Der beinahe erste letzte JUNUT

Ausdauer lässt die Einfachheit strahlen!

Der JUNUT war, ist und wird wohl nie mein Rennen werden. Und das ist völlig ok. Einerseits liegt der JUNUT viel zu nah am Legends Trail um ernsthaft als Priorität laufen zu können, andererseits waren alle 3 Ausgaben an denen ich teilnehmen durfte auf die eine oder andere Art besonders; da war keine Zeit wirklich warm mit dem Jurasteig zu werden. Und das liegt keinesfalls daran, dass es kein schönes Rennen wäre – ganz im Gegenteil. Der Jurasteig ist auf den ersten 170 km wunderschön, sehr abwechslungsreich und fantastisch zu laufen; und führt auf den letzten 70 km zurück nach Dietfurt (damit man zurück zum Auto kommt). Auch war der JUNUT unter der Leitung von Gerhard und Margot Börner sowie Team ein exzellent organisierter und geleiteter Lauf. Die Hingabe des Orga-Teams und die wohltuende zurückhaltende Begeisterung der Teams auf allen VPs unterwegs macht es zu einer wahren Freude im Rennen zu sein.

All das ist also mehr als gut am und mit dem JUNUT. Und doch bleibt meine Beziehung mit dem Lauf kompliziert. 2022 dabei gewesen und bei vielversprechendem, schwerem Wetter verständlicher Weise aus dem abgebrochenen Rennen geworfen. 2025 wiedergekommen und rund um das Event einen Menschen kennen gelernt, der alles geändert hat. Der Lauf war daher so besonders wie kein anderer es wohl je wird, aber aus völlig lauffremden Gründen. Das nebenher 240km absolviert wurden – es scheint noch immer mehr als erstaunlich. 2026 – nach einem mehr als erstaunlichen Jahr mit eben diesem Menschen an meiner Seite – war der JUNUT auserkoren um eben diese Momente nochmal zusammen zu geniessen und zu durchleben. Sich darüber auszutauschen, die Freiheit des Draußen seins zu geniessen und sich dabei der Ausdauer es schon irgendwie durchbringen zu können sicher zu sein.

Nach dem Legends Trail 2026 war das Tief und die post-race-depression enorm. Mir ist erst in den letzten Tagen wirklich klar geworden warum. In der Vorbereitung habe ich selbst davon geschrieben, dass es für mich mehr darum geht sich mental anstatt materiell auf so ein Event vorzubereiten; wie Frederik der Mäuserich Farben, Geschichten und Gedanken an die guten Dinge zusammen zu sammeln für die dunklen und kalten (Lauf-)Wintertage. Mit dem Wissen, dass diese Dinge mindestens ebenso wichtig werden für das Durchstehen des langen Winters/Laufs wie das Anhäufen von materiellen Dingen. Und genau so empfinde ich auch den Legends Trail. Klar, es darf keine Fehler geben bei der Vorbereitung der Ausrüstung und der Verpflegung – doch es waren nur zum Teil diese materiellen Dinge die mich durch die 4 Nächste getragen haben – die mich daran haben glauben lassen, dass es gut werden kann. Die mich haben weitermachen lassen in den Momenten wo es vorbei war.

Was also die letzten Tage immer klarer geworden ist: ich war/bin komplett leer was diese Ressourcen angeht. Ein Lauf der so dermaßen tief eingreift in die Gedanken wie der Legends Trail hat all diese Vorräte komplett erschöpft. Ich stand also vor dem Nichts. Zwar am Ende des langen Winters – und überlebt obendrein – aber von allein wollte es nicht wieder gut werden. Was mir nicht klar war: es brauchte das „einfache“ Laufen an sich. Das Laufen in Gesellschaft, das Laufen in der warmen Sonne länger werdender Tage, das Laufen in der erwachenden Natur des Frühlings, das Laufen, das die Farben wieder sichtbar macht, das die positiven Gedanken wieder auffüllt, das Laufen, das diese so wichtigen Vorräte langsam wieder anwachsen lässt. Und so war der JUNUT 239 2026 im gemütlichen Tempo mit meinem Lieblingsmenschen an meiner Seite genau das. Ein Bewundern der Natur, ein Blick für die allerkleinsten Details, eine Chance absolut zu fühlen, ein Sammeln von neuen und guten Momente und all das wieder einzuzahlen auf den inneren Speicher.

Nebenbei war der JUNUT so auch die Chance sich zu zweit ausgiebig über das Laufen auszutauschen. Überraschend, wie unterschiedlich und doch gleich wir die Dinge sehen. Über die Dinge zu sprechen, die sich scheinbar diametral entgegen zu stehen scheinen war sehr interessant. Sicher werden wir bei einigen Dingen niemals einer Meinung sein, aber wir nähern uns an zu verstehen, was dem anderen so wichtig ist und was den anderen tief im Innern antreibt. Keine Diskussion gibt es über das Große und Ganze. Auch wenn wir es aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Strategien tun – was Laufen oder vielmehr das „Reisen“ auf der Langdistanz bedeutet – das steht nicht zur Diskussion. Ich denke wir bewundern es besonders für seine Klarheit, seine Einfachheit und die Eleganz, die man nach all den Stunden und Tagen da draußen zu sehen vermag. Wie der grobe Stein, der nach vielen Jahren in den Wirren der Natur zum glatten, glänzenden Kiesel wird. Jeder Schritt so einfach, so einfach dass machmal kaum ertragbar ist, und doch so voll von Zauber. Voll von einem ruhigen, demütigen und zurückhaltendem Zauber. Ein Zauber, der die Dinge von Innen strahlen lässt – für die, die die Geduld haben zu bewundern. Diese Stunden knüpfen nochmal ein besonderes Band zwischen Menschen. So lange uns niemand festhält, ein Ziel aufstellt oder Stopp in den Matsch schreibt verlieren Zeit und Distanz langsam an Bedeutung. Bis wir einfach zwischen diesen Bäumen am Horizont verschwinden.

Insgesamt ein wundervolles Wochenende. Auch die WG mit M. war ein absolutes Highlight. 3 Verrückte in einer Wohnung – na dann gute Nacht. Der Schritt zurück in den Alltag war ein harter Cut; und doch geht alles weiter. Mit neuer Kraft und neuen Zielen. Dankbar Ultra so erfahren zu dürfen und noch nicht fertig damit ebendies genießen zu dürfen. Und so war der JUNUT, obwohl ich ihn nie wie ein Rennen gelaufen bin, absolut richtig und wichtig. Damit ist die Geschichte des JUNUTs für mich aber auch rund und abgeschlossen. Auf zu neuen Herausforderungen. Als nächste wichtige Etappe wartet der Another One Bites the Dust. So anders. So brutal. So wichtig. Auf zum Legends Slam 2.0. Die einmalige Chance zu den ersten 7 zu gehören, denen dieses Kunststück gelingt.