Ein Tag am See

Eine paar Gedankenspiele vom Pfadsucher während des 24 h Laufs in Iserlohn.

Es bleibt dabei: über einen Tag zu sagen, dass er entweder Freund oder Lehrer sein kann, lässt völlig außer Acht, dass die wirklich guten Tage beides sind. Von Freunden lernt es sich eben doch am Besten und das Erlernte wird nicht mehr so schnell vergessen.

Die Digitalanzeige 24:00:00 hatte doch auf den ersten Blick etwas Bedrohliches. Zu unvorstellbar ist die Tatsache, wie lang der Zeitraum doch ist, der zum Laufen zur Verfügung steht. Ein Tag. Trotz allem Respekt dieser Anzeige gegenüber, die das Leben die nächsten Momente beherrschen soll, so hat sie doch auch etwas Tröstliches. Jede Runde wird ein wenig Zeit vergangen sein und egal was auch passiert – es wird dieser eine Moment kommen, an dem sie stehen bleibt. Dieser Moment wo alle stehen bleiben dürfen. Letztlich liegt es an einem selbst, wie der Tag wird. Das erste Mal auf einer so kurzen Runde unterwegs zu sein, hatte auch etwas sehr Interessantes. Einerseits schien es mir im ersten Moment etwas hinderlich für den Kopf, so viele Runden laufen zu müssen, andererseits wurde es mit fortschreitender Dauer des Laufes immer tröstlicher und angenehmer „zurück“ zu kommen. Die Uhr zu sehen, einen kurzen Blick auf den Bildschirm mit den Zwischenergebnissen zu werfen, sich kurz zu wundern das der eigene Name dort aufleuchtet, all die lieb gewonnenen Leute und Begebenheiten am Rand zu genießen, zu wissen: alles ist in bester Ordnung und dann auf die nächste Runde abzubiegen.

Was sich sehr viele fragen: wie bekommt man das hin mit dem Kopf? Für mich war diese Frage auch während meines ersten 24h-Laufs in Arnsberg zu schwer. Irgendwann war Schluss im Kopf. Auch wenn ich damals nach einer Pause von ein paar Stunden wieder aufgestanden bin um die 100 voll zu machen – zugehörig zum Lauf habe ich mich nicht mehr gefühlt. Er war für mich von einem 24h-Lauf zu einem 100 km Lauf geworden. Dieses Mal sollte das anders werden. Wurde es auch, nur war der Weg dahin vom Kopf her schwerer als gedacht. Der tote Punkt kam auch diesmal verlässlich nach knapp der Hälfte der Zeit. Das Verlangen Pause zu machen war übermächtig. Die Fragen: Warum legst du dich nicht hin – du hast doch fast 100 km? Warum tust du dir das an? Ist es überhaupt in irgendeiner Weise für irgendwen von Belang, was du hier tust? Offensichtlich nicht. Oder doch? Für mich war es in dem Moment noch nicht ganz klar, aber ich begann zu ahnen, dass es doch jemanden geben könnte für den das relevant ist. Auf dem Weg dahin das zu verstehen, quälte ich mich nach einer guten Stunde aus dem wunderbar warmen Schlafsack und auf die eiskalte Strecke. Zeit für Musik auf den Ohren und alleine sein. Dieses Zurückziehen vom Geschehen rundherum half zunächst gut. Es lief wieder richtig gut. Fast zu gut. Ein paar ordentliche Runden später war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Das ein paar schwierige Momenten kommen hatte ich mir gedacht, dass sie so schnell aufeinander folgen würden, hat mich überrascht.

