In ziemlich genau 168 Stunden starten die 24h am Seilersee in Iserlohn. Auf einem der letzten Läufe kam mir die Idee, mich noch etwas zusätzlich zu motivieren und dabei noch etwas Gutes zu tun. Peter Borsdorff ist seit vielen Jahren in der Region Düren unterwegs um mit seiner Aktion „Running for Kids“ Spenden zu sammeln um Kindern in der Region die es gut gebrauchen können damit etwas Gutes zu tun. Vor ein paar Tagen hat er die Aktion „Happy Ferientag“ gestartet. Find ich eine super Idee. Und passt gut als Motto für einen 24h-Lauf.
Für jede Runde (knapp 1,8 km) die ich in Iserlohn laufe gehen 20 Cent an Peter für die Ferientag Aktion. Für jede Runde die der VPsucher läuft leg ich nochmal 20 Cent drauf. Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist!
Mag noch wer einsteigen? Könnt ihr ja hier über die Kommentare kundtun. Ihr könnt Peter natürlich auch gern direkt unterstützen. Unter den Links oben findet ihr die entsprechenden Kontonummern. Seid euch sicher, dass das Geld ankommt.
Meine bleibendsten Erinnerungen an Peter sind die folgenden zwei:
Wie er mir nach dem Vennlauf in Mützenich im Ziel mal nach einer Unterhaltung über mein Laufprogramm gesagt hat: „Eine Woche nach einem langen Lauf läuft man keinen schnelleren Halbmarathon“. 🙂 Recht hatte er. Irgendwie geht mir das nicht aus dem Kopf und bei jeder „dummen“ Laufaktion seitdem muss ich immer denken: Oh oh – was würd Peter wohl dazu sagen…
Dazu kommt noch sein wie immer brillianter VP beim Monschau Ultramarathon. 2016 war er für mich aufgrund unserer etwas längeren Anreise im Kopf lange das eigentliche Ziel. Ich wusste, wenn ich es bis dahin geschafft habe, gehen die letzten 14 km auch noch. Und dann auch noch die perfekte Verpflegung…
Das war dann also der letzte Streich für 2016. Samstag Morgen angereist in das 3 Stunden entfernte Santpoort-Noord und dort erst einmal die Gegend des Laufs erkundet. Viel zu tun war da diesmal freilich nicht. Ein Blick und alles war klar. Eine höchst vielseite Leichtathletik-Anlage mit dem absoluten Highlight bestehend aus einer 6-spurigen Tartanbahn. Unser Zuhause für die nächste Zeit und vor allem für die Dauer des Wettkampfs von Samstag 12:00 bis Sonntag 12:00 Uhr. Versammelt hatten sich knapp 40 24h-Läufer zu einer sehr besonderen Veranstaltung.
Läufe mit bzw. gegen die Uhr sind an sich speziell, auf einer Tartanbahn wird das auf die Spitze getrieben (nicht unbedingt im schlechtesten Sinn). Gelaufen wurde auf den Bahnen 4-6, Bahn 4 mit ihren 422 Metern war dabei die Maßgebende. Jeder/s Läufer/Betreuer/Team hatte auf bereit gestellten Tischen und Stühlen in einer der Kurven die Möglichkeit die Eigenverpflegung aufzustellen. Sah dann aus wie Flohmarkt.
Bestehend aus Essen, flüssigem Essen und Getränken aller Art. Kurz nach, bzw. kurz vor dieser Essenskurve (je nach aktueller Laufrichtung) stand das Verpflegungszelt der Veranstalter. Die maximal längste zu überwindende Distanz bis zum nächsten Essen waren also ca. 360 Meter gefolgt von einer annehmbaren Durststrecke von ca. 40 Metern. Immer im Wechsel. Alle zwei Stunden wurde die Laufrichtung gewechselt. Klingt vielleicht wie ein lustiger Scherz, macht aber durchaus Sinn.
