LT250 – der Bericht

Ein unendlicher Dank gilt dem Orga-Team, den Supportern und den Legendary Friends (oft Ultraläufer, die als Support angereist waren und die Betreuung mit übernommen haben). Die Intensität der Stimmung, der Emotionen und des Zusammenhalt sowie der Support war einmalig. Die wenigen CPs die dieser Lauf aufbietet sind die Inseln der Hoffnung in diesem unerbittlichen Lauf. Und doch wird einem dort von jedem nahegelegt, dass es nur einen Weg gibt – wieder zurück auf die Strecke.

Ein ebenso großer Dank gilt der Support WA-Gruppe sowie allen, die über Einzelnachrichten digitalen Support geschickt haben. Jede Nachricht hat mich angetrieben und davon abgehalten aufzugeben. Ich bin das Ding für Euch gelaufen. Danke Matthias für den besonders engen Support, das Mitfiebern mit jedem Schritt und dem Telefonat kurz vor Ende der 4. Etappe. Ich hoffe du hast dich inzwischen auch wieder erholt?

Danken möchte ich zudem den anderen Teilnehmenden. Mit vielen habe ich viele Kilometer geteilt, mich lange unterhalten, einfach schweigend mit ihnen gelitten oder bin auch mal gefühlt stundenlang hinterher ihnen her gelaufen. Vielleicht auch nicht nur gefühlt. Es waren tolle Erlebnisse. Lasst uns einander unsere unterschiedlichen Launen und Zustände verzeihen und mit Demut schätzen lernen, dass wir uns so oft über den Weg gelaufen sind und dort draußen nicht allein sein mussten. Ich hab Euch leiden sehen, euch verwirrt inden Wald schauen sehen, Euch über der Navigation verzweifeln sehen, Euch kämpfen sehen. Nach dem Lauf habe ich das Gefühl: jeder der dort überhaupt antritt hat tiefen Respekt verdient – zu welchem Ende es auch am Ende gereicht hat.

Plan war es, die Etappe 1 (Start Freitagabend 1800) mit ihren 60 km in ca. 10 Stunden bis 0400 am Samstagmorgen über die Bühne zu bringen. Damit wäre schon etwas Polster auf den Cutoff gewonnen und das Tempo sollte trotzdem nicht überzogen sein. Der Start in der Abenddämmerung hatte es in sich. Schnell ging es runter zum Ufer der Ourthe. Schnell wurde klar, was die Schwierigkeit des Legends Trails darstellen würde: unwegsames Gelände. Wurzelige, steinige Trails – durch die gut gefüllt Ourthe teils überflutet – steil, schräg, rutschig. Jeder einzelne Schritt kräftezährend. Aufpassen war angesagt. Bei ca. Kilometer 12 ein Abhang, der nur durch hinabstürzen/rutschen zu überwinden war, gefolgt von einem durch Bäume blockiertem Trail – welcher durch Klettern in einem Dornenfeld umgangen werden musste. Wenn man nach einer so kurzen Zeit im Rennen schon auf 2-3 km/h zurückgeworfen wird fängt der Kopf an zu arbeiten. Was kann das nur geben – das ist doch gemacht um Unmöglich zu sein. Und doch: es war massig Zeit und ich hab mich schnell an das Mantra erinnert, an das es sich zu halten galt: Ruhe bewahren und nicht wegen Lappalien das Rennen verlassen. Es wurde nach 15 km besser und die restlichen 45 km sind ohne große Erinnerungen geblieben. Das heißt sie musst einigermaßen annehmbar gewesen sein. Das Finale bot ein eher zugewachsener/blockierter Trail bergab zum CP1.

CP1 war ein mit Ofen beheizter Raum mit langen Tischen. Nach der durchlaufenen Nacht war es die ersehnte Pause. Trotzdem gelang es mir nicht wie gewünscht in den Pausenmodus zu verfallen und die wertvolle, weil rare Erholung zu finden. Mein Platz in der Nähe der Tür ließ mich nicht wirklich zur Ruhe kommen. Der Teller Nudeln mit Hackfleischsosse tat gut. Umziehen war auch angesagt – neues Unterhemd, neue Socken, dann wieder in die Sealskinz und zurück in die Schuhe. Ich hatte auf der ersten Etappe einiges der selbstgemachten Bratlinge und Pizzateilchen gegessen, diesen Teil der Verpflegung habe ich im Rucksack ersetzt. Den Rest der Verpflegung hatte ich nicht angerührt und so gab es da wenig neu zu packen und der Rucksack war nach dem Auffüllen der Wasserblase schnell wieder komplett. Ich fühlte noch immer diese Unruhe und es wurde Zeit den CP1 nach der ohnehin schon vergangenen Stunde wieder zu verlassen. Um ca. 0500 am Samstamorgen ging es also los auf Etappe 2.

Etappe 2 stand an und mit ihr der Abschnitt mit den meisten Höhenmetern. Dafür aber endlich Tageslicht. Aus den Trainings, Rennen wie dem Ohm-Trail oder Olne-Spa-Olne bin ich ja einigen Kummer gewohnt. Aber da sind dann ein paar Anstiege drin und gut ist. Und vor allem sind die nach 50-70 km wieder rum. Beim LT250, mit schon über 60 km in den Beinen, diese unerbittlichen Steigungen zu erklimmen und direkt im Anschluss wieder abzusteigen – mit dem Wissen, dass es die nächsten Stunden einfach mal so bleiben würde – das ist eine andere Nummer. Teilweise 300 HM an Stück hoch, wieder runter, wieder rauf. 10, 15, 20% Steiguns/Gefälle-Prozente. Wunderschöne Ardennen, wirklich. Aber ohne Gnade. Ziel auf dieser zweiten Etappe war ein Daylight-Finish. Das hat mit ca. 1800 und ca. 13 Stunden für die 65 km so gerade geklappt. Ungefähr 24 Stunden für 123 km. Und jetzt so richtig erschlagen und geschlaucht. Was. Ein. Brocken.