Die nächste Pause im Zelt wurde nötig. Wo bleibt nur Sinn? Ca. 108 km sind doch wirklich genug, oder? Es ist nicht schlimm jetzt einfach liegen zu bleiben, oder? Knapp 7 Stunden vor Schluss und nach einer Stunde Ruhe, wieder raus aus dem Zelt. Warum? Schwer zu sagen. Nochmal Musik auf die Ohren. Gehen, Traben, Laufen. Volle Konzentration auf das Jetzt und den Moment. Noch ein Schritt und noch einer. Dann war es auf einmal wieder richtig hell draußen. Langsam fiel es wieder leichter mit dem Geschehen in Kontakt zu treten, sich zugehörig zu fühlen. Nochmal so etwas wie einen Rhythmus finden für die letzten Stunden. Die Uhr wurde immer mehr zum Freund. Es waren nun vorstellbare Zeitabschnitte abgebildet. Die Unterstützung von allen Seiten war super und ich konnte es nach einer langen und vom Kopf her komplizierten Nacht auch wieder genießen. Das war die Befreiung. Die Rückkehr der Leichtigkeit zu einem Moment, wo der Körper schon maximal erschöpft ist. Beeindruckendes Gefühl. Von Runde zu Runde denken. Unvorstellbar, aber es wurde zum Genuss eine neue Runde zu beginnen und jedes Mal eine größere Belohnung über die Zeitnahme zu laufen. Endlich war das Gefühl da, von dem viel gesprochen wird. Der Moment wo eine gewisse Distanz zu all den Fragen erreicht ist. Die Fragen und Zweifel sind zwar noch da, aber sie stören nicht mehr. Es ist ok, dass manche Sachen unvorstellbar bleiben. Es ist ok, dass es bei einem Stundenlauf nichts zu gewinnen gibt, dass kein offensichtliches und greifbares Ziel vorhanden ist. Es geht um den Sieg über sich selbst. Auch wenn der Weg dorthin schwer ist. Auch wenn es Menschen mit Mägen aus Stahl und Köpfen ohne lästige Fragen gibt, die einen immer wieder fröhlich überrunden – es bleibt ein großer Zusammenhalt untereinander. Die Energie die man hat, wird zur Unterstützung der Mitläufer und Helfer verwendet. Und wird direkt erwidert. Wenn man sich in die Augen blickt, braucht es keine Worte mehr. Immer weiter. Jeder allein und doch alle auf eine wunderbare Art und Weise zusammen gegen und mit der Zeit die noch auf dieser Uhr steht.

Die Ruhe und Dankbarkeit der letzten zwei Stunden war dann unbezahlbar und wird mich noch lange tragen. Alles war gut. Ich war in Bewegung. Die Unterstützung war groß und der Spaß war endgültig zurück. Sollte es wirklich schon so bald vorbei sein? Es ist doch alles so schön in Bewegung gerade. In meiner vermeintlich letzten Runde lief ich auf Wilma auf, die zu diesem Zeitpunkt schon über 200 km in den Beinen und das Rennen der Frauen auch sicher gewonnen hatte. Die letzten 23 Stunden und 30 Minuten hatten wir uns immer wieder aufmunternde Worte zugerufen. Obwohl sie zwei ihrer Ziele in diesem Lauf zu diesem Zeitpunkt schon sicher verfehlt hatte, sprühte sie vor guter Laune und vor Energie. Trotz allem glücklich und zufrieden, absolut im Reinen mit sich selbst und ihrer Leistung. Wir liefen die Runde zusammen zu Ende und mir war bewusst, dass nur noch wenige Minuten bleiben würden, bevor die Uhr dann schließlich stehen bleiben sollte. Mein eigentlicher Plan war nach der Runde aufzuhören um nicht auf die Restmetervermessung warten zu müssen. „Läufst du weiter?“ hab ich Wilma gefragt: „Natürlich, komm mit“. Wie selbstverständlich. Es ist doch gerade so schön zu laufen, lass uns die letzten 8 einhalb Minuten noch auskosten. Tun, wofür wir gekommen waren. Wilma erhöhte das Tempo und rief mir zu, ich solle doch ja bei ihr bleiben jetzt. Aufhören bevor die Uhr aufhört zu schlagen – kommt gar nicht in Frage. Warum auch? „Jeder Meter zählt“. Und so „rannten“ wir in den guten 8 Minuten noch fast 1,5 km. Etwas, was unmöglich ist. Bis wir es gemacht haben. Der Moment wo wir das Stoppsignal hörten, stehen blieben und zusammen auf die Restmetervermessung gewartet haben, war wunderbar. Es ist klar: es macht Sinn immer weiter zu laufen. Die Person für die das alles doch eine Bedeutung hat, ist man selbst. Die Belohnung dafür waren nicht die paar Kilometer, die in der Zeit noch zusammen kamen, es war etwas ganz anderes. Und plötzlich geht man zurück zum Zelt und es ist vorbei. Die große Ruhe nach dem Sturm, die Befreiung und die Zufriedenheit, doch alles richtig zu machen. Es gibt ihn diesen Moment, wo Unmögliches möglich wird und man kann sich selbst schlagen um sich näher zu kommen und dabei alles zu gewinnen.

