Aus ´Warum´ wird ´Wofür´!

Über das „Warum?“ nach dem schon so oft gefragt wurde und das immer noch interessant zu sein scheint, wurde an anderer Stelle schon berichtet. Mit ein paar mehr längeren Läufen in den Beinen, bleibt das was dort steht weiterhin mehr als valide. Rucksack auf, raus auf die Pfade dieser Welt und frei sein. So soll es sein. Und doch ist in letzter Zeit ein neuer Aspekt hinzu gekommen. So viel Kraft einem dieses Laufgefühl und das Wissen um die Antwort auf das „Warum?“ auch zu geben vermag – es kommen die Momente wo selbst das nicht mehr reicht.

Die Antwort auf „Warum?“ hat in diesen Momenten einen eher trotzigen Charakter. Weil es möglich ist, weil es Spaß macht, weil es nicht mehr weit ist, weil die Landschaft so schön ist. Ach, hör doch auf. Möglich vielleicht, aber wahrscheinlich war es doch nie wirklich. Spaß hat es die ersten 100 km gemacht – es ist noch immer schön dabei zu sein, aber so richtig Kraft gibt das nicht mehr. Nicht mehr weit? – unter 100 km sind sicher nicht im strengeren Sinn „weit“ aber es ist doch noch nen Stück harte Arbeit. Die Landschaft. Ja, fantastisch. Nur ist es 21 Uhr, seit Stunden schon stockfinster und verdammt kalt.

Es ist Zeit den Blick auf andere Dinge zu lenken. Den Trotz des „Warum?“ zu nehmen, aber noch etwas deutlich Positiveres oben drauf zu setzen. Die Gedanken schweifen ab.

Zum VPsucher zum Beispiel. Zu den tausenden gemeinsamen Kilometern. Er hat es sicher schwer dort zu Hause vor dem PC. Vermutlich schaut er auf den Punkt und es zerreißt ihm sein Herz. Nicht weil ihm mein Jammern fehlt, oder der tiefe Sand, oder das Wasser aus dem Rucksack – sondern weil er gern dabei wäre beim Abenteuer. Ich kann es nur zu gut nachvollziehen. Zu Hause zu sitzen während der andere unterwegs ist, ist immer mies. Man kann so wenig helfen. Man wünscht dem anderen alles Gute, aber es bleibt ein doofes Gefühl. Aber ich dort draußen kann mir darüber jetzt keine Sorgen machen. Das einzige, was ich tun kann ist, mich zusammen zu reißen und weiter zu machen. In den ganz schwachen Momenten ist es vielleicht sogar ein kleiner Vorteil, dass ich dem VPsucher jetzt nicht meine Gebrechen und Sorgen beichten kann und mit ihm durchzusprechen, was für Optionen es gibt. Ich kenne die Optionen. Es sind genau zwei. Da gibt es nichts nachzudenken. Nachmachen, was der VPsucher schon so oft vorgemacht hat – immer weiter. In Erinnerung an mein DNF im vorigen Jahr und das einsame Finish des VPsuchers ist es jetzt an mir. Das kann ich nicht leichtfertig hergeben. Einer von uns kommt an. Punkt. Bis zu dem Moment, wo wir den LEO180 zusammen beenden werden. Wenn es perfekt läuft, dann sind wir ganz vorne zu dem Zeitpunkt und stellen die Orga vor ungeahnte Herausforderungen.

Auch die Diskussionen mit M. kommen mir in den Sinn. Bei der Durchsicht der Fotos des letzten Jahres und beim Videostudium hab ich versucht ihm den Charakter des Laufs näher zu erklären. Ihn interessierten mehr die Fotos von den Pokalen. So einen hätte ich dann aber auf jeden Fall mitzubringen. Den größten. Aber den bekommt doch nur der Sieger. Ja und? Na, also das geht nicht. Und überhaupt – ankommen wird schon unfassbar schwer. Aber wenn man ankommt bekommt man einen Pokal? Ja. Ok. Schenkst du mir den dann? Ähm. Na gut. Versprochen? Mal sehen. Noch bei der Verabschiedungen waren drehten sich die letzten Fragen um den Pokal. Ich meine was soll man da schon groß machen. Die Frage nach dem „Wofür“ ist damit auf jeden Fall direkt beantwortet. Es muss doch einfach gehen. Er würd sich doch arg freuen, wenn der Pokal mit nach Hause kommt. Noch steht er auf meinem Schreibtisch, aber bald gebe ich ihn ab und er kommt ins Kinderzimmer – versprochen ist versprochen.

Und all die Menschen die vor den Punkten sitzen, über WA oder FB informiert bleiben wollen und den Kontakt suchen. Ich kann doch hier jetzt nicht einfach stehen bleiben und aufgeben. Alle haben Spaß am Dot-watching und sind guten Mutes.

