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„Ja, mir san mit’m Radl da“

Die Idee Stand schon länger im Raum. Dieter und ich hatten uns bei einem unser seltenen Treffen Anfang 2015 für den WHEW100 entschieden. 100 km Run&Bike. Das hörte sich für uns beide schon nach einer sehr lustigen und reizvollen Idee an. Am 02.05.15 war es dann soweit. Treffen um 0600 in Wuppertal in einem wunderschönen alten Bahnhof. Die üblichen Vorbereitung – die Hälfte der Läufer stellte sich noch sehr schlafend. Um 0700 Uhr ging es los. Ca. 70 Einzelstarter über die 100, ein paar 2er oder 4er Staffeln sowie 12 Run&Bike-Teams. Die Regeln des Run&Bike waren denkbar einfach. Zusammenbleiben und wechseln nach Belieben. Dieter bediente die ersten 12 km und ich habe wohl selten mehr auf einem Fahrrad gefroren als während dieser Zeit. Direkt nach dem Wechsel begegneten wir Anja und Andre, einem der weiteren Run&Bike Teams. Eine sehr glückliche Fügung wie sich noch herausstellen sollte. Auf den kommenden 50 km waren wir dann tatsächlich sowas wie ein 4er Team. Nicht die ganze Zeit zusammen, aber doch weite Teile. Was gibt es schöneres als neue Leute kennen zu lernen, sich über schöne Läufe zu unterhalten und so die km einfach km sein lassen zu können. Es hat sehr großen Spaß gemacht diesen Weg zu teilen (vielen Dank an Verena Liebers für das tolle Foto).

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Unterwegs war es die übliche Mischung aus Essen, Laufen, Quatschen und Fahrradfahren. Das einzig wirklich brutale waren die Wechsel vom Rad zurück auf den Boden. Es dauert immer ein paar hundert Meter bis es sich wieder wie Beine anfühlte. Bei km 60 kam die Trennung von Anja und Andre weil die Geschwindigkeit nicht ganz passte. Ab da fing dann auf einmal die Träumerei so richtig an. In dem Tempo wäre es theoretisch möglich die 9 Stunden zu unterbieten. Wenn auch sehr knapp, auf einer Strecke die erstmal 13 km nur hoch ging … Dieter und ich haben immer mal wieder drüber nachgedacht und dann ohne viel zu entscheiden angefangen schneller zu laufen. Es folgten 40 sehr harte km. Beide waren wir während der Laufpassagen eher Richtung Anschlag unterwegs und haben versucht auf dem Rad halbwegs zu regenerieren. Die Uhrzeit wurde auch immer wichtiger. Mal ein wenig rechnen obs noch geht :). Es wurde langsam immer wahrscheinlicher und bei km 80 waren wir uns relativ sicher. Blöd, das noch ein welliges Stück an der Strasse auf uns wartete bis es dann endlich kurz vor km 95 wieder auf die Bahntrasse ging. Breiter und perfekter Asphalt. Bis dahin hatten wir auf den letzten 30 km immer weiter Run&Bike Staffeln eingesammelt und waren uns auch irgendwie bewusst, dass es Richtung Treppchen gehen könnte. Völlig entkräftet wechselten wir bei 94,5 und 97 km noch zweimal auf diesem Teilstück. Die letzte VP bei km 95,5 führte Buch. Platz 8 gesamt (konnte also nicht soweit hinten beim Run&Bike sein). Das setzte die letzten Kräfte frei. Der Blick auf die Zeitnahme 200 m vorm Ziel war dann die Befreiung. Das Rad schiebend überquerten wir nach 08:53:18 die Ziellinie. Absolut kaputt aber mehr als zufrieden trifft es wohl am Besten. Insgesamt auch noch Platz 2 der Run&Biker. Entspannen, alle anderen beglückwünschen die ins Ziel kommen, rauf aufs Treppchen und dann nach Hause. Insgesamt eine perfekt organisierte und wunderschöne Veranstaltung. Ich glaub ich nehme jetzt immer einen Mitläufer und ein Rad mit wenn ich 100 km laufe. Man spart doch relativ viel Zeit ;)!