Gestartet wurde pünktlich um 12 Uhr am Samstag (alle wollten schließlich endlich ans Buffet). Über die Schwierigkeit und das Laufen an sich auf einer gut gepflegten Bahn braucht nichts gesagt zu werden. Dazu hatten wir noch Temperaturen über Null, kaum Niederschlag und keinen Wind. Es war der Lauf ohne Ausreden. Auch das klingt banal – ist es aber ganz und gar nicht. Die ersten Stunden vergingen und alles war gut. Von der Betreuer Familie eines anderen Läufers wurden wir aufgrund von Struppis Nikolausmütze eine zeitlang jede Runde mit: „Papa Noël!“ angefeuert. Das war klasse.
Charakteristisch für den Längste-Nach-Lauf war natürlich die früh hereinbrechende Dunkelheit. Leider hatte der VPsucher zu diesem Zeitpunkt schon Probleme mit seinem Bewegungsapparat und hat vernünftigerweise die Nacht pausiert um am Ende in den paar wieder hellen Stunden am Morgen den Doppelmarathon zu vollenden. Der Pfadsucher war fest entschlossen sich und vor allem mal seinen Kopf auf die Probe zu stellen. Eine bessere Gelegenheit und eine einfachere Aufgabe gibt es einfach nicht.
Vorher kam öfter die Frage nach dem „Warum?“ auf, auch ich selbst habe mir dazu ein paar wenige Gedanken gemacht. Ich denke es ist Neugier. Neugier darauf was wohl passieren wird. Und Freude. Freude auf diese besonderen Stimmungen und die besonderen Menschen die nur bei recht ungewöhnlichen und anstregenden Veranstaltungen anwesend sind. Während des Laufs sind solche Gedanken nicht da und das ist enorm wichtig. Mit dem Beginn der Nacht habe ich angefangen Musik zu hören und das tat sehr gut. Lange habe ich mich nicht mehr so sehr auf die Musik konzentrieren und mich in ihr verlieren können wie in diesen Stunden am Samstag Abend. Zwischen Kilometer 50 und 80 lief es auch für meine Verhältnisse sehr gut. Das scheinen die Distanzen zu sein, die wirklich langsam überschaubar und kontrollierbar werden. Danach wurde es deutlich härter. Die Richtungswechsel waren immer etwas, das die endlose Zeitspanne in schönere 2-Stunden-Intervalle eingeteilt hat. Eine Stunde nach dem Richtungswechsel gut laufen und dann den Countdown bis zum nächsten Richtungswechsel als Motivation nehmen. Irgendwie dranbleiben. Sich vorstellen wie schön es doch ist mal wieder in die andere Richtung zu laufen. Die Pausen wurden zwar länger, der Einstieg danach nicht leichter, aber ganz langsam tat sich noch etwas auf dem Kilometerzähl-Bildschirm. Dann kommt die Phase wo die zwei Stunden bzw. die zwei mal eine Stunde viel zu lang sind. Die Wettkampfstunden 12 bis 18 waren es dann 10 km-Intervalle, die der Einfachheit halber in zwei 5 km-Intervalle eingeteilt wurden. Da das eine krumme Rundenzahl bedeutet hätte: 4 km-Intervalle. 10 Runden. Alles beschränkte sich auf 10 Runden. Das ganze Denken darauf ausgerichtet. Zwei weiße Striche, dazwischen der eine Meter Bahn 4 und dann von 10 runterzählen. Danach kurz Trinken und Essen. Ein paar Runden ohne Zählen dazwischen mogeln (die Pause war ja gerade erst vorbei), dann wieder von 10 runter Zählen. 8 km zählen, zwei dazwischen mogeln. 10 km fertig. Kurz rein ins Warme. Kurz setzen. Wieder raus auf die Bahn. Ein wenig zählen. Es war eine lange Nacht. Wie ein komisches Spiel ohne Sieger, bei dem Aufgeben trotzdem nicht ok ist. Irgendwann morgens war Struppi wieder da. Ist ein bisschen gerannt wenn ich gegangen bin und hat mir sonst beim Zählen geholfen.
