglaublich langsame letzte Kilometer müssten doch zu schlagen sein. Ich dachte mir: das hört sich vernünftig an und habe mich am Valentinstag angemeldet. In der Zwischenzeit verletzte sich mein Kollege und ich dachte mir: toll, warum nur bin ich jetzt angemeldet. Auf der Suche nach einem neuen Mitläufer wurde ich schnell fündig. Überrascht und sehr erfreut habe ich die Email von Henk gelesen, indem er schrieb, er wäre gerne dabei. Das passte dann schon wieder wunderbar: mit Henk unterwegs zu sein würde bestimmt großartig werden und auch Henk und ich hatten auch noch so etwas wie eine Rechnung offen. Die letzten 30 km die wir zusammen unterwegs waren, waren die KM 130 bis 160 bei der TorTour de Ruhr 2014. Es wurde Zeit für schönere Erinnerungen.

Die Geschichte des Laufs ist schnell erzählt: wir hatten einfach 2 Tage richtig viel Spaß. Freitag morgens in den Zug, Freitag abends Startnummer geholt und das schlechte Wetter in Interlaken bewundert. Samstags morgens dann Sonnenschein und insgesamt perfekte Bedingungen während des ganzen Laufs. Beim Jungfrau Marathon gibt es ein paar Regeln: da es oben sowieso langsam wird muss alles was geht an Zeit unten rausgeholt werden. Wer also unbedingt unter 5 h will muss eine super Zeit auf den ersten 25 km auf die Strecke bringen. Angesichts dessen dachte ich mir: egal. Genießen war angesagt. Schön gemütlich los, die ersten 25 km in 2:30 h gelaufen (dabei ist man schon weit hinter dem 5:30 Tempoläufer :D) und dann in den Berg. Henk wollte noch gemütlicher und so haben wir uns für oben verabredet. Über die letzten 17 km beim Jungfrau Marathon kann man vieles sagen: einfach sind sie sicher nicht. Teilweise noch viel unbequemer als ich das von 2011 in Erinnerung hatte. Ich fühlte mich gut. Das langsame Tempo am Anfang war genau richtig. Ich machte mich ans überholen und genoss die Aussicht. Plötzlich wusste ich wieder warum ich mir dieses Massengedrängel angetan habe: die Aussicht ist tatsächlich unbezahlbar. Dazu die Machtlosigkeit angesichts dieser steilen Wege, das Gefühl überhaupt nicht vorwärts zu kommen obwohl man sich richtig reinhängt. Die letzten Kilometer über die Moräne, wo man nur noch denk und hofft: wann ist das endlich wieder zu Ende. Gleichzeitig kann man dabei die Eiger Nordwand bewundern. Das hat schon was. Und dann war es vorbei. 5:22 h. Trotz langsamem Laufen unten, schneller als 2011. Revanche mit dem oberen Teil des JM geglückt. Der Sieg über einen Läufer mit dem Aufdruck: Schal..04 auf dem Trikot, den ich zwischen KM 28 und 40 immer mit im Blick hatte, war das iTüpfelchen! Zufrieden und begleitet von einer leichten Übelkeit warte ich auf Henk. Der lässt nicht lange auf sich warten, wir holen das wunderschöne gelbe Finisher Shirt, unsere Sachen und fahren mit der unendlich langsamen Bergbahn den Berg wieder runter. Nach einer sehr leckeren Pizza lassen wir den Abend liegend ausklingen.

Fest steht: solche Massenveranstaltungen müssen eigentlich nicht sein – da sind Henk und ich uns einig. Trotzdem hatten wir ein wie ich fand super Wochenende! In Erinnerung bleiben die unglaublich schönen Berge, CandyCrush und die gelben Finisher Shirts – nicht wahr Henk?P1090281 P1090273 P1090271 P1090265 P1090268 P1090254 P1090241 P1090232 P1090228 P1090207 P1090204 P1090274 P1090272 P1090266 P1090264 P1090263 P1090259 P1090252 P1090251 P1090245 P1090234 P1090230 P1090220 P1090211 P1090200

MatschTrail 23.08.2014

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Hach war das schön matschig heute. Schöne Tour von Aachen nach Raeren und zurück. Die ganze Laufgruppe (also wir 2) waren hochzufrieden mit dem tollen Track. Den könnt ihr euch hier anschauen. Ein bisschen Anlass zur Optimierung gibt es noch: der Asphalt-Anteil ist mit geschätzten 20% doch arg hoch. Hoffentlich fällt mir noch eine nette Variante ein um auch noch das letzte Bisschen Zivilisation zu umgehen. Dafür sind schon jetzt 2 lange Bachtrails drin die an Schönheit eigentlich nicht zu überbieten sind. Eine Stelle war so schön, dass ich die volle Konzentration auf den Untergrund etwas vernachlässigt habe. Das Ergebnis ist in den Fotos zu sehen. 