Jetzt aber mal ein Stopp der entspannt. Auch am CP2 war die Unruhe während der ersten Minuten noch da. Aber insgesamt war die Stimmung ob des größeren Raums und der Müdigkeit aller etwas ruhiger. Dann, nach einem Teller Reis mit Irgendwas, habe ich die einzig richtige Entscheidung getroffen: die gewaschenen und sehr schmerzhaften Füße in die erfahrenen Hände der Exile Medics gegeben. Föhnen, Aufstechen, Beschneiden, Tapen und danach frische Socken sowie frische Sealskinz drüber. Und siehe da – Humpeln ging wieder. Nächste Entscheidung: Schuhe wechseln. Das war mehr ein unterbewusster Reflex und ein Risiko. Das zweite Paar ist bisher kaum gelaufen und quasi frisch gekauft. Aber ich konnte dem Gefühl fast neuer Hokas mit ordentlich Grip nicht wiederstehen. Auch der Rest der Klamotten wurde ausgetauscht und verstärkt – schließlich wartete die zweite Nacht und die Ausläufer des Hohen Venns. Kurz vor 20 Uhr ging es weiter – nur noch 2,5 Stunden vor dem Cutoff.

Etappe 3 war 38 km kurz und hatte zudem wenige Höhenmeter zu bieten. Also einfach Augen zu und durch? Natürlich nicht. Es sollte der Horror werden und mich dorthin zurückwerfen, wo ich nie wieder hin wollte. Zunächst ging es ganz gut los – ein stetiges Ansteigen hoch in die Region des Hohen Venns. Die Höhen dort haben dann zwar weniger Höhenmeter aber natürlich ist es ausgesetzt, windig, eisig, komplett unter Wasser und haben damit ganz besonders tolle Qualitäten. Es wurde nun brutal. Gut, dass wir in wechselnden Gruppen zusammen waren und insgesamt sehr viele Läufer auf einem engen Abschnitt dort oben unterwegs waren. Immer gut mal ein Licht im Moor zu sehen… Die Freude endlich wieder aus der Höhe absteigen zu können wich schnell dem totalen Horror. Die Streckenführung sah für die letzten 7 km bis zum CP3 klettern vor. In einer regnerischen zweiten Nacht. Und zwar nicht irgendwie. Sondern teilweise auf allen Vieren. An Bäume geklammert. Pech, dass auch noch das mentale Tief total durchschlug. Der Tiefpunkt war erreicht. Der Kopf leer. Die Abstiege die zu bewältigen waren waren verdammt gefährlich, die Kraft weg und der Wille fast gebrochen. 5 km vor Ende hab ich die große Truppe weggeschickt. Ich war am Ende und wollte alleine sein. Ich sah sie auf dem Trail entschwinden und wusste: das wars. Meine Stirnlampe versagte den Geist. Entweder sie war aus oder leuchtete mit 200 Lumen (was bedeutet der Akku ist innerhalb weniger Stunden erschöpft). Das waren jetzt echte Probleme. Mir war kalt. Das Handy konnte ich nicht mehr bedienen, die Supporter eh alle im Bett. Was also tun? Gut, dass die Wege Flüsse waren und der Wind kräftig bließ. Ich hatte Angst zu unterkühlen und wusste die einzige Rettung liegt 5 km weiter hinter 2-3 der schlimmsten Hängen der Ardennen. Also irgendwie weiter. Die Ab- und Aufstiege in halber Bewusstlosigkeit sind sicher der Stoff aus dem die Trail-Horrorfilme gemacht sind. Ich hatte doch garnicht nach Barkley-Training gefragt. Um ca. 6 Uhr morgens erreichte ich gebrochen CP3. Es muss auch irgendwann mal Schluss sein. 100 Meilen geschafft.

Am CP3 herrschte eine merkwürdige Stimmung. Tiefe Depression und unbändiger Wille. Viele versuchten draußen zu schlafen. Ich habs garnicht erst versucht. Ich wollte die letzten Lebensgeister nicht auch noch einschläfern. Wieder Pediküre. Kartoffelbrei mit Irgendwas. Was mich dazu bewogen hat den Rucksack wieder zu packen – wer weiß das schon. Es wäre ein bildhübsches DNF geworden. Aber irgendwas bewog mich zu der Aussage: Nachts gibst du nicht auf und den nächsten Tag guckst du dir zumindest nochmal kurz an.