WHEW

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Das war dann also der erste 100 km Lauf. Ein Tag danach halten sich die Nachwirkungen tatsächlich in Grenzen. Das erste mal 100 km zu finishen fühlt sich schon besonders an. Und dann auch noch auf dieser wunderbaren Strecke. Es ist alles dabei: Enorm viele und schwerer Singeltrails, wunderbare Passagen an Bächen und Flüssen, traumhafte Wälder, absolut unnötige und schwere Anstiege, Wege voller Steine oder Wurzeln – alles was das Herz begehrt. Insgesamt gehört die Strecke mit ihren 2500 hm sicherlich zu den schwersten in den Niederlanden. Die äußeren Bedingungen waren perfekt, seit Tagen kein Regen (alles was sonst im Schlamm untergeht war gut zu laufen), nicht zu kalt und bis auf die Mittagszeit auch nicht zu warm und dabei 11 h Sonne (nach einem absolut gigantischen Sonnenaufgang nach der ersten Stunde):

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Das eigentlich erstaunlich neben der perfekten Betreuung, Unterstützung und Verpflegung war die Tatsache, dass sowohl Björn als auch ich keinerlei Probleme hatten (vielleicht bis auf die Tatsache, dass wir Angst hatten Björns Schuhe könnten sich in zwei Teile teilen). Es lief einfach. Die Geschwindigkeit war perfekt, jede Tempovariation ging von uns beiden aus und die Vernunft hat uns davon abgehalten zu früh zu viel Energie zu verschwenden. 100 km nebeneinander herlaufen zu können und dabei beide genau richtig belastet zu werden ist sicherlich ein großes Geschenk. So waren wir immer zu zweit, haben gerechnet, gescherzt, gelacht, geschwiegen und so 9 schöne 10 km Läufe und zwei wunderbare 5 km Läufe genossen. Dazwischen immer schön was essen und trinken – so gingen die 12 Stunden recht problemlos vorbei. Perfekt war dann irgendwie auch, dass meine Garmin den 100. km bei genau 11:59 h ausgerufen hat (eine Grenze über die wir immer mal wieder diskutiert hatten unterwegs). Ein Moment des Glücks und der Erleichterung. Die Erschöpfung war kurz unwichtig. Nach meiner Uhr war Willems Strecke 102 km lang, er selbst hat sie mit 101 km ausgeschrieben, die gewerteten 100 km waren für Björn und mich nach 12 Stunden und 14 Minuten vorbei. Die Glückwünsche von Willem, Henk an der Zeitnahme – perfekter geht es nicht. Damit ist der nächste Schritt Richtung lang getan. Es wird immer gesagt, der erste 100 km-Lauf bleibt in Erinnerung. Das wird er sicher! Auch wegen all der schönen Momente, aber vor allem aufgrund des Gefühls das da noch mehr geht. Tim und Struppi können und wollen zusammen noch viele Abenteuer erleben ;)!

Ein Großer Dank an Willem, Annemarie, Henk und all die anderen Helfer. Ohne euren Support und euren Einsatz können und wollen wir das nicht tun!

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Sonnenaufgänge

Es ist doch sehr kalt draussen. Eigentlich eine blöde Idee, das Bett so früh zu verlassen. Und das alles nur um vor der Arbeit noch ein paar KM abzureissen. Der Himmel ist außergewöhnlich klar und ruhig – die Dämmerung schon in vollem Gange. Die schlafende Stadt schält sich langsam aus dem eintönigen Schwarz. Alles wirkt leer, kalt und einsam. Zeit sich der Natur zuzuwenden und vor der grauen Stadt zu fliehen.

Die ersten Berge im Wald , unzählige singende Vögel. Jeder hat im Wald so seine Lieblingsstrecken. Bei der Streckenplanung vom Vorabend ist mehr oder weniger durch Zufall die Entscheidung auf den Trail am Waldrand gefallen. Und dann passiert es. Genau in dem Moment wo der höchste Punkt des Waldes genommen ist und sich eben dieser Trail vor die Füße legt, geht die Sonne auf. Rot und riesig. Wir sind zu zweit unterwegs an diesem morgen und sofort verstummt unser Gespräch. Die nächsten Minuten wird einfach nur gelaufen, geschwiegen und genossen. Der wunderbare Weg und im Osten ein unglaublicher Sonnenaufgang. Es braucht keine Worte in diesen Momenten. Alles scheint von selbst zu gehen, das Laufen fühlt sich so natürlich und leicht an, dass es absolut keine Mühe bereitet und nur aus Spaß zu bestehen scheint. Nach einiger Zeit knickt unser Weg nach Westen ab, die Sonne ist nun im Rücken und der Wald vor unseren Augen. Die Stämme der Bäume leuchten blutrot und alles andere erscheint plötzlich unwichtig und klein.