Ein letzter Blick auf die Uhr: aus. Irgendwie doch schade. Abschied nehmen vom Freund und Lehrer. Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

24h am Seilersee – Eine Traumzeit!

Der Vorteil an einem 24-Stundenlauf ist, dass man die Verpflegungspunkte, sobald man sie einmal gefunden hat, bis zum Ablauf der 24 Stunden immer und immer wieder besuchen kann und – da die Runden doch meist recht übersichtlich zu sein scheinen – auch leicht wiederfindet. Tatsächlich sollte an diesem wunderbaren Wochenende das Suchen der VPs keine große Herausforderung für den VP-Sucher darstellen: Einen hatten wir selbst an unserem Zelt eingerichtet, einen weiteren phantastischen VP konnten wir nur wenige Meter später gar nicht verfehlen:

24h.Iserlohn.VP

24-Stunden-Essen am Seilersee

Dieses Mal wurde der VPSucher wohl eher zum VPBesucher, das aber sehr sehr gerne. Vielleicht ist das auch, wo wir den Laufbericht beginnen sollten: Ein riesiges Dankeschön, an das gesamte Versorgungsteam, welches 24 Stunden lang mit vollem Einsatz, einer riesigen Vielfalt wunderbarster Speisen und stets bester Laune für uns bereitstand und uns jeden Wunsch von den Lippen ablas. Wir hätten es uns besser nicht wünschen können. Für Leute wie unseren Struppi, gab es sogar eine ‚vegane Ecke‘ – einen Tisch voller Leckereien, der ganz auf die Bedürfnisse diese Grünzeugesser eingestellt war, ohne dabei auf Soja-und-Fleischersatzklischees hereinzufallen. Ich sage nur: „Brot mit Erdnussbutter und Marmelade, Chips, Salzstangen, Essiggurken: ein Traum!“ Nächstes Mal (Hm,… keine Ahnung, was ich damit meine…) werden wir unsere Wraps und Maisschnittchen vielleicht einfach dazulegen.

Nachdem das Wichtigste erzählt ist, können wir uns also dem Lauf widmen – einem 24-Stunden-Benefizlauf zugunsten der Aktion TADRA in Tibet und des Vereins ‚Himalaya Friends e.V‘, welcher sich unter anderem für die Erdbebenopfer in Nepal einsetzt. Der Pfadsucher kannte die Strecke schon aus seiner düsteren Vergangenheit; da wir etwas früh angereist waren, blieb also noch Zeit für eine ‚Streckenverkennung‘ wie wir von Wilma erfahren haben, die uns dabei entgegengekommen ist. Schon verrückt, dieser Niederländer*innen, schauen die sich die Strecke schon vorab in Laufrichtung an, als käme man nicht später noch dazu. Besonders traillastig war die Strecke nicht, wohl deutlich weniger als Vilvos Konkurrenzveranstaltung am Glockenofen – es versprach also, das typische Tim-und-Struppi-Asphaltwüstenevent zu werden, auf das wir uns am Abend zuvor mit den entsprechenden einschlägigien Dokus eingestellt haben.