Die am häufigsten verwendeten schlechten Witze unterwegs hatten allesamt mit Matsch zu tun. Auch die Aussage: „Mit Trailschuhen wäre das nicht passiert“ hatte ihren Ehrenplatz

Bewegtes zum Lauf findet ihr hier

Als Fazit bleibt: Etablieren könnte man diese wunderschönen 43 km eigentlich als den 1. Aachener Trailmarathon. Das muss definitiv mal geplant werden. Ob da wohl jemand mitlaufen würde?

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Der Hinweg vom Bahnhof Heerlen führt direkt mal an einigen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei (Statuen, merkwürdigen Firmengebäuden und Stockrose-bewachsenen Hauseinfahrten). Irgendwie sind die Straßen morgens um 9 Uhr in den Niederlanden sehr leer – war gestern etwa Fußball? Bald liegt die Stadt hinter uns und es geht ab in den Wald. Der erste Eindruck von der Umgebung stimmt uns froh und als wir dann noch einen Abhang sehen, der mit Sicherheit nicht laufbar ist und doch zur Strecke zu gehören scheint können wir uns kaum erwarten. Der Wald lichtet sich und nach den ersten 4,5 Laufkilometern sind wir am Start. Schön neue Sportanlage inkl. Vereinsheim und viele lustige Läufer. Jetzt heisst es Rucksack umpacken, Chip an den Schuh und warten das es los geht. Wann das dann wohl sein wird, weiss keiner so genau und es scheint auch keinen wirklich zu interessieren. Irgendwann bekommen wir viele hilfreiche Informationen zur Strecke auf niederländisch durchgesagt (wir hoffen das es auch ohne die Infos gehen wird) und es geht los. Nach einer kleinen Runde um den Sportplatz und über ein paar Nebenstraßen geht es zügig in den angrenzenden Wald. Schnell wird klar das heute alles super wird. Wunderschöne enge Trails, Matschgruben, Bäume auf dem Weg und kleine gelbe Pfeile die die Richtung weisen. Naja, also zumindest meistens (der Track auf der Garmin hat dann doch noch die Chance gehabt sich zu bewähren). Was auch auffällt: der pessimistische Wetterbericht sollte nicht recht behalten und es wird schnell sehr warm (schade eigentlich). Achso ja: der vorhin beschrieben Abhang war tatsächlich nicht laufbar – es fühlte sich eher nach springen/fallen an. Nach 6 km die erste Verpflegung und wieder einmal bewahrheitete sich: die kleinen Laufveranstaltungen haben es einfach drauf. Alles da was Not tut: Salzstangen, Chips, Waffeln, Äpfel, Wasser, Cola und Energiezeug und jede Menge Weingummi! Der Track führt jetzt immer wieder über offene Wiesen, zwischen Feldern entlang und hält sich dabei immer an das Motto: neben den Wegen ist auch schön. Nach ca. 10 km kommt dann schon das absolute Highlight. Gemütlich auf einem Feldweg unterwegs werden wir von hinten darauf aufmerksam gemacht das es doch nach links abgeht. Und richtig: die Garmin sagt das auch. Allerdings ist auch glasklar, dass das eine Streckenführung aus einer Zeit sein muss an dem der Steilhang da links weniger zugewachsen gewesen sein muss und ganz sicher nicht abgesperrt war. Die von hinten Rufenden wollen irgendwie trotzdem da hoch und Teile unser zweiköpfigen Laufgemeinschaft sind direkt Feuer und Flamme. Also Klettern wir: zuerst über den Zaun und dann den Steilhang hoch – auf allen Vieren. Die Belohnung folgt oben: 1 km eines ehemaligen Trampelpfads der wunderbar zugewachsen ist und eine sensationelle Aussicht bietet. Die anderen Läufer laufen unten auf dem breiten Weg locker an uns vorbei, doch es ist Zeit zum genießen. Mittlerweile sehr weit hinten im Feld kehren wir auf den wohl richtigeren Weg zurück. Es wird immer wärmer und die Trinkpausen häufen sich. Bei der zweiten von drei Verpflegungen bei km 16 sehen wir zu das wir möglichst viele Chips essen und unsere Wasservorräte auffüllen. Der größte Teil der zweiten Hälfte des Laufs geht wunderschön zwischen Feldern entlang, über Felder, über Wiesen und immer schön rauf und runter. Es wird immer deutlicher: das ist heute richtig übel! Frohen Mutes kämpfen wir uns weiter und werden kurz vor Schluss nochmal richtig belohnt. Es geht wieder durch das am Anfang beschrieben Wäldchen und gipfelt in einem Teil wo auf einmal Seile von einem Abhang herunterhängen der sonst auf keinen Fall zu bewältigen wäre. Nach dem Kletterspaß ziehen sich schöne Waldpfade bis zum Ende des Rennens nach 36 km. Rucksäcke wieder füllen und ab in Richtung Bahnhof. 4,5 der längsten km die es wohl gibt. Toll wars – nächstes Jahr gerne wieder!