Und zack. Nach dem tiefsten Tief das höchste Hoch. Zwar war es nebelig und nicht wirklich hell, aber es gab Tageslicht. Und ein paar laufbare Passagen. Ich fühlte mich plötzlich wieder lebendig und beflügelt am Beginn der 4. Etappe. Ich war noch drin. Der Übermut ließ mich das sorgsame Navigieren kurz aus den Augen verlieren und in den 10 Minuten Weg suchen sah alles dann nicht mehr ganz so rosig aus. Danach rannte ich regelrecht. Ein großer Fehler und ein stechender Schmerz in der Wade. Fuck. Sollte es das gewesen sein? Schmerzen. Bei jedem Schritt. Das Rennglück wie abgerissen, schien es. Aber nach einigen Minuten Humpeln wurde es etwas erträglicher. Nach einer Stunde gehen ging wieder langsames Joggen. Vielleicht gab es ja doch eine Chance. Irgendwie zu CP4 kommen. Aber es wären nicht die Ardennen, wenn das einfach geworden wäre. Der versprochene Sturm und Regen hatten sich zwar verspätet und abgeschwächt aber sie kamen. Die letzten 10 der 40 km dieses Abschnittes waren von Regen und Wind geprägt. Und es wurde schon wieder dunkel. Unfassbar. Der kalte Regen war ein Schlag ins Gesicht. Völlig nass und kalt war ich endlich dort wo der Track endete. Aber wo war der verdammte CP? 10 Minuten im Regen stehend habe ich gebraucht um den Pfeil zu entdecken. Die Verwirrtheit nahm also zu. Aber endlich rein ins Warme.

Am CP4 war die erste Handlung: raus aus den nassen Klamotten und ab auf die Heizung mit ihnen. Und dann mal Hinsetzen und über das Leben und die eigenen Handlungen nachdenken. Neben dem leckeren Essen (2 Portionen mit Irgendwas mit Nudeln), dem Umpacken des Rucksackes und dem Umziehen bestimmten die Fakten das Denken. Es war möglich hier 2 Stunden vor dem Cutoff wieder rauszugehen. Knapp zwar, aber 2 Stunden sind 2 Stunden. Es geht mir miserabel aber ehrlich: was hatte ich erwartet. Schon über 200 km, 48 Stunden im Rennen, keine Minute Schlaf. Das kann nicht spurlos an einem vorbei gehen. Draußen strömender Regen – also an Schlaf irgendwo nicht zu denken. Und sowieso: dafür wäre keine Zeit. Ich war nicht so weit gekommen um raus zu gehen. Also die teilweise nassen Klamotten wieder an und Zähne zusammenbeißen. Ich hatte doch alles dabei: zwei mehr oder weniger kaputte Stirnlampen, ein nasser Rucksack voller Essen und einen letzten Rest Hoffnung. Worauf wartete ich noch? Raus in den Regen.

Der Beginn der 5. Etappe hatte es dann in sich. Es lief garnicht mehr. Es war unfassbar kalt (Müdigkeit). Der Regen. Das Ziel noch zu weit weg um zu ziehen. Ich war nicht allein unterwegs und das war echt gut so. Jetzt setzte nämlich der Kopf aus. Nach 50 Stunden ohne Schlaf war der Bogen endgültig überspannt. Es erschienen die Geister die ich rief. Am Rand des Kegels der Stirnlampe fing alles an zu verschwimmen und zu tanzen. Die Beine der Läufer vor mir führten Tänze auf, die Kapuzen hatten hinten Gesichter. Das ist an und für sich recht spaßig. Aber es lenkt ab. Und dann die huschenden Gestalten und Menschen zwischen den Bäumen am Rande des Gesichtsfeld. Teils betrachtete ich mich von der Seite mit den Armen wedelnd im verzweifelten Versuch die bösen Geister zu verscheuchen. Ultralaufen ist etwas für Genießer. Ok – Reißleine ziehen. 10 Minuten an einen Schlammhang lehnen und schlafen. Die Kälte danach war unerträglich aber die Geister verzogen sich wieder etwas. Gut, dass es auf halbem Weg nochmal einen weiteren CP gab. Ein beheiztes Zelt, Sandwiches, Schutz vor de Elementen. Der Aufbruch nach einer kurzen Pause war natürlich brutal, aber von hier waren es noch 28 km. Sollte es doch gehen? Alle waren am Ende mit den Nerven. Unsere Gruppe zerfiel langsam. Die Tempi passten nicht übereinander. Ich hatte das Gefühl allein sein zu wollen. Musik auf die Ohren und das eigene Tempo suchen. Kompliziert. Aber mal wieder ein paar Meter laufbar. Die Warnung vor dem Start war: nehmt Euch ein paar Stunden Puffer mit auf die letzten 15 km. Das wurde zur großen Sorge bzw. zum Fokus. Gas geben – alles was noch geht und sicher und zügig ins Finale eintauchen. Diese Konzentration hielt mich wach und einigermaßen fokussiert. Noch 14 km. Ich kannte die Gegend. Es waren einige Bäume gefallen und die Hänge sind sehr, sehr steil. Aber alles in allem war ich nach ein paar Kilometern gehen und Klettern am Ufer und den Hängen der Ourthe erleichtert. Es lässt sich aushalten. Noch 8 km.

Was hatte ich inden vergangenen drei Nächten und zwei Tagen nicht alles erleben dürfen. Und jetzt war es wirklich da: das Finale. So langsam stellte sich die tiefe Dankbarkeit und Demut ein, die ich so sehr schätze und die nur echte Herausforderungen hervorrufen. Die Tatsache, dass die Sonne wirklich wieder aufging und nur noch 7 km auf der Uhr waren rührte mich zu Tränen. Es würde tatsächlich klappen. Diese Tatsache überwältigte mich so, dass ich eine Pause einlegen musste. Ewig hätte ich dort am Ufer der Ourthe stehen können und den Nebelschwaden beim Aufsteigen zusehen können. Und dann war es da, das nächste Gefühl: sieh zu, dass du wirklich ins Ziel läufst – jetzt hast du es dir verdammt nochmal verdient. Was für emotionale letzte Kilometer. Fast zu überwältigt von den Emotionen um das Finish zu denken, so sehr angezogen davon und mit diesem eigenartigen Bedauern: sollte diese Reise tatsächlich ein Ende finden?