Es ist die Kraft dieser Momente, diese Sprachlosigkeit vor den Wundern der Natur, die alles andere zwar unwichtig und klein erscheinen lässt, es damit aber nicht abwertet sondern es im Gegenteil dadurch erst wunderschön und vollkommen macht.

WUT 2015_65 km Wiedtal Ultratrail

Die wirklich gute Nachricht diese Woche erreichte mich am Donnerstag: Björn meldet sich einsatzbereit. Das war ein wichtiges Zeichen. Die ganze Woche über nicht komplett gesund und die 86 km vom letzten Samstag wohl immer noch etwas in den Knochen hatte ich kurz am WUT-Start gezweifelt. Aber zu zweit geht alles. Tim und Struppi zusammen würden es schon packen. 0515 ging es mit dem Auto los in Aachen und wir waren auch auch pünktlich um 0700 an der Sporthalle in Waldbreitbach. Es ist warm im Auto und das Thermometer warnt vor kalten 3 Grad draussen – also noch nen Moment im Auto sitzen und sich auf den Tag freuen. Dann trauen wir uns doch raus und holen uns bei unseren Veranstaltern Wolfgang Bernath und Josef Hoß die Nummern ab. Für die müden Läufer gibts sogar Kaffee – echter Service. Pünktlich um 0730 geht es los. Wolfgang wird uns heute durch das wunderschöne Wiedtal führen. Ungefähr 60 Läufer sind da, erstaunlich viele sind bekannt. Langsam wird mir das etwas unheimlich. Wir sind 140 km durch die Nacht gefahren, kommen an und werden begrüßt als wären wir zuhause :). Nach einigen Metern schon wird klar, dass die Strecke mit viel Liebe zum Detail gewählt wurde. Den ganzen Tag begleitet uns wunderbare Natur, immer wieder sind absolut tolle Singletrails dabei und was Steigungen angeht – auch hier die Bestnoten. Besonders der Anstieg nach der letzten Verpflegung. Wie krass ist der denn bitteschön? 200 hm auf 1 km oder so. Unglaublich!

Insgesamt gibt es 4 hervorragend sortierte Verpflegungen für uns. Kekse, Salzstangen, Honigwaffeln, Brot, Käse, Bananen, Wasser, Kaffee, Tee und Iso. So solls sein.

Was das Laufgefühl angeht, war es schwierig für mich. Wie befürchtet sind die Beine heute müde und schwer. Es ist kein Selbstläufer. Gut das Björn da ist und das die Familie mitläuft. Es ist perfekt. Immer neue Gesprächspartner, die von der Anstrengung ablenken. Kontakt zu neuen Läufern geknüpft, alte Lauffreunde besser kennen gelernt, neue Wortspiele ausprobiert… Entweder man unterhält sich selber oder lässt sich treiben und hört einfach nur zu. In der Nähe von Tom Eller lässt es sich gut aushalten und hat so etwas  von Dokumentarfilm gucken. Einfach zuhören wie er sich auf den  Madeira Island Ultra Trail freut, darüber diskutiert wie man den UTMB in 39 Stunden läuft und wie sich die zweite Nacht am Mont Blanc so anfühlt, oder wie schön doch der Andorra Ultra Trail ist. Einfach Augen zu machen und zuhören und sich dabei freuen, dass man selbst ein so schlechter Läufer ist, das man nicht auch nur in die Nähe der Versuchung kommt, sich für solche Läufe auch nur zu interessieren. Dann wird das Laufen auf einmal leichter – habe ich jetzt wirklich gerade 40 km gebraucht um wach und warm zu werden? Zeit ab und an mal heimlich ein wenig zu rennen. Björn ist sofort da – ein sehr gutes Zeichen, er ist wirklich wieder fit. Nach 65 km sind wir zurück in Waldbreitbach. Es ist kurz vor 1800 und alle sind glücklich. Der Regen setzt genau dann ein als wir zum Auto gehen. Wie schon gesagt – perfekt geplant alles.

