Running Riesengebirge

Ich muss sagen – so hässlich war es gar nicht. Für mich als Flachländer bleibt die Beziehung zu den Bergen kompliziert. Ich verstehe und teile zwar die Begeisterung für diese Quälerei und die endlosen Aufstiege. Ich verstehe sogar die sportliche Herausforderung und ich teile in jedem Fall die Liebe für die Ausblicke von weiter oben. Was mir absolut nicht gegeben ist, ist die Kraft bergauf und das Geschick bergab. Trotzdem waren es ein paar wenige schöne und langsame Kilometer in dieser schönen mir bisher unbekannten Gegend des Riesengebirges.

Der Mond ist unsere Sonne

Der Mond ist unsere Sonne
Wir benötigen kein Licht
Nur fetten Sound und einen Tanzfloor
Mehr brauchen wir nich‘
Und auch wenn er sich versteckt hat
Hinter Wolken und Beton
Dann wird er immer für uns da sein
Bis die Morgensonne kommt
Der Mond ist unsere Sonne
Er liefert Energie
Denn alles Gute kommt von oben
Er ist Produzent und viel Kredit
Und ich sag der Mond ist unsere Sonne
Wir haben ihm alles zu verdanken
Nur weich in seinen Strahlen tauchen
Wenn wir durch die Nächte tanzen
Komm wir tanzen um die Wagen
In seinen unsichtbaren Strahlen
Komm wir tanzen um die Wagen
In seinen unsichtbaren Strahlen

Moonbootica feat. Jan Delay

Ach, wie war das mal wieder nett. Der Pfadsucher ist nicht ganz so fit, aber die 60k Runde mit dem VPsucher zusammen dort draußen war mal wieder sehr schön. Wunderbar!

Wir hatten zugegebener Maßen etwas mit den nicht vorhandenen Fähigkeiten des Pfadsuchers zu kämpfen… Eine ordentliche Strecke am Computer zusammenzustellen scheint ihn einfach zu überfordern. Daher sind wir wie so oft mal wieder Baden gegangen, haben zahlreiche Stacheldrähte überwunden, sind dornenbewachsene und baumübersäte Hänge hinaufgeklettert und haben uns durch hohes Gras gekämpft. Eigentlich alles wie immer also. Schön!

Die Strecke insgesamt ist sehr abwechslungsreich und zu empfehlen. Trail, kein Trail, Trail mit Kühen, Waldautobahnen, Planken, Asphalt, lustige Forellen – alles am Start. Teilweise war es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Besonders wenn man die Zeit vor und nach dem Sonnenuntergang vergleicht. Verblüffend!

Planken durch den grünen Tunnel

Wir haben es also mehr schlecht als recht auf knapp 60k in gut 8 Stunden gebracht – ein Sechstel der Distanz die der VPsucher in weniger als 3 Wochen nonstop angeht. Verrückt!

Nebel über der Kläranlage!

Natürlich hätten wir auch zu Hause erst auf dem Sofa und anschließend im Bett liegen können. Das Leben genießen, ein wenig relaxen, uns des Seins freuen. Nur hilft das leider nicht. Man wird dadurch nicht eine Sekunde schneller fertig mit der Strecke. Es tröstet, dass es für alle gleich ist. Alle müssen da durch. So einfach ist das. Und was hätten wir nicht alles verpasst. All die drückende Schwüle, all die Dornen, den aufziehenden Nebel, den stärker aufziehenden Nebel, den Moment in dem die Stirnlampe angeht und man genau nichts sieht, den fast vollen Mond zwischen den Bäumen. Wer würde das missen wollen… Das Schöne und die Abgründe, der Tag und die Nacht, die Hoffnung und die Verzweiflung reichen sich die Hände zum gemeinsamen Tanz. Zauberhaft!

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
08:06:37 07:28:55 59.67 7:31 3:28 934.00
hours hours km min/km min/km meters

Update – das erste Viertel 2019

Ein kurzes Update in diesen geschäftigen Zeiten.

Die No Rest For The Wicked (NRW)-Challenge im Februar 2019 hat würdige Bezwinger gefunden. Katja und der VPsucher haben es im kürzesten Monat des Jahres geschafft alle sieben Wochentage und alle 24 Stunden zu bezwingen – herzlichen Glückwunsch und danke fürs Mitspielen! Ob wir das nochmal brauchen? Wir werden sehen. Vielleicht im Februar 2020? Wer in der Zwischenzeit den Drang verspüren sollte, der melde sich bei uns. Die NRW-Challenge steht euch auch außer der Reihe in jedem Monat des Jahres offen. Aber zunächst einen verspäteten Glückwunsch an unsere Finisher.