Ich würde diese 361.930 Schritte doch eh niemandem vernünftig erklären können und es wird auch keiner je diese Emotionen nachvollziehen können. Ich war etwas traurig – es würde ein langer Weg zurück ins normale Leben werden. Die Gefahr bei jeder Reise ist, dass man verändert von ihr zurück kommt.

Montane Legends Trail LT250 2020

So wirklich beschreiben wie es war, wird nicht möglich sein. Hier kommen zunächst ein paar Worte zu den Fakten und den grundsätzlichen Lehren aus dem Lauf. Vielleicht bin ich zu einem späteren Zeitpunkt bereit, die Gefühle von unterwegs aufzuarbeiten.

Zahlen:

Die harten Fakten am Ende dieser Reise waren: 264 km auf der Uhr, 63 Stunden und 35 Minuten hat es gedauert und die korrigierte Abschätzung der Höhenmeter beträgt 8064 m Anstieg. Das bedeutet in allen drei Kategorien eine neue Bestleistung. So weit bin ich noch nie gelaufen, so lang war ich noch nie auf den Beinen und so viel bin ich noch nie während eines einzigen Laufes geklettert. Auch mit dem Erreichen des Ziels ist das für mich noch immer eine unmögliche Leistung. Unwirklich.

Renneinteilung:

Insgesamt war ich über die gesamt Dauer sehr fokussiert und konzentriert. Ich hab es ausschließlich in den Etappen gedacht, musst also immer maximal 60 km laufen bis der nächste VP erreicht war. Das hat sehr gut funktioniert. Das Große und Ganze zu denken, macht bei dieser Distanz überhaupt keinen Sinn mehr. Zwar sind auch 60 km eine sehr lange Distanz aber ich hatte nie wirklich Probleme wie: das ist unmenschlich weit und das kannst du nicht schaffen. Da hat der Kopf gut funktioniert und das hat mich zugleich überrascht und sehr gefreut. Das Mantra war: ruhig bleiben – es ist WIRKLICH genug Zeit so lange du dich noch vorwärts bewegst.

Am Ende ist die Distanz vielleicht endlich mal so groß gewesen, dass ich nun wirklich lernen durfte wie man Ultras läuft und sie sich einteilt. Eine sehr interessante Erfahrung, die ich ab jetzt für immer bei mir trage. Der VPsucher hat mir in den letzten Jahren während unserer vielen Läufen immer wieder gesagt für Ihn spiele die verbleibende Distanz wirklich keine Rolle. Er bliebe immer im Moment und schaue maximal auf den nächsten Verpflegungspunkt. Ich habe das stets hingenomme aber innerlich gedacht – das funktioniert doch nicht wirklich. Es hat 261 km quer durch die Ardennen benötigt um es endlich zu verstehen. Es funktioniert und es ist wunderbar. Es macht das Laufen so viel leichter. Ich durfte erleben wie ich einfach in die wunderschöne (wenn auch brutale) Landschaft eingetaucht bin und wirklich Stunden später gemerkt habe – krass, schon wieder einige Kilometer weg wie nix. Das war natürlich längst nicht die ganze Zeit der Fall, aber auch an Tag 2 und Tag 3 war ich froh unterwegs zu sein. Es ist mehr wie sich auf einer langen Reise zu befinden, als wie in einem Rennen zu sein.

Was mich noch mehr überrascht hat war die Müdigkeit. Oder mehr: die fehlende Müdigkeit. Klar ist man müde, aber diese bleierne Müdikeit die einen auf der Stelle zum Schlafen zwingen will hielt sich arg in Grenzen. Ich führe das auf eine gute Ernährung zurück – und auf eine entspanntere Grundhaltung. Geschlafen habe ich während der gesamten Distanz 14 Minuten. 10 Minuten in Nacht Nummer 3 irgendwo an einen Hang gelehnt. Das war geplant und war einzig und allein um die Halluzinationen loszuwerden. Ich war es satt überall Menschen zwischen den Bäumen zu sehen. Hat auch einigermassen funktioniert. Bei „chez Ingo“ sind mir beim Warten auf den Aufbruch ein weiteres Mal für 4 Minuten die Augen zugefallen. Ob das überhaupt als Schlafen zählt? Auch das erstaunt mich im Nachgang – normalerweise habe ich deutlich mehr Verlangen nach Schlaf.

Die ganze Reise folgte einem wunderbaren Rhythmus aus Laufen, Rucksack am VP neu bestücken, lecker Essen und Aufwärmen, Füße behandeln lassen (waschen, trocknen, behandeln, tapen), Umziehen und wieder raus. Einfach und elegant und etwas zum dran festhalten. Keine großen Fragen stellen – sich diesem Rhythmus einfach hingeben und sich davon treiben lassen. Dinge wie Uhrzeit und Tageszeit oder Wochentag verschwammen zunehmend. Ist es wirklich schon Sonntag? Ist es wirklich schon die dritte Nacht? Wo sind nur die letzten beiden Tage geblieben? Ist das wirklich relevant? Als wenn man staunend daneben steht und denkt: läuft doch!