Die eine Seite

A. zum Beispiel kann die Schmerzen nur zu gut verstehen, erinnert mich aber daran weiter zu gehen und auch im Zweifel erst immer noch einen Kilometer weiter zu gehen vor der endgültigen Entscheidung. Der Fuchs. Ich bin voll drauf reingefallen. Das kommt davon, wenn man das Denken schon verlernt hat.

Die andere Seite

Oder M.. Ich sehe es noch immer vor meinen Augen, wie er in Iserlohn die 200 km knackt. Unfassbar. Er drückt seine Daumen. Sehr gut.

Zusammen allein.

Der halbe LTB fiebert auch mit. Die ganze Nacht. Gratulieren für die durchlaufene Nacht. Sind nicht ganz so rigoros wie A. was meinen kaputten Fuß angeht – aber das kann ich ignorieren. Weiß ich doch, dass sich alle freuen würden, wenn ich mich noch ein wenig bewege.

Mist – Halbzeit echt schon vorbei?!

Es gibt doch eine Menge wofür es sich dann lohnt noch ein wenig weiter zu machen. Das hat sehr geholfen – danke an euch alle.

Done.

LEO180 2018 – a walk in a park!

The start.

Still not sure what to write on this page. Whenever I think on all the million things which happened between start and finish line emotions overcome me. Problem with LEO180 is: whatever I would write on how it feels to be out there it would still be so far away from how it really is… As facts never lie (although some of them tend to be alternative theses days) they might be the best starting point for an overview.

  • Distance & time limits: 2018´s LEO180 was a 200 km long race with a time limit fo 36 hours. As it takes place in the middle of the Netherlands there is hardly any vertical gain worth mentioning. There are two cutoff points along the way. Not to be mean to you as a runner but to tell you: if you don’t make these cutoffs your chances for the 36 h finish are less than zero.
  • Starters / finishers: 11 runners made it to the start line – 5 proved to be able to finish the race (45 %)
  • Official aid: There were two official spots with support at km 66 and km 99 (last one with drop back). At these points there was everything a runner might need
  • Aid along the way: in addition to that I refilled water at km 36 (restaurant), bought water and coke at km 56 (supermarket), refilled water and drank some coke at km 150 (some bottles at a parking lot) and had coke and an ice pack for my left foot at km 170 (restaurant). I carried all I ate in my two back packs (changed them at the km 99 CP). And I ate of course  as much as I could at the CP at km 66 and km 99
  • The track: no need to say that there is no course marking – you have to rely on your GPS navigation. You are not allowed to accept any help unless it is offered by the race directors. You are allowed to use restaurants/supermarkets on the way as long as you find them and they are open. You are not allowed to leave the track. There were some parts and spots we were advised on what is allowed there during the race briefing before the start. This was due to some „special“ features of that areas

That is pretty much everything. Sounds fair and easy. Piece of cake. Basically a walk in a park.

The end.

Well. All of this does not explain anything. Some few more words may help.

First of all – the track: I will not go into detail about special locations and areas. For multiple reasons. If you want to know the details you have to register, you should be prepared for the worst and try to go through by yourself. Good luck. The track basically is the secret and the DNA of the LEO180 and means everything. It is the most important player in that game. LEO180 starters tend to be a quite experienced field of crazy runners. 200 k on a flat terrain in 36 h is something most of these runners consider to be fair and easy. A look at the finisher list tells a different story. On the LEO180 track one crosses endless areas of beautiful nature. Really stunning. One finds quite a lot of areas with a lot of sand – this year e.g. a high dune was part of the track. The view from up there was just amazing. There are also really nice trails, beautiful forest parts and some open fields. So: where is the problem? Nothing prepares you for the litte details of all of that. There are fences to climb, there are tiny ups and downs and ups and downs and ups and downs, a few technical trails, whenever you think you finished a demanding part – it continues, whenever you feel the relieve that the sand is over your foot sinks in the next part of sandy ground. All this little details make you feel slow. You spend what you think are hours in such an area and your GPS tells you it was only 5k and not even the half of that part. It slowly but surely gets more and more demanding. On one point the joy you feel because of the beauty goes hand in hand with the overwhelming vastness of that area(s) and the question in your head: how will I stand more 10k in this? And there are still more than 100k to go. On one point you can not stand the beauty of the nature around you any more. It is just too much. Not doable. There is you alone, there is the line on your GPS and you are forever trapped in that funny game of follow that line. This post is entitled with „a walk in a park“. Some may not be familiar with the reference and there is no need to change that. But to put a few things right: the LEO180 is often a walk but there is nothing nice about that. Feels more like a tedious and demanding rat race compared to that Sunday afternoon thing a lot of people do. And that park…  I am not sure if „park“ is the right word. The hell of Brabant might be a better description. At the end the LEO180 proves to be not exactly as easy as it looks like at the first glance.