Es ist noch nicht vorbei mit den tollen Eindrücken. Die Bitte Wolfgangs, die Turnhalle nicht zu verdrecken und Laufschuhe und Socken möglichst fern von ihr zu halten, verstehen sehr viele Läufer als Aufforderung die 100 m vom Auto zur Turnhalle barfuss zurück zu legen. Bei 5 Grad und Regen. Es gibt Momente die einfach im Gedächtnis bleiben. Ich schließe mich an und mache mich barfuß auf den Weg zur Dusche. Der kalte und nasse Asphalt fühlt sich gar nicht schlecht an. Frisch geduscht gehts dann in die Ortsmitte ins Hotel. Uns wurde Pasta versprochen – zum Essen sind wir natürlich immer zu haben. Und es ist unglaublich gut. 8 verschiedene Kreationen, von denen mindestens 6 exzellent waren. Es ist erstaunlich wie viele Teller Nudeln man schafft wenn man den ganzen Tag schon Kekse und Salzstangen gegessen hat… Auch diese 3. Halbzeit macht großen Spaß. Am Tisch mit Weltmeistern, deutschen Vizemeistern zu sitzen und ganz entspannt über den Tag und die Zukunft zu reden macht Spaß. Auch über die KM-Spiel Mannschaft der Euregio-Läufer kann mal in aller Ruhe gesprochen werden :)!

Am Ende bedankt sich Wolfgang bei uns und beim Orga-Team. Das geben wir nur zu gerne zurück: vielen Dank Wolfgang und Josef und eurem ganzen Team. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht! Gerne wieder!

Für Bilder war ich selbst zu voll, verlinke hier aber gerne die Berichte die schon da sind oder noch kommen – dort gibt es dann auf sicher schöne Fotos!

Den Anfang macht der Bericht von Jörg Segger! Und hier der Bericht von Trailrunning.de!

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Der letzte echte Test für die 100 km. Zugegeben: Wecker auf 03:45 zu stellen fühlt sich schon ein bisschen nach Weltuntergang an. Aber Track ist Track. Und der ist genau 88 km lang – davon 39 km vor dem 50 km Lauf mit Willem beim Halfzwaren Teil 2. Um 04:45 stehe ich auf der Straße und lauf los. Die ersten beiden Stunden im Dunkeln haben es in sich: unbekannte Trails im Dunkeln, dazu noch allein sind eine Nummer für sich. Die Strecke muss im Hellen wunderschön sein. Doch auch die Dunkelheit hat seinen Reiz. Die generelle Laufrichtung ist erstmal nach Südwesten und Belgien. Der Vollmond steht genau dort und weißt den Weg. Dazu der Weg an der Göhl, und ein paar wunderbare belgische Kuhwiesen. Laufen in Belgien fühlt sich immer querfeldein an – sei es vom Untergrund her, oder von den wie Privat wirkenden Wiesen und Federn, die überquert werden wollen. Ein Blick nach links: 20 glühende Augenpaare. Diese paar Sekunden Schock, bis das Gehirn meldet – sind doch nur Schafe… Uff. Dazu noch die kreative Landschaftsbeschreibungen in Belgien direkt hinter der Grenze:Foto 07.03.15 06 14 43

Dann ist es endlich soweit: ein wunderbarer, langsamer Sonnenaufgang beginnt. Wie sich über eine gefühlte Ewigkeit die Bäume, der Fluss, der Trail und schließlich die Steine und Wurzeln aus dem Nichts entwickeln hat etwas magisches. Im Westen der Vollmond, im Osten das Inferno und über mir die Kondensstreifen der Flugzeuge, die schon von der Sonne beschienen sind. Relativ eindrucksvoll.Foto 07.03.15 06 54 53

Dann ists hell und die Realität kehrt zurück. Der Blick auf die Uhr sagt: zuviel Zeit ist verflogen. Ich beschließe den Track zu verlassen um ihn minimal abzukürzen. Gelingt mit der neuen Uhr ziemlich gut. Sowieso ist die arrival Spoq SQ100 ein absoluter Geheimtip was zuverlässige Navigation ohne Schnickschnack angeht (danke Willem für die Empfehlung). Nach 37 km und 04:12 Stunden bin ich um 08:57 am Treffpunkt. Willem ist sehr stolz auf mich.