http://coriotrail.nl

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„Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Strasse, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“

Leichte Kopfschmerzen, das Gefühl zuviel gegessen zu haben und gleichzeitig die Frage ob genug Energie im Körper steckt und dazu diese bleierne Müdigkeit. Es ist Samstag Abends 23 Uhr. Am liebsten würde ich mich jetzt ins Bett liegen. Im Fernsehen nur belangloses Zeug – immer wieder der Blick auf das Handy. Immer noch keine SMS. Die Gedanken sind bei Henk – das war heute viel zu warm für einen Lauf über ein paar KM und sicherlich die Hölle wenn man seit 8 Uhr auf den Beinen ist. Um 00:26 kommt die SMS von Rebecca: „Henk wandert jetzt – braucht noch eine Stunde bis KM 130“. Es ist also soweit. Der Blick aufs Thermometer: Unglaubliche 19 Grad. Gut, dann kommt das Unterhemd wohl in den Rucksack. Ein bisschen Wasser, das Handy, die Uhr und die Lampe. 6 KM bis zum VP130 und die ersten Schritte beseitigen nicht nur die Müdigkeit, auch die Kopfschmerzen sind sofort weg. Es geht gut, Fuchs, Reh und Igel auf dem Weg sind relativ erstaunt über meinen Lauf zu dieser Zeit, aber was soll´s. Herdecke bei Nacht ist wie immer: absolut leer. Angekommen auf dem Parklatz am VP130 treffe ich glücklicherweise direkt auf Astrid (Willem macht es sich gerade im Camper bequem um ein wenig zu schlafen), mit der zusammen ich die etwas verstecke Verpflegung finde. Es ist 01:30 Uhr und an der Verpflegung läuft alles ruhig und familiär ab. Jetzt heisst es warte. Wann kommt Henk? Astrid und ich setzen uns an den Radweg und schauen den ankommenden Läufern entgegen. Dann ist Henk da. Er berichtet von einem guten ersten 100er, der großen Hitze, einer nervigen Umleitung und das es ihm nicht gut gehe. Ich bin etwas sprachlos: was soll ich ihm jetzt sagen? „Alles gut!“, „Du hast noch genug Zeit“, „Jetzt ist es doch nicht mehr weit!“ – alles klingt irgendwie unpassend. Henk isst nur ein Toast und will direkt weiter. Astrid auf dem Rad und ich zu Fuß begleiten ihn: einer rechts und einer links von ihm. Nachtwanderung. Henk kann nicht mehr laufen – er versucht es mehrmals aber es geht ihm direkt sehr viel schlechter. Er ist besorgt, rechnet schon jetzt – einen Schnitt von 6 km/h will er unbedingt halten. Das klappt in der ersten Stunde auch ganz gut. Links von uns liegt groß, schweigend und dunkel der Hakortsee. Kurz hinter Wetter erreichen wir den VP140. Rebecca und Willem sind da, Henk trinkt Kaffee. Mit Astrid auf dem Rad und mir gehts weiter. Willem ermahnt mich Henk nicht am Rand des Weges gehen zu lassen: „Wenn er einmal fällt dann war´s das!“ Es beginnt eine schwierige Zeit. Henk ist am Ende und schwankt gehörig. Der Schnitt nähert sich immer weiter den 5 km/h. Ich halte Björn per SMS´en auf dem Laufenden. Zugleich merke ich mir wie mir die Fußballen weh tun. Scheinbar ist das Wandern in Laufschuhen etwas ganz anderes als Laufen – ich verdränge diese Gedanken. Was sind schon diese Probleme im Vergleich zu Henk´s Zustand. Ab 4 Uhr fängt es an zu dämmern – gegen 5 Uhr können wir die Stirnlampen einpacken. „Das Problem ist, dass ich nicht mehr gerade aus laufen kann“. Dann sind wir wieder am Camper. Wieder Kaffee für Henk. Dem tut es sichtbar gut. Auch das man wieder was sieht kommt uns allen zu gute. Meine Füße fühlen sich komisch an. Es wird weiter gewandert und wir nähern uns langsam aber sicher dem Kemnader Stausee. Auf dem Weg dahin geht die Sonne orange über Thyssen auf – ich denke mir: mehr Ruhrgebiet geht nicht. Henk kommt uns am Kemnader See weit entgegen. Etwas abseits von Henk beraten wir uns. Er bestätigt mir, dass das Gehen tatsächlich was ganz anders ist und auch von Ultraläufern geübt werden sollte (wer, wenn nicht er muss das wissen). Auch sagt er: ihr seid zu langsam. 