Before: It was a very beautiful weekend. Half of the runners arrived at the start location on Friday evening. A big map of what was waiting was pinned to the wall and Martino and Juan brought Belgian beer. Lots of joking and laughing all evening. Went for some few hours sleep around midnight. Somehow these beers felt strong. Who would look at the bottles to check for the alc content :D. Serious race preparation.

During: The first hours in the race felt ok. The morning was cold, but the body still fresh. The first serious sand part between 35 and 45 was demanding. I really enjoyed a coke at the km 56 supermarket and made it to the km 66 check point. 3rd place runner Alex was just leaving after heaving a break and we could shake hands. Both of us knew we would meet at a later point. And indeed we met 8-9k before the halfway checkpoint somewhere out there and made it together to the drop back/burger/warm cloth/jokes point at km 99. Thanks for the amazing checkpoint and especially for the burgers! 14 hours in the race, 99 km done. First cutoff done. We left the check point together. The LEO180 was about to start after that point. With the cold and long night and with one of the most difficult part of the track ahead. We soon after ran through a huge halloween party in a small forest. Lots of dressed people. We had a chat with a horror clown. What a great start to that second half. My first low point was reached thereafter upon entering the terrain. Alex can walk like 7 km/h and I could run around 7.5 km/h. We were together and apart at the same time. I had at that point a weak stomach, problem with the GPS and first mental weaknesses. The bear was present from that point on. Alex had lots of problems with pain in several body parts and we suffered together, mostly quiet. To not be alone was still a huge thing at that point. And with Alex on my side, who is the most positive thinking person I know, I managed to hold on moving. Around that point the #2 runner in the field had to give up racing leaving me and Alex in second and third place. Slowly I was overcoming the first low and started a slow jog. Sorry to leave you with your mess Alex. But we agreed that we have to both our thing – to whatever end this would lead. Sticking together for some time is nice but is hardly impossible for a really long time. I felt really good during km´s 120-140. Normally I am not good during that part of the night but this time it was fine. After km 140 it was tough again but I knew reaching km 150 would mean some water bottles and coke on a lonely parking lot. That kept me moving. After roughly 24 h I reached that point and was crashed. My left food swollen and hurting, the coldest point of the night, still 50k to go, still dark, no humans, no cars. How can one stand situations like that. I sat what felt like an hour on a piece of wood and drank some coke. This would be a nice place for a DNF. I decided to at least try to run some kilometres to check how the pain would be. And I really wanted to see the sun again while I am still in the race. To overcome the darkness. I met the race directors 9 km before the km 170 restaurant. Great mental support and an empty coke bottle. Seriously guys? Thanks for telling me you would not pick up my DNF phone call and that I should just finish. Great advice. It felt like the end again at that point. Meaningless suffering. Still more than 30k to go. I somehow managed to reach the restaurant. Sitting at that bar was interesting. All the families having Sunday morning breakfast. They had an ice pack for my double-sized foot and a coke. I went trough the last hours, the long way to reach that point, all the good and the horrible moments. It did not felt right to give up. Standing up and walking was almost impossible at that point but I left the restaurant. 30k left. 8 hours left. Being a runner with a lot of emotions I just tried to somehow move. Tears in my eyes. I started to envision the finish. How might it be to really make it? Must be nice. Even better than nice. But how? To be alone with me and the music for another 6 hours? But to leave at the second place with „only“ a bit more than a half marathon left? No way. I could not face moving on and at the same time could not stand to not finish.

I can not tell you how and I probably never will: but I made it.

200k – 33:30h – #2

 

At the end the LEO180 needed way more mental strengths and energy I have in me. But on this last 30k I finally understood a few things about ultra running. If you ask the toughest ultra runner on earth for advises he/she will tell you a lot of handy things which will help you a lot during a race like the LEO180. What this person will not be able to help you with is what happens beyond that point you „gave up“. One has to reach that point  oneself and experience that there is something to be found which keeps you going although no movement is possible. I finally found that point and made through to the other side. I had to realise the hard way that non of the problems I had at that moment vanishes on that other side but there was that last piece of hope present. What a fight against myself. Whenever I will enter „acceptnolimits“ to my browser in the future I will not only find a vary nice website but will no what this expression means.