Der dann folgende Halfzware ist wie immer perfekt. Wunderschöne Strecke, heute absolutes perfektes Wetter und liebevolle Betreuung. Die ersten 10 km fallen mir sehr schwer. Das Tief ist da. Am Anfang des 50 km Laufs (km 37 – 47). Das Erfreuliche ist: danach geht es tatsächlich wieder bergauf. An der ersten Verpflegung sehe ich Jochen, Christoph und Bernd, die mir vorher irgendwie entgangen waren. Ab da ist es dann der übliche Familienausflug. Zu viert bringen wird die Strecke langsam aber sicher hinter uns: perfektes Tempo für mich. Mir geht es immer besser und am Ende sind es 86 sehr schöne km. Meine absolute Lieblingsstelle bei Limburgs Halfzwarem Teil 2 ist diese hier: Foto 07.03.15 10 53 30

Eine Unterführung, die in der Mitte tatsächlich so dunkel ist das man gar nichts sieht. Die Hälfte der Breite ist Pflaster, die andere Bach – ein tolles Gefühl! Am Ende erreichen wir glücklich das Vereinsheim, sprechen kurz über verrückte Läufe und dann gehts ab nach Hause. Wieder mal wunderbar. Vielen Dank an Willem und Annemarie und alle anderen Helfer (wo bekommt man sonst schon 2 Portionen Rührei auf Brot) und auch an die fantastischen 3 Jochen, Christoph und Bernd! Hat perfekt gepasst! Zum Schluss noch ein paar Fotos von Willem vom Lauf:

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Also langweilig wars jedenfalls nicht. Ein Tag der zunächst geprägt war von Verletzungen, von Problemen mit der Orientierung und einer ständig abstürzenden Fenix2. Ein Tag der danach geprägt war vom Hinterherlaufen mit einer geliehenen, fremden Uhr am Arm. Ein Tag der danach noch wunderbar wurde: begleitet von einer schon unglaublich warmen Sonne ging es ab ca. der Hälfte der Strecke dann wieder um das Eigentliche: Laufen. Es gab wunderbare Gespräche mit zuvor unbekannten Läufern, eine tolle Streckenführung, eine absolut liebevolle Betreuung und letztlich eine nicht ganz so schlechte Form. Alles perfekt also. 12 Stunden draussen gewesen und bis auf ein paar KM am Anfang voller Sorge war es ein perfekter Tag.

Unterm Strich bleiben mit Hin- und Rückweg 87,8 km auf der Uhr. Die bis hierhin längste Strecke! Die 100 km fühlen sich wieder ein Stück möglicher an!

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So, die Strecke steht so weit! mAMa ist bereit! Es gibt noch ein oder zwei Ecken, wo wir noch überlegen unsinnige Steigungen einzubauen. Aber das ist Kleinkram. Erfreulich war, dass wir uns an die meisten Abzweigungen auch ohne Uhr noch erinnern konnten – das gibt Hoffnung für den 07.02.2015. Wir sind jetzt auch sicher, dass die Strecke bei starkem Schneetreiben und bis zu 15 cm Neuschnee noch zu überleben ist. Auch das ist sicherlich eine gute Sache. Da wir nichts unversucht lassen, haben wir sogar getestet was mit eventuell Verletzten oder Entkräfteten passieren könnte. Bei KM10 + 14 gibt es eine Bushaltestelle (an der Björn mich leider verlassen hat) und es fährt auch Samstags ein Bus (ziemlich gute Kombi)! Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass es von Raeren (KM28-30) eine Möglichkeit gibt wegzukommen. Das werde ich noch versuchen herauszufinden – nur für den Fall.