Fazit:

So zogen sie also dahin die Kilometer in der Ardennen. Viele schon bekannt aus anderen Läufen (Ohm-Trail, OSO, Great Escape, Trainingsläufe, Wanderungen mit der Familie) und fast alle sehr schwer. Über die Strecke braucht es keine Worte hier. Wer noch nie in den Ardennen war, wird keine Vorstellung davon entwickeln können wie es ist und wer schon da war, wird es nicht für möglich halten, dort 261 km zu laufen. Entweder man liebt es brutal oder ist fehl am Platz. Auch hier habe ich letztlich eine: es-kommt-wie-es-kommt Einstellung entwickelt. Ändern konnte ich es eh nicht, es war für alle gleich und es ist genau so gemeint. Sorgen habe ich mir nur um die letzten 15 km gemacht, weil wir ausdrücklich gewarnt worden sind dort genug Zeit einzuplanen und es sogar noch einen extra CutOff vor dem Teilstück gab. Es hat sich rausgestellt: in der Gegend war ich schon häufiger wandern und laufen – es ist steil aber es ist kein Drama. Zudem ging mittendrin die Sonne das dritte Mal auf und es waren noch 7-8 km übrig. Ein absolut überwältigendes Gefühl. In dem Moment wusste ich es: es wird tatsächlich gelingen! Mit dieser Erkenntnis bin ich erstmal einen Moment stehen geblieben und habe auf die Nebelschwaden geschaut die in der Morgendämmerung aus der Ourthe aufgestiegen sind. So sehr das nahe Ziel lockte und überwältigte, so sehr war da auch eine gewisse Wehmut. Sollte ich wirklich schon am Ende dieser wunderbaren Reise sein?

Mehr zu den Eindrücken, Geschichten und Strategien von unterwegs eventuell später!

„You like to see people have the opportunity to really find out that something about themselves.“

Documentary about the BMs

About last weekend #2

Lauf Nummer 2 dieses Wochenende war in guter Tradition der NEU bei Stefan Vilvo in Düren. Ein Lauf der mich schon sehr lange begleitet, was man an der mittlerweile siebten Teilnahme gut nachvollziehen kann. Wie die Zeit doch verfliegt.

Eine kleine aber feine Gruppe war es dieses Mal – 7 auf einen Streich. Das Wetter war perfekt zum Laufen – kaum nass mit etwas Sonnenschein am Anfang und am Ende.

Es war nach Freitag Nacht erstaunlich anstrengend und es war kaum noch Energie und Kraft da. Ein gutes Training für irgendwas. Insgesamt schöne 57 km in 8:24 h. Aber seht selbst im Video von Stefan:

Ein paar Bilder noch von dort draußen:

About last weekend #1

Elegant plan: lets meet Friday after work somewhere and go for a little run. Maybe we should have read the manual more carefully. Somewhere turned out to be the Hohes Venn. Little turned out to be almost 60k. This does count as little but in combination with the area…

It was one of the occasion where you on one point (after a few meters) start to think: well, lets concentrate on the bare minimum: survival. No need to tell you what happened up there – you may find it strange. Or frightening. Or disgusting. Or all three of it.

We have been distorted lights in a relentless and endless area.

All was well.

Fotocredits to Maarten and Marek!

Bello Gallico 2019

Hello darkness, my old friend
I’ve come to talk with you again
Because a vision softly creeping
Left its seeds while I was sleeping
And the vision that was planted in my brain
Still remains
Within the sound of silence


In restless dreams I walked alone
Narrow streets of cobblestone
‚Neath the halo of a street lamp
I turned my collar to the cold and damp
When my eyes were stabbed by the flash of a neon light
That split the night
And touched the sound of silence


S&G – The Sound of Silence

Once more an intensive weekend. Matthias joined me Friday after work and we took the car to the Start/Finish location in Oud-Heverlee. We planned differently to The Great Escape and spend the night in a Hostel in Leuven. Leuven seems to be a nice city but is a nightmare in terms of parking. After this interesting challenge we finally made it to our room and tried to ignore the noises in our quite active Hostel. Although we didn’t sleep much it gave us a break and some relaxed hours before the start. The alarm was set for 2:30 a.m. and we made it in time to be ready for the start on Saturday 4:00 a.m..

#2 of the Legends TrailsBello Gallico 100 Miles. 100 miles in a rather flat terrain – at least compared to TGE. The job was this time: lets go there and finish this off. Everyone said this is the most easy run of the series, that it really is flat and runnable and it is furthermore meant as a Christmas Party.

Everyone is aware though, that this is only half of the truth. 2019 edition should bring lots of rain in the days before the event, light rain at the start, light rain from time to time in between and two disastrous rainy hours between 5 and 7 a.m. Sunday morning. But: its just a bit of water. Where is the problem? Well, it turned out that this was the type of track which really benefits from being watered and abused by hundreds of feet. Although there were still a lot runnable parts – the muddy parts were deep, sticky and/or slippery plus more and more covered with water – proper steps sometimes not possible. This slowly but surely drags all power from the body – power which could have been used for running.