In der Jahres-Challenge Break the Routine sind 5 Mitläufer fleißig beim Einsammeln von Tagen und Uhrzeiten. Jeder ist hier herzlichst willkommen. 2019 ist erst zu einem Viertel rum – noch reichlich Zeit alle Tage und Uhrzeiten zusammen zu bekommen. Wann werden wir den ersten Finisher haben?

Sonst laufen Pfad- und VPsucher momentan nicht so viel zusammen, sind aber durchaus unterwegs. Die Planungen für das Jahr 2019 werden mittlerweile konkreter. Beim VPsucher stehen sehr volle 3 Monate an – da gibt es sicher viele tolle Geschichten und Updates von dort draußen. Da werden wir euch auf dem Laufenden halten. Für den Pfadsucher geht die „Saison“ voraussichtlich Ende April mit dem Helipad-Lauf so richtig los. Dieses Jahr in der 100-Meilen-Version. Auch wenn der Pfadsucher zwar wieder mehr läuft sind die ganz mittleren Distanzen doch schon etwas länger her. In 3-einhalb Wochen geht es also wieder los. Wir werden sehen wohin uns die Wege dieses Jahr noch führen.

Break the Routine!

Liebe Leserin, lieber Leser,

das hier richtet sich ganz speziell an Dich persönlich! Vielen Dank für Dein Interesse an unserem Blog. Normalerweise kannst du Dich ganz entspannt und amüsiert zurück lehnen und unseren Unsinn belächeln. Nicht so bei diesem Beitrag: wir fordern Dich heraus:

Break the Routine!

Wir wissen, dass Du Dich gern zu Fuß fortbewegst. Du wanderst sehr gern, gehst gern spazieren und ab und an auch mal eine Runde laufen. Dabei helfen Dir feste Strukturen wie Lauftreffs, mit-dem-Hund-Spazieren-gehen-Rhytmen, mit-den-Kids-Sonntag-mittags-um-den-See-rennen-Aktivitäten und regelmäßige Wander-Dates mit den Freunden. Das ist wunderbar und, bitte: Behalte diese Dinge bei! Sei draußen und beweg dich auf Deinen zwei Beinen. Wir möchten Dir als Ergänzung dazu eine kleine Challenge präsentieren und versprechen Dir: 2019 wird Dein Jahr – 2019 brichst Du mit der Routine!

Die Aufgabe ist denkbar leicht erklärt: Du fängst einen Lauf, eine Wanderung oder einen langen Spaziergang zu jeder Stunde des Tages an und bist jeweils mindestens 5 km unterwegs. Du sammelst einfach in 2019 die Startzeiten deiner Aktivitäten zusammen und siehst zu, dass jede Stunde vertreten ist. Nebenbei nutzt du auch jeden der 7 Wochentage je mindestens einmal. Dienstag 18:30-Lauftreff erledigt also sowohl den Dienstag als auch die 18:00, Sonntag machst du die verlängerte Brötchenrunde um 07:48 und schon sind der Sonntag und die 07:00 abgehakt. Wunderbar. Fehlen noch 22 weitere Uhrzeiten und die anderen 5 Wochentage. Alles klar? Gut. Die Regeln und die offizielle Seite zur Challenge gibt es hier:

Break the Routine!

Dort wird auch erklärt, wie Du auf die Liste der Teilnehmer/Finisher kommst. Per Mail an uns kannst Du Deine Fragen auch jederzeit loswerden.

Dir ist noch nicht ganz klar, warum? Oft berichten wir Dir hier von wunderbaren und wundersamen Erfahrungen von dort draußen. Nehmen Dich mit auf die Reise durch die Nächte und die Tage, durch die Dunkelheit und das Licht. Aber es ist doch bei all unserer Mühe nicht dasselbe. Die Schönheit und den ganz speziellen Zauber einer jeden Stunde dort draußen gilt es selbst zu erleben. Es werden Aktivitäten voller Neuem sein, Aktivitäten von denen Du noch lange berichten wirst: Wundersame Mikroabenteuer. Und sei es, dass Du am Ende sagst: extrem dumme Idee – aber geschafft.

Hast Du Dich noch nie gefragt, wo im Hochsommer die Sonne untergeht und wie es wohl ist, wenn man dabei ist, wenn sie wieder aufgeht? Hast du mal überlegt, ob der volle Mond wohl so hell ist, dass du in seinem Licht einen Schatten wirfst? Viele reden auch von der blauen Stunde, aber warst Du bewusst dabei? In Filmen und Hörspielen symbolisiert der Ruf der Eule die tiefe Nacht; aber weißt du, wie es ist, diesen Ruf live mitzuerleben? Wusstest Du, dass die Nacht in der Stunde vor dem Sonnenaufgang am kältesten ist und der Wind kurz vor Sonnenaufgang gerne auffrischt. So als würd das nahende Licht die Wolken schieben? Kennst Du das Gefühl, wenn nachts die Straßen so leer sind, dass sie Dir gehören? Was es für ein Gefühl ist um 02:00 durch den Regen zu joggen und die einmaligen Blicke der feiernden Bevölkerung zu ernten? Die Antworten können und haben wir Dir schon verraten, wenn Du uns aufmerksam liest. Aber warst Du dabei? Schnapp Dir Deine Freunde oder stürz Dich allein ins Abenteuer. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne! Viel Spaß.