Beim Laufen ist mir aufgefallen, dass die Strecke eigentlich schön abwechslungsreich ist und verglichen mit z.B. dem NETT nicht sonderlich schwer. Ein Landschaftsmarathon mit ein paar schön krassen Trails garniert. Manches wird man nicht laufen können – dafür kommen auch immer wieder Abschnitte die leichter sind. Eine ganz gute Mischung. Über die Trail-Passagen lässt sich allerdings soviel sagen:

  • entweder sie sind vereist oder gleichen einem Matschsee (zieht nicht den Sonntagsanzug an)
  • Nasse Füße sind garantiert (im Winter ist mehr Wasser in den Flüssen)
  • wer schonmal über eine gefrorene Kuhwiese gelaufen ist, weiss auch das sich das durchaus komisch anfühlt
  • wenn es schneit: das Geräusch des brechenden Eises, zusammen mit dem kalten Wasser im Schuh sowie dem gleichzeitigen Stolpern über die Wurzeln unterm Schnee ist ziemlich einmalig
  • wenn es nicht schneit: ist nicht viel besser – irgendeine Wurzel stellt sich immer quer!

Wir freuen uns sehr auf euch! Hier noch ein paar Impressionen:

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Nachts sind alle Katzen wach! – PussyRun 5.0

17.01.2015 1825 Nationalpark Infopunkt Zerkall, Startpunkt des Wildnistrails. Es sind tatsächlich alle da, die sich angekündigt hatten. Und sogar noch mehr. Unser persönliches Taxi, welches uns vom Ziel um Start bringen soll, ist sogar extra zum Start gekommen um ein paar Klamotten von uns mitzunehmen. Wir sind sehr dankbar drüber. Nach der Begrüßung sieht jeder zu das der Rucksack gepackt ist und richtig sitzt. Ein Foto. Es ist still, dunkel und kalt. Der Plan von uns sechs ist denkbar einfach: Wildnistrail Nordeifel, falschrum (hat 350 m mehr rauf als runter, insgesamt: 2677 m↑ und 2312 m↓), nachts und im Winter – 85 km Dunkelheit und Einöde also. Zu siebt laufen wir los (ein geplanter Aussteiger begleitet uns bis Heimbach, km 17). Es geht gleich richtig los mit den ersten richtig schweren Höhenmetern. Die Stimmung lockert sich zusehends und wir kommen sehr gut durch bis nach Heimbach. Unsere Nummer 7, die uns hier geplant verlässt, öffnet uns bereitwillig den Kofferraum und wir kommen an Cola und Bananen. Damit nicht genug: wir werden gefragt, was wir so von heißem Tee bei Kloster Mariawald halten würden (7-8 km weiter). Da sagen wir nicht nein und werden tatsächlich nochmal liebevoll auf der zugigen Höhe beim Kloster verpflegt. Einfach perfekt sowas, da gibts gar nicht genug Dankbarkeit und Respekt für diesen Support. Die Stimmung beim Lauf ist gut, auch wenn jeder sich mit so ein paar Sorgen ob der Streckenlänge im Kopf rumschlägt. Keiner scheint sich so ganz sicher zu sein, ob das im Dunkeln und Kalten so gut zu schaffen ist. Wir einigen uns darauf, es Schritt für Schritt anzugehen. Nächster Halt: KM40 – Gemünd.

Über das Laufen an sich ist in dieser Nacht nicht viel zu sagen: es ist perfekt. Alle kommen super miteinander aus, was tatsächlich ein Problem hätte werden können, wenn man 14 Stunden miteinander verbringt. Aber das Gegenteil ist der Fall. In früheren Berichten hatte ich ja schonmal geäußert, dass wenn man mehr als 4 Stunden mit jemandem laufend verbringt, ihn entweder mag danach oder ihn nicht leiden kann. Während 14 Stunden findet man neue, gute Freunde. Stefan nennt das was er macht und liebt oft: simply running! Für diese Nacht passt das perfekt. Jeder ist für jeden da und sorgt so dafür das jeder so gut wie eben möglich durchkommt (was auch das einzige Interesse aller Beteiligten des Laufs ist).