After: thanks to Maarten and Marek, all runners present that weekend and all others helping crewing/supporting. It really means a lot to me to be able to finish that one. The challenge is way harder than a lot of other races of similar distances. But you know that already. Thanks a million to all the dot-watcher, WA-supporter, FB-commenter and SMSer. To read encouraging things helped a lot while trying to move on. Judging your reactions you had quite some fun following these tiny dots on this nice map. Thanks to especially Maarten but also all the other for all the nice pictures from out there.

KM42

KM66

KM99

KM162 (no-coke-face)

KM200

***LEO180 2018 live***

***http://leo180-2018.legendstracking.com/***

A normal Saturday morning somewhere in the Netherlands. Random people with headlamps around. Time to start this weekends adventure of 200k ultra running. Semi self-supported. 36 hours time to finish that damn thing.

 

„Certainty of death. Small chance of success. What are we waiting for?“

Gimli // LOTR


200k/36h/12 runners – http://www.acceptnolimits.eu/events/leo/

***http://leo180-2018.legendstracking.com/***

LEO 180 2018 – 200k – 36h

Der LEO180 2018 steht an. 200 km, 36 h Zeit, ca. 11 Läufer.

  • Wie bereitet man sich auf etwas vor, für das es nichts Vergleichbares gibt?
  • Wie gewinnt man 36 Stunden draußen sein im November etwas Positives ab?
  • Wie bereitet man sich auf diese Sand-Passagen vor?
  • Wie bitte packt man den Rucksack so, dass nur alles wirklich Notwendige dabei ist?
  • Wie geht man damit um sich freiwillig einer immer mehr zunehmen Kälte auszusetzen?
  • Wie soll man starten, wenn man weiß, dass es ein Kampf gegen die stetig in die Glieder kriechende Müdigkeit wird?
  • Wieso starten, wenn man weiß, dass die Knochen immer steifer und schmerzhafter werden. Und das schon auf der ersten Hälfte?
  • Wieso geht man freiwillig in eine 14-Stunden-Dunkelheit?
  • Wie kommt man mit der Einsamkeit in der Natur zurecht?
  • Wie soll man es nur all die Zeit allein mit sich aushalten?
  • Wieso schlägt man diese von Anfang an schon so aussichtslose Schlacht?

Es gibt keine vernünftigen Antworten auf all diese Fragen. Bis auf die eine Antwort. Die von Gimli aus dem Herrn der Ringe. Dort sagt er im entscheidenden Moment die einzig passenden Worte:

„Den Tod als Gewissheit – geringe Aussicht auf Erfolg – worauf warten wir noch?“

Ab Samstag 0600: http://leo180-2018.legendstracking.com

Ahr 2018

Die Voraussetzungen dieses Mal waren etwas ungewohnt. Der VPsucher konnte verletzt nicht dabei sein, der Track wurde vom VPsucher erstellt und vom Pfadsucher vor der Abfahrt nicht wirklich genau studiert und das Abenteuer von Dienstagnacht beim Vilvo war noch sehr präsent. Begleitet wurde der Pfadsucher dieses Mal von Susanne. Treffen war am frühen Samstagmorgen in der S19 von Aachen (03:41) über Düren (04:03) nach Köln. Mit einem RE ging es dann von Köln nach Remagen Bf, wo wir um 05:50 auf die ca. 91 km langen Strecke von Remagen zur Mündung der Ahr in den Rhein bei Sinzig und dann der Ahr folgend zu Quellen in Blankenheim  gestartet sind.

Wettertechnisch waren wir mal wieder eindeutig auf der sonnigen Seite unterwegs. Von der Nacht bis in die Nacht gutes Laufwetter, tagsüber sogar fast ein wenig zu warm.

Die ersten 30 km des Tracks sind dabei gut laufbar und in den Sonnenaufgang hinein waren wir recht flott unterwegs. Wie ein WanderAhr, der uns bei einer unser wenige Geh/Esspausen erwischt hat bemerkte: „gAhrnicht so hässlich hier“. Korrekt!

Der Track führte uns über Wanderwege, den Ahrtalradweg und den Ahrsteig. Schön abwechslungsreich und im unteren Teil sehr gut zu laufen.

Auf die erste etwas spannendere Stelle bereitete uns des Pfadsuchers Wegpunkt auf dem Track mit dem vielversprechenden Namen: „Hoffen auf Wegexistenz“ vor. Was ein Spaß. Die Schilder auf dem Wanderweg deuteten irgendwie in Richtung Hoffnungslosigkeit. Irgendwas von einem Hochwasser, einer nicht mehr existenten Brücke, einer ewig aufgeschobenen RepAhratur und LebensgefAhr. Das wurde ja immer besser. An der Stelle angekommen war die Hoffnungslosigkeit dann komplett. 😀

Totale Hoffnungslosigkeit. Hier könnte man eine Brücke gebrauchen.