Es war schön wieder „zu zweit“ zu sein. Ein wenig unterhalten. Meist unendlich langsam nebeneinader herlaufen. Obwohl des Pfadsuchers heimlich gehegter Wunsch vor dem Lauf die 100 Meilen waren, traute er sich nicht zu hoffen bis ca. 140 km gelaufen waren. 20 km konnte er dann denken. Mit Struppis Hilfe und seinem etwas ausgeschlafenerem Kopf fiel das Zählen und Rechnen leichter. Irgendwann waren es noch 3 10er Packs und irgendwann gegen Ende der 23. Stunde war es vollbracht. Dann kam die letzte Stunde. Ein ausserordentlich schönes Gefühl zu wissen, dass es nur noch um Minuten geht. Alle Mitläufer nochmal anfeuern, selbst noch ein wenig bewegen, die Stöckchen für die Restmetervermessung entgegen nehmen und dann kommt das Signal. Ein unbeschreiblicher Moment. Vorbei. Stehen bleiben und nicht mehr loslaufen müssen ist alles was zählt. Reines Glück.
Es wird so viel von diesem Wochenende in Erinnerung bleiben. Wir waren Gäste bei einem wundervollem Orga-Team auf einer sehr schönen Anlage und bei einer tollen Veranstaltung (die leider zum letzten Mal stattgefunden hat). Wir durften mit ansehen zu was für fantastischen Leistungen die Leute die ernsthafter Laufen fähig sind, welche Leidensfähigkeit sie besitzen, wie genau man planen kann und muss um sich bereit zu machen für einen 24h Lauf. Wie all diese schönen Pläne auch bei sehr guten Läufern scheitern können und wie andere dafür den Lauf ihres Lebens haben und über die Bahn fliegen als wären 200 km ein Leichtes. Der niederländische Rekord der Damen über 24 Stunden wurde von der Gesamtsiegerin nur um 1 km verfehlt. Besagte Gesamtsiegerin und der zweite der Herren konnten bei der Siegerehrung nur durch 2 Personen gestützt ihre Preise entgegen nehmen. Das zeigt gut wie viel sehr viele der Anwesenden investiert haben.
Ein großes Danke geht an alle Organisatoren und alle Helfer. Die Unterhaltungen zwischendurch, das Scherzen, das Lachen – es macht alles so viel einfacher. Schön, dass wir eure Gäste sein durften.
Während des schmerzhaften Wegs zum Auto ein letzter Blick auf die Bahn. Schon eine Stunde danach wirken die 393 1/2 (166,171 km) Runden für den Pfadsucher unendlich weit weg. 393 mal an der Uhr vorbei, 393 mal am Dixi Klo mit seinem unverwechselbaren Geruch. Es sind die kleinen Dinge die bleiben. Und ich bleibe dabei: rechtsrum war schneller als linksrum!
Wir sind mal wieder in den Niederlanden unterwegs. Die Strecke diesmal ist brutal und bedarf ausreichender, vor allem mentaler Vorbereitung – dafür bleibt dann aber auch ausreichend Zeit das erworbene Wissen zu nutzen. Mal sehen was uns so wiederfährt. Wir hoffen auf ein schönes Wochenende. Lasst es euch auch so gut gehen wie wir uns! Anbei noch ein unsinniges da aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat:
Es bleibt dabei: über einen Tag zu sagen, dass er entweder Freund oder Lehrer sein kann, lässt völlig außer Acht, dass die wirklich guten Tage beides sind. Von Freunden lernt es sich eben doch am Besten und das Erlernte wird nicht mehr so schnell vergessen.