Dann ist KM40 erreicht und uns erwartet das Paradies: Warme Gemüsesuppe, warmer Tee, Baquette, Obst, Cola, Apfelsaft und Wasser. Sogar Riegel sind da. Wir gönnen uns 10 Minuten Pause und genießen einfach. Wer Freunde hat die solch einen Service um halb 1 Uhr nachts irgendwo im Nirgendwo aufbauen, der kann sich glücklich schätzen. Auch der schönste Moment endet irgendwann. Wir machen uns wieder auf.

KM40 war auch gleichzeitig der Point of no Return. Alle wissen das. Vor uns liegen 45 km Nichts, keine Verpflegung, keine Hilfe, jede Menge Dunkelheit und der weitaus schwerere Teil der Strecke. Während am Anfang sehr viele Unterhaltungen zu hören waren, wird das nun etwas weniger. Alles ist reduziert aufs Laufen. Ein eigenartig großartiges Gefühl. Uns ist schon früh aufgefallen, dass wir die Ehre haben unter einem der gigantischsten Sternenhimmel unterwegs zu sein, die ich seit langem genießen durfte. Die unendliche Weite oben und unten das gefrorene Gras, das wie Millionen kleiner Kristalle im Licht der Stirnlampe glitzert. Unbeschreiblich. Langsam, aber unaufhaltsam kommen wir voran, kämpfen uns über enorme Anstiege, halsbrecherische Gefälle und über Singletrails, die rechts so steil runter gehen, das man fast froh ist es nicht komplett sehen zu können. Die Gespräche sind immer noch nicht verstummt, die gute Laune und die Hoffnung das es wirklich alles gut ausgeht ist nie weg. Plötzlich eine Bewegung im Wald. 2 Augen, die eindeutig zu einer Katze gehören die durch den Wald schleicht. Und schnell ist klar, dass es nicht eine Hauskatze sondern die Wildkatze ist, deren Silhouette wir auf unzähligen Schildern hinterher gejagt sind. Geht es perfekter. Ein Tier was sich fast nie zeigt erweist uns die Ehre. Die Nacht hält für mich kurz vor dem Ziel noch einen weiteren großen Moment bereit – die Morgendämmerung. Frei nach Herr der Ringe, nachdem auch die größte Dunkelheit einmal weichen muss, wird es ganz langsam hell. Es hat etwas Magisches. Das Drumrum ist auf einmal wieder da. Wir sind kurz nach Einbruch der Nacht los und jetzt wird es hell. Als es richtig hell ist, ist das Ziel in Sicht. Als wenn es so gewollt gewesen wäre. Wir sind in Monschau-Höfen. Klatschen uns ab. 13:55 h auf den Beinen. Fast vollständig in einer mondlosen Winternacht. Die letzten 200 m führen uns zum Bäcker, wo erstmal heisser Tee, heisser Kaffee und Brötchen verschlungen werden.

Natürlich war es anstrengend zwischendrin, es war unglaublich kalt, es war windig, viele von uns waren an der eigenen Grenze angekommen (keiner musste drüber) und doch sitzen wir 6 zusammen glücklich in der warmen Bäckerei. Abgekämpft, aber lächelnd. Sehr viel investiert und alles gewonnen. Um alles noch ein Stückchen perfekter zu machen gibt es noch die Ehrung die aus der weltbesten Kombi aus Medaille und Urkunde besteht: eine runde Holzscheibe mit dem Symbol des Wildnistrails, welches uns durch die Eifel geführt hat und eine Tüte Anali Kizli von der Firma Mutfak. Die Erklärung: auf der Knorr Tüte sah es aus wie Katzenscheisse und dann auch noch der bestechliche Name. Natürlich musste es die Urkunde werden. Alle  wissen: es hat sich wirklich alles gelohnt. Ein riesen Dank gilt unseren Organisatoren, und den Supportern, für ihre liebevolle Organisation und Hilfe. Ohne euch kein wir!

Bis ganz bald, Freunde – war mir eine Ehre!

Ich lass hier mal Platz für Stefans Video! Und da ist es auch schon!

Und hier nochmal unsere Belohnungen im Bild:

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Noch 2 Bilder von KM40 (Bilder von Dirk Palm – vielen Dank!):

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Wo sind nur all die Läufer hin?