10 Minuten schon. Kurze Verpflegung: Henk bleibt lieber so gut wie gar nicht stehen. Großartiger Kampf. Ich schreibe in der Zwischenzeit Björn, dass wir bis VP174 wohl doch noch sehr lange brauchen würden. Er antwortet er sein in Zwischenzeit angekommen (nach einer sicher nicht angenehmen Zugfahrt durch die Nacht). Wir alle machen Henk Mut. Henk geht weiter. Ich versuche ihm etwas zu erzählen, weiss aber nicht so recht was und so ermuntere ich ihn von Zeit zu Zeit und hoffe das mein gehen neben ihm ihn gut genug unterstützt. Meine Füße brennen. Wir sind auf der Hälfte des Kemnader See´s als Henk plötzlich sagt: „Bei 174 steige ich aus, es reicht!“ Er entschuldigt sich für seinen miserablen Zustand und hängt noch weitere überaus plausible Gründe an warum es nicht mehr geht. Ich sage ihm mehrmals, dass er sich nicht zu entschuldigen bräuchte. Ich hätte vollstes Verständnis und sage ihm, dass es bisher eindeutig schon eine überaus großartige Leistung sei. Wie groß mein Respekt vor seiner Leistung und seinem Kampf ist, kann ich nicht in Worte fassen. Meine Füße schmerzen schon nach 30KM und Henke hat jetzt bald 160. Wie kann er sich überhaupt noch bewegen? Ich schreibe Björn er soll sich vom VP174 mal besser laufend auf den Weg uns entgegen machen, damit Henk ihn noch zu Gesicht bekommt. Henk ist innerlich glaube ich sehr zufrieden mit seiner Leistung und froh über seine Entscheidung. Es wird schon ziemlich warm, wir gehen weiter und werden langsamer. Schnell wird klar das wir VP174 heute nicht erreichen werden. Wie Henk diese letzte Stunde übersteht, kann ich nicht nachvollziehen. Mir tut auch jeder Schritt weh – insgesamt wohl ein sehr trauriges Gespann. Es ist mittlerweile nach 8 Uhr. Endlich kommen wir bei ungefähr KM163 wieder zum Camper. Alle sind da, Willem, Rebecca und Astrid – alle gratulieren Henk. Dieser verschwindet ziemlich schnell im Camper: sein Versuch die Stufen in den Camper zu besteigen macht nur überdeutlich was er geleistet hat. Ich finde ein Stück Wiese und kann mich endlich mal hinsetzen und meine geschwollenen Füße samt einer großer Blasen bewundern. 8 Stunden auf den Beinen, knapp 40KM, kein Schlaf – ich bin froh zu sitzen. Björn findet uns glücklicherweise. Ist kurz bei Henk. Alle sind müde und können sich jetzt entspannen – Henk hat alles versucht und wir haben versucht ihn möglichst gut dabei zu unterstützen. Henk hat 24 Stunden durchgehalten, die ersten 12 in einer Temperatur die sich perfekt fürs Freibad eignet und die nächsten 12 immer noch sehr warm und teilweise dunkel. Er hat etwas mehr als 100 Meilen hinter sich gebracht. Zum Zeitpunkt von Henk´s Aufgabe haben schon über 40  der 80 Startern auf der langen Distanz das Handtuch geschmissen. Es wird immer wärmer. Es wird wieder so ein unmenschlicher Tag. Vermutlich hatten nur die eine echte Chance, die so schnell waren, dass sie zu dieser Zeit schon so um KM200 sind. Für alle anderen würde es sehr, sehr schwer werden. Einen zweiten Tag bei annähernd 30 Grad – vorstellen kann ich es mir nicht. Ich komme mir sehr klein vor in diesem Moment auf dieser Wiese.