Die Digitalanzeige 24:00:00 hatte doch auf den ersten Blick etwas Bedrohliches. Zu unvorstellbar ist die Tatsache, wie lang der Zeitraum doch ist, der zum Laufen zur Verfügung steht. Ein Tag. Trotz allem Respekt dieser Anzeige gegenüber, die das Leben die nächsten Momente beherrschen soll, so hat sie doch auch etwas Tröstliches. Jede Runde wird ein wenig Zeit vergangen sein und egal was auch passiert – es wird dieser eine Moment kommen, an dem sie stehen bleibt. Dieser Moment wo alle stehen bleiben dürfen. Letztlich liegt es an einem selbst, wie der Tag wird. Das erste Mal auf einer so kurzen Runde unterwegs zu sein, hatte auch etwas sehr Interessantes. Einerseits schien es mir im ersten Moment etwas hinderlich für den Kopf, so viele Runden laufen zu müssen, andererseits wurde es mit fortschreitender Dauer des Laufes immer tröstlicher und angenehmer „zurück“ zu kommen. Die Uhr zu sehen, einen kurzen Blick auf den Bildschirm mit den Zwischenergebnissen zu werfen, sich kurz zu wundern das der eigene Name dort aufleuchtet, all die lieb gewonnenen Leute und Begebenheiten am Rand zu genießen, zu wissen: alles ist in bester Ordnung und dann auf die nächste Runde abzubiegen.
Was sich sehr viele fragen: wie bekommt man das hin mit dem Kopf? Für mich war diese Frage auch während meines ersten 24h-Laufs in Arnsberg zu schwer. Irgendwann war Schluss im Kopf. Auch wenn ich damals nach einer Pause von ein paar Stunden wieder aufgestanden bin um die 100 voll zu machen – zugehörig zum Lauf habe ich mich nicht mehr gefühlt. Er war für mich von einem 24h-Lauf zu einem 100 km Lauf geworden. Dieses Mal sollte das anders werden. Wurde es auch, nur war der Weg dahin vom Kopf her schwerer als gedacht. Der tote Punkt kam auch diesmal verlässlich nach knapp der Hälfte der Zeit. Das Verlangen Pause zu machen war übermächtig. Die Fragen: Warum legst du dich nicht hin – du hast doch fast 100 km? Warum tust du dir das an? Ist es überhaupt in irgendeiner Weise für irgendwen von Belang, was du hier tust? Offensichtlich nicht. Oder doch? Für mich war es in dem Moment noch nicht ganz klar, aber ich begann zu ahnen, dass es doch jemanden geben könnte für den das relevant ist. Auf dem Weg dahin das zu verstehen, quälte ich mich nach einer guten Stunde aus dem wunderbar warmen Schlafsack und auf die eiskalte Strecke. Zeit für Musik auf den Ohren und alleine sein. Dieses Zurückziehen vom Geschehen rundherum half zunächst gut. Es lief wieder richtig gut. Fast zu gut. Ein paar ordentliche Runden später war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Das ein paar schwierige Momenten kommen hatte ich mir gedacht, dass sie so schnell aufeinander folgen würden, hat mich überrascht.
Die nächste Pause im Zelt wurde nötig. Wo bleibt nur Sinn? Ca. 108 km sind doch wirklich genug, oder? Es ist nicht schlimm jetzt einfach liegen zu bleiben, oder? Knapp 7 Stunden vor Schluss und nach einer Stunde Ruhe, wieder raus aus dem Zelt. Warum? Schwer zu sagen. Nochmal Musik auf die Ohren. Gehen, Traben, Laufen. Volle Konzentration auf das Jetzt und den Moment. Noch ein Schritt und noch einer. Dann war es auf einmal wieder richtig hell draußen. Langsam fiel es wieder leichter mit dem Geschehen in Kontakt zu treten, sich zugehörig zu fühlen. Nochmal so etwas wie einen Rhythmus finden für die letzten Stunden. Die Uhr wurde immer mehr zum Freund. Es waren nun vorstellbare Zeitabschnitte abgebildet. Die Unterstützung von allen Seiten war super und ich konnte es nach einer langen und vom Kopf her komplizierten Nacht auch wieder genießen. Das war die Befreiung. Die Rückkehr der Leichtigkeit zu einem Moment, wo der Körper schon maximal erschöpft ist. Beeindruckendes Gefühl. Von Runde zu Runde denken. Unvorstellbar, aber es wurde zum Genuss eine neue Runde zu beginnen und jedes Mal eine größere Belohnung über die Zeitnahme zu laufen. Endlich war das Gefühl da, von dem viel gesprochen wird. Der Moment wo eine gewisse Distanz zu all den Fragen erreicht ist. Die Fragen und Zweifel sind zwar noch da, aber sie stören nicht mehr. Es ist ok, dass manche Sachen unvorstellbar bleiben. Es ist ok, dass es bei einem Stundenlauf nichts zu gewinnen gibt, dass kein offensichtliches und greifbares Ziel vorhanden ist. Es geht um den Sieg über sich selbst. Auch wenn der Weg dorthin schwer ist. Auch wenn es Menschen mit Mägen aus Stahl und Köpfen ohne lästige Fragen gibt, die einen immer wieder fröhlich überrunden – es bleibt ein großer Zusammenhalt untereinander. Die Energie die man hat, wird zur Unterstützung der Mitläufer und Helfer verwendet. Und wird direkt erwidert. Wenn man sich in die Augen blickt, braucht es keine Worte mehr. Immer weiter. Jeder allein und doch alle auf eine wunderbare Art und Weise zusammen gegen und mit der Zeit die noch auf dieser Uhr steht.