Muddy & Traily Bello Gallico 2019

Matthias and me discussed a few possible finish options before the race. One of it was below 24 h, the other maybe below 26 h if it would be more difficult than expected and as a last option: finish before the sun rises the second time! We finished the first half of the BG in 11 hours and with a some minutes of break and Chili con carne we realized that 24 h would not be possible. The dark second night was after all way more challenging than expected. The trail was even more difficult, leaving the warm and wonderful checkpoints felt more and more stupid and the heavy rain/storm between 5 and 7 a.m. was really frightening. Especially those hours in the early Sunday needed a lot of strength: water everywhere – the already damaged feet were not amused and during the rain it was horribly cold. We lost the focus on any time-related goal for a second but what I really like on racing with Matthias: he has the finish always in mind and is extremely focused on that. Giving up is never an option for him. It really helps to be with someone like this when yourself are suffering and in a miserable condition.

In that heavy rain and with approximately 12 k to the finish I suggested to run again a bit faster to feel less cold and finally get this nightmare done. This worked ok for a few k´s. With less then 5 k to go the rain finally stopped, we realised that could make it below 28 h and with this we would finish half an hour before the sun would rise again. Job done. #2 of the Legends Trail series completed. We finished in 27h51m as number 48 and 49 of 93 finishers and around 160 starters.

Thanks to the Orga and the countless of dedicated, helpful and friendly Legendary Friends as volunteers all over the course. Great checkpoints, great help, great food and lots of fun.

We had yet another great experience out there in the (this time) rather flat Belgium. It was tougher than expected but we came to finish this one and not to drop out because of whatever. Although the race was almost completely in the dark (at least it felt like this) there were beautiful moments with and without sun. The beauty of ultra running can be found in each and every run of 100 miles or more – just open your eyes at the right times.

Thats it for 2019. No more races left – the end of this years journeys is reached. Fingers crossed for a quick recovery: the next Legend Trail is already waiting. And this time it is the real one. With 250 k in the not-so-flat part of Belgium and three long February nights. Happy for any training advices! I will take it with M&M as a motto for the next two months:

„It’s better to go too far, than not far enough“

Resurrection Of The Insane

It was time to re-start beating the nights. Good that M&M our good old LEO friends had the same feeling and invited us for a nice group rund with the nice name „Resurrection Of The Insane“. The story behind that will only be shared with those who show up.

Track had been posted in a closed FB group a week before the event. So we packed our backpacks and drove to a parking lot near Maasmechelen, Belgium. 5 Dutch runners plus us made the glorious 7 which decided to conquer whatever would be waiting out there. A group full of that experienced runners has a nice dynamic. Although there are obvious differences in the running speeds and styles all of us had everything under control. If you have a slow day you go slow, if you fell like running extra stupid off trail section you do that, if you have the feeling speed hiking is the way to go. Everyone knows exactly what to do when to survive the task ahead. And the rest of the group adapts to whatever changes needed.

It turned out to be a quite wet (ground), sometimes traily 52 k run/speedwalk event. Lots of jokes, laughter and chats should accompany us through the night. We had a beautiful beer stop and a surprise CP from Ingo with hot soup and coke/coffee. The second half of the run was really cold – winter is finally here. We finished the 52 k in 7:36 h. All in all an exhausting but nice weekend start. Good to finally spend some hours out there with M&M and the others out there. Time to talk and get to know each other better. Thanks for the invite – count on us when the next stupid idea needs to be realised!

Whats next? Pfadsucher will run the Bello Gallico 100 Mile as last event in 2019 in two weeks. This will be the second run in the Grand Slam series. No time to rest after Bello Gallico. An intensive January will be needed to do the final preparation for what is waiting February 2020. Stay tuned!

LEO180 ´19 – vakantie in Brabant

Everything started back in November 2016 not with running but with watching the live tracking website of LEOs first edition. I am not sure why and how I came across this link but it was a lucky coincidence. Back in 2016 I was amazed and afraid while watching two lonely dots moving like forever through what seemed to be endless sections of nothing. This should have been a warning..

LEO180 2019
12 of us ready to Start. 36 h and 210 km ahead.

3 years later we are sitting on a table somewhere in Goirle near Tilburg, Noord-Brant, the Netherlands. Martino (2nd place finisher) just left and Maarten, Marek, Björn and me are enjoying a moment of peace and silence. It is 1800 on the first Sunday in November which means the LEO is over. It was again one of the rather busy weekends for all four of us. Although we only see us at the LEO weekends once every year we share a similar idea on how running should be organised and celebrated. This is a good feeling and we use the rare time to discuss a bit. Everything went well with LEO this year so the organisational pressure on M&M is (almost) gone: they dragged out those who could not finish, they celebrated those who were able to survive and the last runner out there should also make it to the finish 2 hours later. The last burger patties are ready to eat. Everything is as it should be. Time to widen the view from this weekend into the future. We discuss the next LEO editions. The good news is: the challenge will continue for those who dare and are fast but there may also be a soft option for those who are slow and winy. Although LEO is held in great irony and fun with a lot of joking and laughing the whole LEO family (runners, orga, supporter) knows deep inside that it is a real challenge for most humans. In our discussion we end up with the question why so few survived this year and what the reason(s) for that might have been. One of the good things with LEO is that there is no final answer to that. LEO may be one of the events where it is better if you are 101% into it – 100% may not be enough. But who knows what battle everyone fought out there. It is your problem if you go out there. You may get random help but basically you have to make sure that your plan is good enough to bring you back.