Schuhe und Socken aus und durch die Ahr. WunderbAhr! Das nächste Highlight folgte direkt wenige hundert Meter später. Die Trackanweisung lautete hier: „links Ahr, rechts schön“. Was hättet ihr getan? Natürlich, rechts abbiegen und mal sehen was da kommt. Hier war die mangelhafte Vorbereitung Fluch und Segen zugleich. Hätte ich um die Beschaffenheit der Engelsley bei Altenahr gewusst, um die Abstürze, Tote und Hubschrauber-Rettungen gewusst, ich hätte es uns wohl nicht zugemutet. So war es ein 2 km/h Kletterabenteuer allererster Güte. Tiefe Kanten, schmale Grate, Passagen auf allen Vieren, fantastische Aussichten auf die Ahrschleife …

Teilweise für Leute ohne alpine Erfahrung recht heftig und mit etwas zitternden Beinen verbunden. Wir waren doch glücklich wieder heile unten angekommen zu sein, aber irgendwie auch froh oben gewesen zu sein.

Auf dem Ahrsteig folgte als nächstes das Teufelsloch. Gegenüber der Engelsley. Wie im echten Leben war der Teufel sehr leicht zu erreichen, wohingegen der Engel uns alles abverlangt hat. Verrückt wie das manchmal so ist.

Im weiteren Verlauf der Strecke wurde es etwas ruhiger, aber nicht minder schön. Eine letzte Entscheidung überließ uns der Track noch: „hier rechts auf den Radweg?“. Nein, warum auch. Die Hügel brachten Abwechslung und Aussicht vom Radweg-Gerenne, welches durchaus auch Teil der Strecke ist.

Des Pfadsuchers Kraft war wie gewohnt etwas vor dem Ende der Tour erschöpft. Wir haben dann etwas rausgenommen. Während wir uns verzweifelt uns sinnlos an unsere Liveticker geklammert haben (die Ahr ist ein einziges Funkloch) strebten so ein BVB Fan und ein Fan einer anderen Mannschaft, die westlich von Herne angesiedelt ist, langsam aber stetig der Quelle entgegen. Die Fußballergebnisse sollten uns beide dann hoch erfreuen. Über uns bauten sich der Sternenhimmel auf und nach 16 Stunden war Blankenheim dann endlich erreicht.

Noch war leider nicht Schluss. Die 5 km zum Bahnhof Blankenheim Wald mussten noch überwunden werden. Zeitlich hat es dann ziemlich gut gepasst: mit dem ersten Zug hin und 20 Minuten vor Abfahrt des letzten Zuges zurück am Ziel angekommen. Danke an Susanne für den tollen Tag – das hat wunderbAhr funktioniert. Gerne wieder.

Zur Strecke bleibt zu sagen: sehr empfehlenswert und sehr abwechslungsreich. Engelsley bei schlechtem Wetter in jedem Fall und sonst je nach Wahnsinn besser auslassen!

 

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
16:09:16 12:47:12 97.01 6.00 18.00 2,008.70
hours hours km km/h km/h meters

SHBM 2018 – ein echter Vilvo

Oha. Ich meine: echt jetzt? Was war das denn? Ok, es war nach langer Zeit mal wieder ein Lauf mit Vilvo. Vielleicht bin ich einfach schwach geworden. Dazu kam – ich war denkbar schlecht vorbereitet. Ich hatte zwar die Ausschreibung für den „Stronghearted Brave(wo)men“ überflogen, mir aber die Videos zu dein beiden Einzelstrecken nicht wirklich angeschaut. Die Videos der Tag-Varianten hätten mich sicherlich besser vorbereiten können.

Nun ja – nichts zu machen. Nach der Arbeit schnell umgezogen, etwas Wasser in den Rucksack und die Stirnlampe auf. Es sollte ein recht teilnehmerschwacher Lauf werden. Genau genommen standen nur Stefan und ich auf dem Parkplatz „Drei-Kaiser-Eichen“ an der Jägerhausstraße zwischen Raffelsbrand und Zweifall um 1930 Uhr bereit. Die Nacht vor dem Feiertag galt es zu nutzen. Und wie das gelungen ist.