Die Ruhe und Dankbarkeit der letzten zwei Stunden war dann unbezahlbar und wird mich noch lange tragen. Alles war gut. Ich war in Bewegung. Die Unterstützung war groß und der Spaß war endgültig zurück. Sollte es wirklich schon so bald vorbei sein? Es ist doch alles so schön in Bewegung gerade. In meiner vermeintlich letzten Runde lief ich auf Wilma auf, die zu diesem Zeitpunkt schon über 200 km in den Beinen und das Rennen der Frauen auch sicher gewonnen hatte. Die letzten 23 Stunden und 30 Minuten hatten wir uns immer wieder aufmunternde Worte zugerufen. Obwohl sie zwei ihrer Ziele in diesem Lauf zu diesem Zeitpunkt schon sicher verfehlt hatte, sprühte sie vor guter Laune und vor Energie. Trotz allem glücklich und zufrieden, absolut im Reinen mit sich selbst und ihrer Leistung. Wir liefen die Runde zusammen zu Ende und mir war bewusst, dass nur noch wenige Minuten bleiben würden, bevor die Uhr dann schließlich stehen bleiben sollte. Mein eigentlicher Plan war nach der Runde aufzuhören um nicht auf die Restmetervermessung warten zu müssen. „Läufst du weiter?“ hab ich Wilma gefragt: „Natürlich, komm mit“. Wie selbstverständlich. Es ist doch gerade so schön zu laufen, lass uns die letzten 8 einhalb Minuten noch auskosten. Tun, wofür wir gekommen waren. Wilma erhöhte das Tempo und rief mir zu, ich solle doch ja bei ihr bleiben jetzt. Aufhören bevor die Uhr aufhört zu schlagen – kommt gar nicht in Frage. Warum auch? „Jeder Meter zählt“. Und so „rannten“ wir in den guten 8 Minuten noch fast 1,5 km. Etwas, was unmöglich ist. Bis wir es gemacht haben. Der Moment wo wir das Stoppsignal hörten, stehen blieben und zusammen auf die Restmetervermessung gewartet haben, war wunderbar. Es ist klar: es macht Sinn immer weiter zu laufen. Die Person für die das alles doch eine Bedeutung hat, ist man selbst. Die Belohnung dafür waren nicht die paar Kilometer, die in der Zeit noch zusammen kamen, es war etwas ganz anderes. Und plötzlich geht man zurück zum Zelt und es ist vorbei. Die große Ruhe nach dem Sturm, die Befreiung und die Zufriedenheit, doch alles richtig zu machen. Es gibt ihn diesen Moment, wo Unmögliches möglich wird und man kann sich selbst schlagen um sich näher zu kommen und dabei alles zu gewinnen.
Ein letzter Blick auf die Uhr: aus. Irgendwie doch schade. Abschied nehmen vom Freund und Lehrer. Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal wieder.