For Björn and me as participants the task was much easier compared to M&Ms orga stress. Our discussion a few days before the LEO was short. From our point of view there were two reasonable options on how to run the loops in terms of direction and order – we discussed it shortly and made a decision. All we then had to do was what we always do before any of our longer runs: prepare the Garmins, pack the backpacks with an awful lot of self-made food (I also brought some gels which turned out to be a wise decision) and enjoy the surroundings while running. The first two loops formed an 8 of 100 km total distance and we aimed for 7 km/h. We reached the CP close to 2000 – perfect in plan.

We gave ourself one hour to relax. Restart for the last 110 km loop at 2100 with 21 hours time to finish it. The first 40 km of this loop (km 100-140 for us) slowed us down. I could not maintain the 7-8 km/h speed from the first 100 km. From slowing down we got more tired and really cold. The nice ultra run night problem – the interesting part was about to begin. Some tougher hours followed on what is probably the easiest and fastest part of the track – such a waste when walking on asphalt. So we tried to sleep. A few times. With different levels of comfort, durations and cleverness. The last time we did that between 0530 and 0600 helped at the end and we learned a bit more on what makes sense and what does not regarding outside sleeping. But: what happens out there stays out there. Our last hope was the sunrise. We started with giving us rules not to be broken. Not to quit while it is dark was the first one (this one is a really essential one). When it was bright again we had to deal with a section full of sand and small ups and downs. Awful after 150 km with hurting feet and the need to maintain a steady pace. So next rule: do not quit in the Dunes (Björn is probably one of the worlds leading experts in terms of that). We managed it somehow.

And from that on timing was the absolute highest priority. I never did this mental game of running against the clock with this precision. Björn started a „game“. 10 h until cutoff, 57 km to go = 5.7 km/h. The two rules of our game were: run each hour 6 km and then walk the rest of the hour as a break. If you don’t manage this 6 km in 55 min: pause/walk the remaining 5 mins anyway. I had heard from people doing these kind plans but never did it myself. I really hated it in the beginning but realized slowly that if I focus on it and accept it provides a frame for that meaningless and endless moving – something to believe in. So game one. It really worked out in the end. Minimum was 5.5 km in one hour (there were some rather uneven parts of nature to pass) but there were a lot of 6 km hours in and a few of them even above that. We played for 8 hours.

LEO180 2019
The 6 km/h game – started around 150/160 km. If one takes the average to look at it looks pretty precise.

Slowly but surely I realized that it may work to stay in time. Would it be really possible to finish this complicated beast? At 1600 with 2 hours time and around 8 km to go the relief finally came. Nothing but serious injuries would stop us know. What an amazing moment. With 53 minutes left we finished the 210 km LEO180 2019 edition. The bear (DNF) was closer in comparison to last year and it at least felt like that this was not only the extra 10 km. The fight against the time in this dimension and determination was new to me. Thanks to Björn for the idea and the strict rules.

It is time to say goodbye again and to leave the warm table in our cosy race HQ (thanks for opening the door for us this weekend) – „the Germans“ are leaving. Everyone is tired – rest and recovery is urgently needed. It was again an intensive but beautiful weekend in Noord-Brabant. The challenge is completed for now. This years LEO results to be found here and here. Racereports will be posted here.

There will be a new challenge one day that is for sure. Maybe with us, maybe without. We somehow closed our LEO chapter this year:

Björn finished the 190 km edition in 2017 while I was dropping out at 140 km without a good reason

LEO180 2017 – 190 km

… I finished the 200 km version in 2018 alone while Björn was injured …

LEO180 2018 – 200 km

… and we came back this year to finally do it together. Really grateful for this achievement!

LEO180 2019 – 210 km

Our longest distance together under these conditions (which are our most favourite ones: half self-support, alone, not marked, remote, beautiful and brutal) – isn’t this a nice ending for a story?

It was a pleasure, LEO180! Wat een mooie stuk haardlopen – bedankt en tot ziens!

Photocredits to Maarten and Olav – thanks a lot!

SHBM 2019 – Schneisengenuss

Die Jäger haben sinngemäß gesagt wir hätten uns aber eine komische Zeit und Strecke zum Laufen ausgesucht. Sie selbst würden jetzt ja Feierabend machen. Gut, dass sie keine Ahnung hatten, was wirklich auf dem Plan stand.

Es war der zweite SHBM (Strongheart Braveman Challenge) vom Vilvo. Wie bei der Lauf-Premiere im letzten Jahr war das Teilnehmerfeld gerade noch überschaubar. Alle kannten sich und so konnte halbwegs pünktlich und ohne viel Gequatsche um 1930 von dem sehr schönen Parkplatz irgendwo an der B399 gestartet werden. Nach beschriebener Begegnung mit zwei Jägern hatte ich das „Problem“ anderen Menschen zu begegnen erledigt. Zumindest auf der Lauf“strecke“.

Die Strecke ist im Bericht von 2018 ganz gut mit einigen ihrer Besonderheiten beschrieben und gelistet. Dem ist hinzuzufügen, dass wir beide dieses Jahr den Eindruck hatten es ist noch unwegsamer geworden. Interessante neue Baumfällarbeiten sowie ein leicht matschiger Untergrund haben sicher dabei geholfen diesen Eindruck zu bestätigen. Keine Beschreibung kann die Realität wirklich treffend beschreiben – „lauft“ nächstes Jahr „einfach“ mit und erlebt es selbst.

Es war wohl also gut, dass ich quasi direkt von der Arbeit aufgebrochen bin und keine Zeit mir groß Sorgen oder Gedanken im Vorfeld zu machen. Keine Vorbereitung ist eine gute Vorbereitung in diesem Fall.