Du möchtest mitmachen und auch offiziell auf die Liste? Gern! Wie es geht steht auf der Challenge-Seite. Falls Du Dich fragst warum es einige der Regeln gibt, die dort gelistet sind: wir haben komische Freunde! Stell einfach sicher, dass Du nicht mit den Regeln sondern mit der Routine brichst (was Dir sicher leicht fallen wird)!

Sehen wir uns draußen?

 

Save the date: 02.02.2019 – mAMa 2019

Etwas später als gewohnt geht heimlich, still und leise eine Seite online:

02.02.2019 – mAMa #5

Entweder ihr wisst bereits worum es sich handelt oder ihr wollt es lieber nicht so genau wissen. So oder so – die einzige Chance auf Teilnahme gibt es per Mail an uns!

Für alle gleich!

Kurzmitteilung

Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Selbst wenn einem die eigene Situation im Augenblick des Erlebens etwas unpässlich erscheint – es ist doch alles ok. Man ist nie allein damit – es ist doch am Ende für alle gleich.

Sicher ist es unangenehm wenn einem zum Beispiel stundenlang Wasser in die Laufschuhe läuft und man merkt, wie sich die eigenen Füße langsam auflösen – aber das geht doch allen so. Vielleicht die Schuhe zwischendrin mal ausschütten?

Sicher ist es mies wenn man 24 Stunden unterwegs ist und sich nach einer langen und harten Nacht langsam ein viel zu warmer und sonniger Tag ankündigt – wie alle anderen auch sollte man dann einfach mal was trinken. Die anderen müssen ja schließlich auch noch durch die nächsten 12 Stunden.

Klar kann man sich wünschen es wäre 24 h später, sonnig und 20 Grad wärmer wenn man im eiskalten Novemberregen durch die einsamen und tiefschwarzen niederländischen Militär- und Naturschutzgebiete läuft. Nachts. Aber alle anderen stehen das ja auch durch.

Natürlich ist der Campingstuhl am VP das Paradies. Wenn all die anderen aber nicht aufgestanden wären und weitergemacht hätten, wär der Stuhl überhaupt nicht frei geworden. Alles hängt dann doch irgendwie zusammen.

Auch wenn es ein komisches Gefühl bleibt den Wecker auf irgendwas zwischen 02:00 und 05:00 Uhr am Morgen zu stellen um eben kurz irgendwas mit Laufen zu machen – alle anderen müssen auch früh raus. Kein Grund zur Klage.

Man kann sich so oft man mag wünschen: „Ein anderer Ort, ein anderer Mensch und ein anderes Leben“, viel hilft es aber nicht. So sicher man sich auch mit dem ‚anderen Leben‘ zu sein scheint, der Kampf mit sich selbst bleibt und spielt im Hier und Jetzt. So ernst die äußeren und inneren Zustände auch zu sein scheinen, der einzige Weg zum inneren Frieden führt mitten durch und meist über die Ziellinie.

Auf, auf – die anderen beschweren sich doch auch nicht. Denn auch sie wissen: es ist für alle gleich. Sich schwer atmend in Embryostellung auf den Boden zu werfen und irgendwas zu faseln hat noch Niemandem einen Vorteil gebracht. Auch wenn es noch so verlockend erscheint.

1 Sekunde

Im Nachgang der letzten Wochen wurde ich oft darauf angesprochen.

Daher hier die Liste an Dingen, die eine Sekunde dauern:

  • die Zeit, die eine Träne vom Auge zum Boden benötigt
  • die Zeit, die es braucht ca. zwei Schritte zu machen
  • die Zeit, die ein guter Witz braucht um verstanden zu werden
  • der Anflug eines Lächelns
  • ein kurzer Blick auf die (GPS-) Uhr
  • ach und: der Druck auf dem Tablets an der Zeitnahme am Ende eines 230 km Laufs, welcher zwei Freunde, die oft sämtliche Freude und sämtliches Leid dieser Welt miteinander geteilt haben, auf immer und ewig in einer Ergebnisliste trennt!

Der VPsucher hat einen gut bei mir. Ich nehme hiermit die Gefahr in Kauf ihm zu versprechen ihn zu einem Lauf seiner Wahl zu begleiten – aber: Sieg bleibt Sieg!