In der LaufReport Marathon-Analyse 2014 lässt sich lesen, dass die Teilnehmerzahlen bei deutschen Marathon-Veranstaltungen seit dem Spitzenjahr 2005 bis heute um etwa ein Viertel abgenommen hat. Es wird dort dann die Frage gestellt: wo sind all die Marathonläufer hin? Dazu lässt sich sagen: wir sind nicht weg, wir sind immer noch da.

Was uns stört ist die zunehmende Kommerzialisierung eurer Marathon-Landschaft. Die Startgebühren klettern unaufhaltsam, Startplätze werden als so rar gekennzeichnet, dass sie verlost werden „müssen“ damit alles „fair“ zugeht (was dann zur Folge hat, dass in Berlin viele Startplätze einfach verfallen sind) und generell wird uns zuviel Wirbel um unsere Lieblingsbeschäftigung gemacht. Noch einmal: wir sind noch da und wir laufen auch immer noch Distanzen von 42 km (oder sogar länger). Wir haben nur keine Lust auf euren Stress. Es zieht uns raus aus den Städten, rein in die Natur. Wir haben den Asphalt und das Gedränge satt. Wir laufen privat, in der Gruppe oder auf kleinen, aber feinen Veranstaltungen Marathon, wo Laufen sich noch wie Freiheit anfühlt. Hinstellen und los. Liebe Menschen (meist kennen wir sie auch noch persönlich) opfern ihre Freizeit um uns was zu trinken zu reichen und alles zu tun um uns einen schönen Lauf zu ermöglichen. Unsere Schränke sind voll mit euren Finisher-Shirts. Wir sind stolz drauf sie errungen zu haben und im Training tragen wir sie gern (irgendwas muss man ja schließlich anziehen). Aber wir haben mittlerweile einfach genug Shirts. Wir wissen das viele unserer Läufe nicht nach euren offiziellen Kriterien vermessen sind und bei manchen wird noch nichtmal die Zeit genommen. Da wo wir laufen gibt es keine Ideallinien und wenn es sie gäbe verliefen sie wohl meist in Bächen, über Bäumen oder tief im Gestrüpp. Falls ihr also das nächste Mal die Läufer in Deutschland zählt, die 42 km laufen können, dann sucht nicht nur in euren Städten sondern schaut auch in unseren Wald, durchkämmt unsere Wiesen und wühlt in unserem Schlamm. Oder lasst es. Wir fühlen uns wohl im Schatten und fern eurer Datenbänke.

Wir sind noch da, wir sind viele, vor allem aber sind wir Freunde die genau das tun was ihnen am Herzen liegt: simply running!

11.01.2015_NEU

Es sind diese Tage, die mit einem gemütlichen Frühstück beginnen. Am besten bricht man danach auf, setzt sich ins Auto und fährt zum Treffpunkt um dort noch weitere Freunde zu treffen. Viele alte Bekannte sind da, aber auch neue Gesichter. Alle sind entspannt (trotz Schneesturm) und freuen sich auf den Ausflug. Alle wissen es gibt mehr als genug Zeit sich über dies und das zu unterhalten, gemeinsame Pläne für 2015 zu schmieden, ab und an was zu essen und einfach eine Menge Spaß zu haben. Sehr viele sind gekommen und pünktlich gehts los. Es sind diese Läufe, die komplett ohne Stress verlaufen, wo keiner es wirklich eilig hat (bis auf den Paten vielleicht ;)) und das trotz teilweise heftig kaltem Wind. Es sind diese Läufe, die ohne Verpflegung ausgeschrieben sind und wo sich dann doch sehr viele liebe Menschen den ganzen Tag um die Ohren schlagen um 30 Verrückten Tee, Kaffee und Gebäck in die letzte Ecke der Nordeifel hinterherzufahren. Es sind diese Läufe die man einfach zufrieden beendet, sich von den Freunden verabschiedet mit den Worten „bis bald“ und mit dem guten Gefühl einen perfekten Einstand in das Laufjahr gehabt zu haben wieder nach Hause fährt. Kurzum, es war wieder NEU-Zeit!

Hier sind Stefans Bilder!

Vermutlich kommt auch noch ein Video! Ahh da ist es ja auch schon!

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