Insgesamt ist der „Lauf“ gerade wegen aller Begleitumstände ein absolutes Highlight. 54 km die absolut nicht zu unterschätzen sind. Brutalwandern deluxe auf vielen Streckenabschnitten. Ein Königreich für 4 bis 5 km/h. Sich zeitliche Ziele zu stecken macht überhaupt keinen Sinn – nach den ersten Kilometer ist das Makulatur. Die Zeit wird irrelevant, die Geschwindigkeit auch. In der dunklen Nordeifel verschwimmen die Täler, die Hänge, die Kämme, die Bäche und die Talsperre zu einer Art Abnutzungskampf der besonderen Art.

Es war wieder eine Mischung aus Brutalwandern extrem und Rumstolpern deluxe. Eine Lektion in Demut: wie schafft man es zu akzeptieren, dass diese 54 km einen mehr fordern werden (11h35m) als viele der längeren Strecken, wie schafft man es zu akzeptieren, dass es wirklich nur Schritt für Schritt vorwärts geht, wie kommt man mit diesem Gefühl zurecht, sich mitten in einer endlosen Wüste aus Hindernissen zu befinden und zu wissen – mitten durch ist der Weg. Wenn sich zwei Experten in Sachen Navigation und Orientierung mehrfach ratlos anschauen und Karten und GPS Geräte zücken müssen, sagt das schon alles.

Danke für die erneut extreme Erfahrung, Stefan! Ein einschneisendes Erlebnis im wahrsten Sinne dieser Worte. Wers nicht glaubt – hier kommt das Video von Stefan:

Momentaufnahmen – The Great Escape 2019

Es ist kalt in diesem tief eingeschnittenen Tal. Eine schmale Furche in zwischen den dunkelgrünen Hügeln ringsum. Das tiefe Schwarz der Nacht wird zum stählernen Blau. Kurz vor dem Sonnenaufgang lebt der Wind oft etwas auf. Ich hab mich immer gefragt woran das wohl liegt. Ich stelle mir vor die Sonne treibt die Luftmassen irgendwie vor sich her. Ich friere in der kalten Briese. Doch dann steigt der Weg steil gen Himmel an. Die Bäume ringsum sind dichter gedrängt und der Boden besteht nun aus Nadeln. In den kalten Hauch mischt sich eine Ahnung von Wärme. Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir oben. Die Sonne wiederzusehen ist jedes Mal eine große Erleichterung, bedeutet neue Kraft und neue Hoffnung. Lässt es auf einmal wieder möglich erscheinen was Minuten vorher noch undenkbar war.

Die Nachmittagssonne steht auf den Hängen. Sehr warm im Unterschied zur ersten Nacht. Die Luft steht und ist schwer und dick. Und doch ist es nicht mehr so intensiv wie im Hochsommer. Die erste Ahnung vom nahenden Herbst liegt in der Luft. Der Waldboden duftet etwas intensiver nach einem schon etwas feuchteren Boden. Die Luft flirrt nicht mehr so extrem wie im Sommer und die Insektendichte nimmt schon merklich ab. Wir laufen schweigend den Trail entlang. Die Sonne steht schon schräger und färbt alles etwas goldener als sie es im Hochsommer tun würde. Ein wenig Wehmut liegt in der Luft. Werden wir den Sommer vermissen? Die langen heißen Tage und Nächte oder freuen wir uns auf den Herbst mit seinen Farben und dem scheinbaren Sterben allen Lebens in Vorbereitung auf den Winter. Alles geht unaufhaltsam seinen Gang. Schon wieder ist ein Sommer rum. Und schon wieder sind wir irgendwo dort draußen. Völlig vertieft in die Natur, ein endloser, scheinbar zielloser Streifzug quer durch die Landschaft. Rastlos und stundenlang unter diesem blauem und endlosen Himmel.

Matthias schaut mir ins Gesicht und sagt: „es ist wirklich gleich geschafft“. Viel der Anstrengung der letzten Stunden muss mir ins Gesicht geschrieben stehen. Absolute Erschöpfung, leichte Schmerzen in verschiedensten Körperteilen und die Überwindung die jeder Schritt kostet. Kurz vor dem Ziel überkommt mich oft ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits ein großes Verlangen doch noch aufzugeben gepaart mit dem übermächtigen Wunsch das Ziel doch endlich zu erreichen. Es scheint fast so, als würden diese gemischten und gewaltigen Emotionen mich am Weiterlaufen hindern wollen. Wer bin ich das ich glaube das Recht zu haben dort anzukommen – so winzig, so leidend auf dieser übermächtig langen Strecke. Ich habe schon von echten Wettkämpfern, von guten Läufern gelesen, die sich ähnlich fühlen. In das Verlangen zu finishen mischt sich eine große, fast übermächtige Traurigkeit darüber, dass es vorbei geht. Dort unten kurz vor dem Ziel auf der Brücke über den Fluss könnte man sich auch hinsetzen und gut ist. Warum auch noch die letzten Meter gehen, lieber in Ruhe die Natur genießen und etwas in Ruhe entspannen. Dann ist sie plötzlich da die Brücke und der Moment der Emotionen ist vorbei: natürlich gehen wir weiter, natürlich gehen wir eben um die zwei Ecken und natürlich kommen wir an, lassen uns beglückwünschen und haben es endlich geschafft. Wiederum übermannt von Gefühlen wenn auch anderer Natur.