Der Vorteil an einem 24-Stundenlauf ist, dass man die Verpflegungspunkte, sobald man sie einmal gefunden hat, bis zum Ablauf der 24 Stunden immer und immer wieder besuchen kann und – da die Runden doch meist recht übersichtlich zu sein scheinen – auch leicht wiederfindet. Tatsächlich sollte an diesem wunderbaren Wochenende das Suchen der VPs keine große Herausforderung für den VP-Sucher darstellen: Einen hatten wir selbst an unserem Zelt eingerichtet, einen weiteren phantastischen VP konnten wir nur wenige Meter später gar nicht verfehlen:
24-Stunden-Essen am Seilersee
Dieses Mal wurde der VPSucher wohl eher zum VPBesucher, das aber sehr sehr gerne. Vielleicht ist das auch, wo wir den Laufbericht beginnen sollten: Ein riesiges Dankeschön, an das gesamte Versorgungsteam, welches 24 Stunden lang mit vollem Einsatz, einer riesigen Vielfalt wunderbarster Speisen und stets bester Laune für uns bereitstand und uns jeden Wunsch von den Lippen ablas. Wir hätten es uns besser nicht wünschen können. Für Leute wie unseren Struppi, gab es sogar eine ‚vegane Ecke‘ – einen Tisch voller Leckereien, der ganz auf die Bedürfnisse diese Grünzeugesser eingestellt war, ohne dabei auf Soja-und-Fleischersatzklischees hereinzufallen. Ich sage nur: „Brot mit Erdnussbutter und Marmelade, Chips, Salzstangen, Essiggurken: ein Traum!“ Nächstes Mal (Hm,… keine Ahnung, was ich damit meine…) werden wir unsere Wraps und Maisschnittchen vielleicht einfach dazulegen.
Nachdem das Wichtigste erzählt ist, können wir uns also dem Lauf widmen – einem 24-Stunden-Benefizlauf zugunsten der Aktion TADRA in Tibet und des Vereins ‚Himalaya Friends e.V‘, welcher sich unter anderem für die Erdbebenopfer in Nepal einsetzt. Der Pfadsucher kannte die Strecke schon aus seiner düsteren Vergangenheit; da wir etwas früh angereist waren, blieb also noch Zeit für eine ‚Streckenverkennung‘ wie wir von Wilma erfahren haben, die uns dabei entgegengekommen ist. Schon verrückt, dieser Niederländer*innen, schauen die sich die Strecke schon vorab in Laufrichtung an, als käme man nicht später noch dazu. Besonders traillastig war die Strecke nicht, wohl deutlich weniger als Vilvos Konkurrenzveranstaltung am Glockenofen – es versprach also, das typische Tim-und-Struppi-Asphaltwüstenevent zu werden, auf das wir uns am Abend zuvor mit den entsprechenden einschlägigien Dokus eingestellt haben.
Aber wir waren ja nicht wegen des Laufens dort sondern wegen des Essens und der netten Gesellschaft und von beidem gab es reichlich. Irgendwie sind solche Events da wohl gelungenen Familienfeiern sehr ähnlich und fühlen sich auch so an.
Der Lauf selbst: Er lief dann irgendwie. Die kleine Runde wurde aus irgendeinem Grund nie langweilig und hatte mit ihren 22 Höhenmeterchen auf 1,78 Kilometern schon ein bisschen was zu bieten. Das wechselhafte, stets kalte aber auch im Graupel- und Hagel-schauer trockene Wetter trug vermutlich ebenso seinen Teil dazu bei, wie nächtliche Beleuchtung des Sees, und die häufig wechselnden Laufpartner, die man so sieht, mit denen man dann oft ein paar Worte wechseln oder ihnen anerkennend ein paar staunende Worte hinterherraunen kann.