Vorwort

Laufen ist etwas Elegantes. Hat viel Anmut und Lebensfreude. Schlägt man das Internet, die Bücher oder auch die Hochglanzmagazine auf sieht man sie lächeln. Beim Laufen. Sie schweben über die Landschaften hinweg, bezwingen endlose Täler, die höchsten Höhen, die heißesten Wüsten und das ewige Eis. Sie brechen Geschwindigkeits- oder Weitenrekorde als sei es nichts. Wanderwege werden zu Rennstrecken, tausende Kilometer glänzen und strahlen in wunderbaren Dokumentationen. Die Kameras begleiten sie auf Schritt und Tritt und halten das Unmögliche fest. Zeigen auch kleinere Momente wo es mal nicht so läuft, aber dann kommen wieder Phasen, wo das Laufen zum Fliegen wird. Die letzten 100 Kilometer einfach weggelächelt werden. Sie durchlaufen die Zielbanner dieser Welt und freuen sich. Geben Interviews, küssen Felsen oder Füße von Statuen. Sie sind die Unbesiegbaren. Sie zeigen wie einfach es ist. Sie laufen und sie lächeln immerzu.

Es ist irgendwann im Mai 2016, irgendwo in Duisburg an einem Samstag Nachmittag um kurz vor 5 Uhr. Vor mir liegen 50 m Asphalt bis zur nächsten Kurve, 50 m hinter mir turnt der VPsucher mit unserem vielköpfigen Support-Team rum. Ich mache mir keine Illusionen – sie haben mich vorgehen lassen und hoffen, dass wir etwas voran kommen. Es ist das Ende. Ich kann nur noch in Abständen von 50 m denken. Jede Bank am Weg wird genutzt. Das Aufstehen wird immer schwerer und erscheint immer unnötiger. Vor allem mental ist das absolut über dem Machbaren. Es war ein schöner Lauf bis vor einigen Stunden die Erschöpfung zu schlug. Gestartet noch mit den Gedanken an den Zieleinlauf im Kopf und den treibenden Glücksgefühlen die damit verbunden waren in den Beinen ist es nach und nach zu einem Laufen um des Laufens Willen, einem Laufen für und mit der Crew, einem Laufen gegen die Erschöpfung und schließlich einem Lauf geben mich selbst geworden. Und die Erschöpfung hat dann doch gewonnen. Das gilt es zu akzeptieren. Und da ist es – ein Auto unseres Teams. Ich stolpere hin und lasse mich auf den Beifahrersitz fallen. Das wars. Genug ist genug und ich habe mir nichts vorzuwerfen. 156 km mehr oder weniger gelaufen – die 100 Meilen sollten nicht sein. Es ist zwar nicht sonderlich kalt, doch ich friere und alles schmerzt. Nach 23 Stunden unterwegs schließe ich die Augen.

Was ich genau in diesen Momenten (oder waren es Stunden) gedacht habe ist längst verdrängt. Aber wenn die Enttäuschung über die Aufgabe des Rennens schwächer ist als die Erschöpfung kommt es halt genau so. Viele ermunternde Dinge werden mir in diesem Moment erzählt – letzte Versuche mich zum Weitermachen zu bewegen. Die Crew und der VPsucher stehen nutzlos rum. Das wars dann also. Die Nummer von Jens steht ja auf unseren Armbändern. Anrufen und raus. Nichts leichter als das. Draussen wankt ein weiterer Läufer vorbei. Einer der 230-km-Startern. Sieht überhaupt nicht gut aus.

Ich öffne die Tür und stelle mich hin. Alles tut irgendwie weh – am schlimmsten ist aber doch das mentale Tief. Ich denke einen kurzen Moment daran: es wären nur noch 5 km bis ins Ziel. In 50 m Abständen denkend aber viel zu weit. Ich gehe einige wenige Schritte zum VPsucher und unseren Supportern. Mein Plan ist nach diesen 10 m wieder stehen zu bleiben. Aber ich gehe wortlos weiter. In richtiger Richtung auf der Strecke. Ich hasse mich dafür. Langsam macht sich Verwunderung bei den anderen breit und man beginnt mir zu folgen. Ich fange an zu laufen. Ein allerletztes Mal. Das Team scheint sich darüber zu freuen. Ich kann so etwas wie Freude nicht mehr verarbeiten. Ich konzentriere mich nur auf eine einzige Sache: weiter. Tatsächlich laufen wir knapp 4 km der verbleibenden 5 km. Und dann ist dort tatsächlich das Ziel. Einfach nur hin. 23 Stunden und 52 Minuten. Diese ersten 100 Meilen werden unvergessen bleiben.