Das Wetter war stabil und ideal zum Laufen. Um die 10 Grad Celsius und lediglich auf den seltenen freien Stücken etwas zugig. Die Strecke war als „acht“ angelegt. Der Parkplatz als zentrales Element auf dem Verbindungsstück zwischen den beiden Trails: „High Noon am Glockenofen“ und „High Noon am Jägerhaus“ gelegen konnte damit nach 27,5 km der postulierten 51,5 km als kurze Verschnaufpause und Nachfüllstation verwendet werden. Sehr praktisch. Zu viel zur Strecke sei an dieser Stelle nicht gesagt. Das Video von Stefan wird sicher nachher alles Gesehene in den Schatten stellen und genug verdeutlichen was da wirklich passiert ist in diesen über 10 Stunden. Es waren einige wenige laufbare Passagen dazwischen und trotzdem war nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 5 und 6 km/h möglich. Wunderbare Trails waren zu laufen – teilweise neu und teilweise bekannt. Die Kombination der Laufgegenden im Kopf des Pfadsucher hat das Bild der Gegend und den Horizont in jedem Fall erweitert. Reden müssen wir aber über die gefühlt mindestens anderen 50 % der Strecke. :D. Wir hatten es mit „Wegen“, „“Wegen““ und „““Wegen“““ zu tun. Und mit „“““WEGEN““““. Unfassbar. Alles ab „“Wegen““ darf für den Otto-Normal-Trailer getrost als querfeldein verstanden werden.

  • Minutenlang in 2-Meter-hohem Farn regelrecht festgesteckt. Nachts. Im Nichts.
  • Minutenlang in 2-Meter-hohem Farn mit 1-Meter-hohem versteckten Brombeergebüsch festgesteckt. Die Beine mit einem Ruck dort heraus zu ziehen – unbezahlbar.
  • Halb-Stunden-lang durch mit hohem Gras bewachsene, von Wildschweinen und schwerem Gerät bearbeitete Waldschneisen gekämpft. Bei jedem Schritt war die Bodenhöhe um 0,5 bis 1 Meter unterschiedlich. Bei JEDEM Schritt. Besonders erfreulich waren die umgestürzten und eingewachsenen (versteckten) Bäume und Äste. Wenn man da mit Wucht zwischen die Zweige tritt und dann hüfthoch im Baum steht – genial. Ein Königreich für 3 km/h.
  • Endlose Weiten von Chaos und halb-bewusstlosem Vor-Sich-Hin-Stapfen. Muss man einfach lieb haben solche „Zustände“.

Es hat wirklich sehr viel Freude gemacht. Wir haben uns gut verstanden und genossen etwas genießen zu können, von dem 99,9 % der Menschen und 99 % der Läufer einfach nur entsetzt wären. Insgesamt war es für den Kopf dann oft sehr kompliziert und eine gute Übung für die mentale Stärke. Auch wenn man sich zwischendurch so fühlt als befände man sich mitten in einem Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spiel mit nur einer Figur und es gibt keine Zielfelder in der eigenen Farbe. Und auf dem Würfel sind nur Einsen. Und man wird dauernd rausgeworfen. Man muss stets versuchen das Positive sehen.

Die Wenigsten werden dieses Erlebnis haben. An manche Stellen der Strecke wird nur höchst selten überhaupt ein Mensch gelangen. Danke Vilvo für diese eindrucksvolle Nacht.

Salamander-Taktik: still sitzen bleiben – vielleicht geht es von selbst vorbei!

Falsche Richtung!

Die Strecke im Detail:

 

Die Daten des Laufs: anders als die Fenix 2 es Strava glauben machen will – es waren zwischen 54 und 55 Kilometer und wir waren 10h15min unterwegs. Haben uns also zu einem bravurösen 5,X km/h Schnitt durchgekämpft. Klingt einfach, war es aber nicht.

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
10:15:15 09:04:23 56.76 6.26 15.48 1,110.00
hours hours km km/h km/h meters

Und hier ist das Video:

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***Einladung*** Ahr 2018

Wir haben uns recht spontan für den nächsten Fluss entschieden: es wird die Ahr.

Und zwar am Samstag den 06.10.2018. Start ist in Remagen am Bf um 06:00 Uhr.

Alle Infos dazu gibt es hier – kommt doch einfach mit!

Es wird sicher eine wunderbAhre Reise!

Genug ist genug – Teil 1 (Throwback LEO180 2017)

If you don’t beat him you don’t deserve that beer!

Eine Straße. Endlich. Ein kurzer Blick nach links: 2-3 Häuser recht weit weg. Rechts ist überhaupt nichts zu sehen. Überhaupt ist es recht kalt und dunkel. Liegt vielleicht daran, dass es ungefähr 0300 am Morgen ist. Im November. Leichter Regen hat eingesetzt und es sind gefühlt 3 Grad Celsius.

Das soll reichen. Der SOS-Knopf auf der linken Schulter ist schon gedrückt. Die Absprachen schon getroffen. In 10 Kilometern, also ungefähr bei der nächsten Straße wird das Auto stehen.