Ansonsten sind wir tatsächlich ein wenig gelaufen. Allerdings hat Struppi nach gut 21 Stunden mit einer leichten Reizung der Achillessehne aufgegeben und sich lieber für andere Tortouren geschont – jetzt, einen guten Tag nach dem Startschuss ist er aber wieder beschwerden- und spartathlonqualifikationsfrei und scheint somit alles richtig gemacht zu haben. Der Pfadsucher hat es taktisch ein wenig klüger gemacht und konnte so, die letzten zweieinhalb Stunden nutzen, um nochmal richtig Gas zu geben, sodass wir auf insgesamt gut 300km gekommen sind. Dabei haben wir auch sehr auf die Zeitmessung geachtet,
Zeitmessung am Seilersee, hier noch nicht aktiviert
die – wohl als merkwürdiges Spleen des Veranstalters – auf etwa der Hälfte der Runde angebracht war: Wir hatten die eine oder andere Traumzeit dabei. Wer sich die Splits anschauen möchte, bekommt da vermutlich auch einen guten Eindruck davon, wie sich so ein 24-(oder im Falle des VPSuchers 21,5-)Stundenlauf so anfühlt. Stellt euch das vor, gespickt mit vielen netten Leuten, VP-Besuchen, netter Musik, den sich verändernden Geräuschpegeln der Tier- und Läuferwelt und der Autostraßen sowie den Impressionen von oben: Mir fällt keine bessere Art ein, das Gefühl eines 24-Stundenlaufs zu vermitteln:
Ein Traum von einem Lauf. Unser Respekt, unser Dank und unsere Glückwünsche gelten all jenen, die ihre gesteckten Ziele erreicht haben; jenen, die sie nicht erreicht haben, aber für das bestmögliche Resultat gekämpft haben; jenen die in dieser eisigen Aprilnacht durchgehalten haben, so lange ihre Kräfte es zuließen; den Veranstaltern, für eine wahrlich gelungene Veranstaltung; dem Versorgungsteam, das sich mehr aufgeopfert hat als so mancher VPSucher an diesem Tag.
Es war ein wunderbares Wochenende im Arnsberger Wald. Und das, obwohl das Laufen an sich für mich schwerer war als jemals zuvor. Alle Berichte und Reaktionen nach dem Lauf beginnen immer mit den gleichen Reaktionen: tiefe Dankbarkeit für den Organisator Michele Ufer samt Familie und seinem perfekten Team bestehend aus scheinbar zahllosen Helfern. Das was da das ganze Wochenende sowie die Wochen davor und die Tage danach geleistet wurde und wird, nötigt Respekt ab. Einer aus dem Helferteam meinte morgens um 10 Uhr zu irgendwem: ich fühle mich so als wäre ich die 24 Stunden selbst gelaufen. Das glaub ich nur zu gern: erst am Samstag als es noch hell war das Kind durch den Wald schleppen und die Läufer auf der Strecke anfeuern, dann als es dunkler wurde mit Gitarre ab auf den dunklen und eiskalten Trail um jeden Läufer besingen um dann am frühen Sonntagmorgen wie selbstverständlich immer noch dabei zu sein, zu helfen, zu klatschen, zu motivieren, zu lachen – das ist mit Sicherheit Schwerstarbeit. Ich hab Betreuer gesehen die mit so viel Spaß und Energie dabei waren, dass sie um 4 Uhr schlafen gegangen sind um um 4:30 wieder an der Strecke waren weil sie nicht schlafen konnten. Glaubt ja nicht wir Läufer hätten das nicht gesehen und gespürt das ihr da wart – ihr wart einfach super. Wer auch immer die Idee mit den Kerzen und den Knicklichtern hatte: Daumen hoch – es sind oft die kleinen Sachen die viel Gewicht haben. Und es gäbe noch so viel mehr zu loben: das umwerfende Buffet, das Feuer, die Musik, das Haus, die Strecke (wenn auch nicht ganz einfach ;)) – es war wunderbar!
Auf den Traildorado aufmerksam geworden bzw. aufmerksam gemacht worden bin ich immer mal wieder in den letzten Jahren und doch hat es einige Zeit gedauert bis ich mich mal richtig ernsthaft damit beschäftig habe. Da ich selbst aus Herdecke komme dachte ich mir Anfang 2015: da organisiert jemand aus Herdecke irgendwas Verrücktes – vielleicht sollte man mal da vorbei schauen. Helmut und Björn waren auch nicht abgeneigt und an ihren Reaktionen nach dem Lauf konnte man ablesen: auch ihnen hat es sehr gefallen. Es war ein tolles Wochenende in kleiner LTB Aachen-Runde. Mit Helmut, Martine, Björn und Maren hatte ich einfach tolle Menschen auf und an der Strecke. Danke fürs Laufen, Helfen, Unterstützen, Aufrichten und Anfeuern! Die Kombi war perfekt – das „Team“ hat sehr geholfen die richtigen Entscheidungen zu treffen und sie nicht zu sehr zu bereuen!