In den letzten endlosen und letztlich erfolglosen Stunden des Kampfes mit dem eigenen Willen ist einfach zu viel verloren gegangen. Und zwar genug um die Aufgabe einfach genug zu machen. Zu bedrückend die Weite und Leere der Gegend. Zu viel musste schon früh im Rennen mit den Emotionen gearbeitet werden. Und dann ist er da der Punkt an dem alles kalt und leer bleibt. Die Energie aufgebraucht ist. Die kalt-nasse Novembernacht ist ins Herz und in den Kopf gekrochen.

Das alles war im November 2017. Am Ende einer lauftechnisch sehr schlechten Periode für den Pfadsucher. In der Rückschau bleibt das Erlebte sehr eindrucksvoll. Der Lauf und die Strecke haben es von den Bedingungen und Anforderungen einfach in sich. Wie gemacht um dort im Herzen der Niederlande einfach „verloren“ zu gehen. Über allem steht das Motte „It is better to go too far, than not far enough“ – aber es gibt einen Punkt da ist es einfach zu viel.

Wäre diesem Erlebnis nicht ein so gutes erstes Halbjahr 2018 gefolgt, hätte es auch gut das Ende sein können.

Immer schön durch da!

Es kommt immer mal wieder einer dieser Tage, an dem man eine Entscheidung treffen muss. Angesichts des gerade Geschriebenen verbietet sich jede Illusion:

  • das scheint weit weg von möglich oder vernünftig
  • diese Strecke ist so einsam und erscheint dadurch doppelt endlos
  • die Strapazen für Kopf und Körper sind nicht zu unterschätzen
  • die Chance auf ein happy end scheinen verschwindend gering
  • Fazit: unter diesen Bedingungen hat es keinen Sinn!

Auf der anderen Seit muss man im Auge behalten, dass sich an den Bedingungen für die 2018er Edition ein entscheidendes Detail ändern wird: die Strecke wird um 10 km verlängert – bei gleichem Zeitlimit. Daraus ergibt sich:

  • das Tempo muss um 4,64 m/min von 88,46 m/min auf 93,10 m/min gesteigert werden. FAST FÜNF METER – JEDE EINZELNE MINUTE! ÜBER 2000 MINUTEN LANG!
  • ob bei dem Tempo alle Abzweige zu finden sein werden ist mehr als fraglich
  • immerhin werden wir nicht durch weitere offizielle VPs aufgehalten – deren Zahl bleibt bei 1
  • Fazit: ist wie wenn man nen hässlichen Stein umdreht um zu sehen, dass die Unterseite noch hässlicher ist.

Schwere Entscheidung.

Für alle gleich!

Kurzmitteilung

Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Selbst wenn einem die eigene Situation im Augenblick des Erlebens etwas unpässlich erscheint – es ist doch alles ok. Man ist nie allein damit – es ist doch am Ende für alle gleich.

Sicher ist es unangenehm wenn einem zum Beispiel stundenlang Wasser in die Laufschuhe läuft und man merkt, wie sich die eigenen Füße langsam auflösen – aber das geht doch allen so. Vielleicht die Schuhe zwischendrin mal ausschütten?

Sicher ist es mies wenn man 24 Stunden unterwegs ist und sich nach einer langen und harten Nacht langsam ein viel zu warmer und sonniger Tag ankündigt – wie alle anderen auch sollte man dann einfach mal was trinken. Die anderen müssen ja schließlich auch noch durch die nächsten 12 Stunden.

Klar kann man sich wünschen es wäre 24 h später, sonnig und 20 Grad wärmer wenn man im eiskalten Novemberregen durch die einsamen und tiefschwarzen niederländischen Militär- und Naturschutzgebiete läuft. Nachts. Aber alle anderen stehen das ja auch durch.

Natürlich ist der Campingstuhl am VP das Paradies. Wenn all die anderen aber nicht aufgestanden wären und weitergemacht hätten, wär der Stuhl überhaupt nicht frei geworden. Alles hängt dann doch irgendwie zusammen.

Auch wenn es ein komisches Gefühl bleibt den Wecker auf irgendwas zwischen 02:00 und 05:00 Uhr am Morgen zu stellen um eben kurz irgendwas mit Laufen zu machen – alle anderen müssen auch früh raus. Kein Grund zur Klage.

Man kann sich so oft man mag wünschen: „Ein anderer Ort, ein anderer Mensch und ein anderes Leben“, viel hilft es aber nicht. So sicher man sich auch mit dem ‚anderen Leben‘ zu sein scheint, der Kampf mit sich selbst bleibt und spielt im Hier und Jetzt. So ernst die äußeren und inneren Zustände auch zu sein scheinen, der einzige Weg zum inneren Frieden führt mitten durch und meist über die Ziellinie.

Auf, auf – die anderen beschweren sich doch auch nicht. Denn auch sie wissen: es ist für alle gleich. Sich schwer atmend in Embryostellung auf den Boden zu werfen und irgendwas zu faseln hat noch Niemandem einen Vorteil gebracht. Auch wenn es noch so verlockend erscheint.