Es gibt sehr viele verschiedene Gründe warum mir das Laufen an sich an diesem Wochenende unglaublich schwer gefallen ist – ehrlich gesagt gab es nur sehr wenige Runden wo es sich richtig gut angefühlt hat. Das Gefühl war dann leider auch immer wieder nach 1-2 km vorbei. Einzig die oben beschriebene Stimmung hat mich auf der Strecke gehalten und mein Kopf hat mich nach der Pause nochmal zurück kehren lassen um zumindest das Minimalziel zu erreichen. Selten oder sogar nie zuvor musste ich so sehr beißen für jeden Kilometer! Es gibt wohl einfach so Tage wo es nicht läuft. Da ich vor den 24 Stunden kapitulieren musste ist für mich leider nicht die Uhr stehen geblieben, sondern nur der Kilometerzähler. Was bleibt ist mit 102,5 km und 3000 hm ein persönlicher Weitenrekord und auch was die Höhenmeter angeht war es eine neue „Höchst“leistung.
Zum Schluß noch meine Glückwünsche an Struppi. Es war ein Traum dich so laufen zu sehen! Da du mich gut betreut wusstest konntest du dich lösen – ich weiß das dir das schwer fällt – und allen mal zeigen wie man über die Trails tanzt. Wir haben im Vorfeld oft über die Deutsche Meisterschaft gescherzt aber als 4. warst du verdammt nah dran. Und wenn du nicht immer wieder mit mir gegangen wärst hättest du dir den 3. Platz locker geholt. Ich weiß das alles bedeutet dir nichts – danke für den Support und Glückwunsch zu den 100 Meilen. Verdammt stark! Was das Fehlen der besten Wortspiele der Welt angeht: sorry – ich gelobe Besserung! Wenn alles gut geht bekommst du ja im Mai 2016 dann auch was für deine nächsten 100 Meilen was deine Gürtel besser zusammenhält. Um dich mache ich mir was das angeht jedenfalls gar keine Sorgen mehr! Irgendwie passend das es für dich in Arnsberg angefangen hat – wo es dann nächstes Jahr wieder los geht. Ich hab jedenfalls öfter mal an die TorTour gedacht und an Jens der ja immer mal wieder irgendwo postet: 100 km gehen immer!
Der Applaus bei der Siegerehrung hat Michele hoffentlich deutlich gemacht – das war aussergewöhnlich und fast alle würden wohl nächstes Jahr wiederkommen. Wenn sogar die Angehörigen der Läufer nach einem 24 h-Lauf sagen es war so schön das sie nochmal mitkommen würden, ist das sicher das größte aller möglichen Komplimente!
Es ist wohl noch zu früh um auf 2015 zurück zu blicken, aber dieses Jahr hatte schon so viele wunderbare Läufe, so viele schöne Begegnungen und so viele Höhepunkte, dass das für ein Jahr schon mehr als genug ist. Und doch geht es scheinbar erst los. Das Projekt Ultra (ab 100 Meilen) läuft nun endgültig an. 2016 ist schon fast komplett verplant – es stehen Läufe auf dem Programm die noch vor einem Jahr undenkbar und unwirklich erschienen. Es wird spannend. Zeit Helmut und Björn schon einmal zu danken: Ihr habt das Laufen für mich zu etwas Wunderbarem werden lassen! Was auch kommt, so lange wir es zusammen angehen mache ich mir wenig Gedanken!
In 7 Tagen ist es dann soweit – wir starten zusammen in Arnsberg (ob wir auch am Ende noch zusammen laufen wird man sehen :))!
„Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ Hermann Hesse