Tour d´ Erft 2018

Da muss es doch einen Knopf geben irgendwo. Das Licht ist doch an – die Tankstelle muss dann doch besetzt sein. Irgendwie. Aber warum ist da niemand. Es ist ungefähr 2 Uhr, irgendwo bei km 35.

„Einfach rufen“ 

„[…]“ [ach du… – die Tanke kann sprechen]

„Einfach rufen – das Mikrofon ist an“

„Achso, ok. Wir hätten gern zwei Mal 1,5 L stilles Wasser und 0,75 L Apfelschorle“

Interessantes Gespräch für diese Uhrzeit. Die mittlerweile hinter uns wartenden Autofahrer auf der Suche nach diversen Genussmitteln, wundern sich sicher über unseren Einkauf und unser Erscheinen. 24h-Tankstellen sind schon etwas Tolles.

Und weiter gehts. Wir sind vor Stunden in Neuss am HBF gestartet, sind von dort zur Erftmündung gelaufen und folgen nun stets dem Fluss. Das Ziel, wie sollte es anders sein, ist die Erftquelle irgendwo dort oben in der Eifel. Genauer gesagt: der 9 km von dort entfernte Bahnhof in Nettersheim.

Neuss hat ein Feuerwerk für uns abgebrannt – stark!

Oft auf dem Erftradweg unterwegs hält die gewählte Route doch mehr schöne Stellen bereit als zunächst befürchtet. Teils lag das sicher auch an der Eigenwilligkeit des Pfadsuchers den Radweg zugunsten etwas, was auf der Karte nach einem Weg aussah, aufzugeben. Gut, teilweise waren die Dinger nicht laufbar und wir haben doch den Radweg genommen. Alles wie immer also. Aber die Erft bietet da immer Optionen. Verpflegt haben wir uns bei km 30 und 50 an 24h-Tankstellen. Danach waren wir im Bereich der Ladenöffnungszeiten und die Erft besucht viele Städte und Dörfer auf ihrem Weg zur Quelle. Durchaus hübsche Exemplare darunter!

Bad Münstereifel

Am Anfang haben wir uns noch gefragt, ob wir jetzt doch die Kontrolle verlieren. Uns vom Normal verabschieden müssen. Aber mit zunehmender Dauer wurde klar: alles ist gut. Direkt aus einer stressigen Arbeitswoche Freitag Abends in einen 124 km-Lauf zu starten geht, wenn man bereit ist den Preis dafür zu zahlen. Ebenso verhält es sich mit dem Versuch aus einem insgesamt müden und wenig leistungsfähigen Gesamtempfinden zu versuchen diese Distanz zu laufen. Geht, ist aber teils grausam. So hatte der Pfadsucher früh zu kämpfen. Doch er hatte ja seinen VPsucher dabei, welcher die Erft völlig unbeeindruckt als einen kurzen Trainingslauf bzw. Trainingswanderung abgehakt hat. Zusammen waren wir das gewohnt starke Team. Zusammen unterwegs vereinen wir Unvermögen mit Unterforderung, Depression mit Motivation und Hoffnungslosigkeit mit dem sicheren Wissen, dass wir ankommen. Die entstehende Mischung ist etwas eigenartig Reduziertes. Es bleibt nur noch die Zeit und das Laufen übrig. Ab und an reden wir zwar auch über unsere „echten“ Leben, oft geht es um bisher unentdeckte Features des Garmin etrex30 (X) (einem elektronischen Gerät, dem wir unser Leben sowohl anvertrauen als auch verdanken) – die weitaus meiste Zeit ist aber angefüllt von grobem Unfug. Nicht eine Zeile dieser Gespräche würde für irgendeinen anderen Menschen Sinn ergeben, geschweige denn die Freude vermitteln, die wir dabei empfinden.

Aus angepeilten 17 Stunden sind 20 geworden. Es war alles dabei. Die dunklen Stunden, die etwas weniger heißen Morgenstunden, brütend heiße Kornfeldquerungen, zugewachsene, unebene Feldwege im Wolkenbruch, dampfender Asphalt nach dem Regenguss, eine ansehnliche Quelle und eine Portion Pommes.

Sieht aus wie die Tour de France – ist aber die Erft.

Sieht aus wie eine Treppe zum Fluss – ist aber einfach nur die traurige Realität der momentanen Pfadsucher-Leistung


Wir empfehlen allen Trittbrettfahrern diesen Track:

https://www.gpsies.com/map.do?fileId=nabjajtlwgztgyqu

#Trackhack: an der ersten Tanke bei Nacht – einfach rufen!


Quelle

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