Aber wir waren ja nicht wegen des Laufens dort sondern wegen des Essens und der netten Gesellschaft und von beidem gab es reichlich. Irgendwie sind solche Events da wohl gelungenen Familienfeiern sehr ähnlich und fühlen sich auch so an.

Der Lauf selbst: Er lief dann irgendwie. Die kleine Runde wurde aus irgendeinem Grund nie langweilig und hatte mit ihren 22 Höhenmeterchen auf 1,78 Kilometern schon ein bisschen was zu bieten. Das wechselhafte, stets kalte aber auch im Graupel- und Hagel-schauer trockene Wetter trug vermutlich ebenso seinen Teil dazu bei, wie nächtliche Beleuchtung des Sees, und die häufig wechselnden Laufpartner, die man so sieht, mit denen man dann oft ein paar Worte wechseln oder ihnen anerkennend ein paar staunende Worte hinterherraunen kann.

Ansonsten sind wir tatsächlich ein wenig gelaufen. Allerdings hat Struppi nach gut 21 Stunden mit einer leichten Reizung der Achillessehne aufgegeben und sich lieber für andere Tortouren geschont – jetzt, einen guten Tag nach dem Startschuss ist er aber wieder beschwerden- und spartathlonqualifikationsfrei und scheint somit alles richtig gemacht zu haben. Der Pfadsucher hat es taktisch ein wenig klüger gemacht und konnte so, die letzten zweieinhalb Stunden nutzen, um nochmal richtig Gas zu geben, sodass wir auf insgesamt gut 300km gekommen sind. Dabei haben wir auch sehr auf die Zeitmessung geachtet,

24h.Iserloh.Streckenverkennung3

Zeitmessung am Seilersee, hier noch nicht aktiviert

die – wohl als merkwürdiges Spleen des Veranstalters – auf etwa der Hälfte der Runde angebracht war: Wir hatten die eine oder andere Traumzeit dabei. Wer sich die Splits anschauen möchte, bekommt da vermutlich auch einen guten Eindruck davon, wie sich so ein 24-(oder im Falle des VPSuchers 21,5-)Stundenlauf so anfühlt. Stellt euch das vor, gespickt mit vielen netten Leuten, VP-Besuchen, netter Musik, den sich verändernden Geräuschpegeln der Tier- und Läuferwelt und der Autostraßen sowie den Impressionen von oben: Mir fällt keine bessere Art ein, das Gefühl eines 24-Stundenlaufs zu vermitteln:

Das Traumzeitgefühl am Seilersee und Pfadsucher on the run

Ein Traum von einem Lauf. Unser Respekt, unser Dank und unsere Glückwünsche gelten all jenen, die ihre gesteckten Ziele erreicht haben; jenen, die sie nicht erreicht haben, aber für das bestmögliche Resultat gekämpft haben; jenen die in dieser eisigen Aprilnacht durchgehalten haben, so lange ihre Kräfte es zuließen; den Veranstaltern, für eine wahrlich gelungene Veranstaltung; dem Versorgungsteam, das sich mehr aufgeopfert hat als so mancher VPSucher an diesem Tag.

20160409_Rund um Solingen (100 km)

Was natürlich in der ganzen Hektik nicht untergehen darf: der schöne Lauf vom letzten Wochendende. Auf den Lauf bin ich durch Zufall im Netz gestoßen und da es in meinem Kopf gut in die TTdR-Vorbereitung passte, habe ich mich einfach angemeldet. Struppi hat wie immer natürlich nachgezogen und so waren wir am Samstag recht früh auf den Beinen. Für den Freundschafts- und Gruppenlauf Rund um Solingen sind wir um um kurz nach 0200 Uhr aufgestanden und um 0315 waren wir im Auto unterwegs nach Solingen. Dort wurden wir mit Kaffee und Brötchen begrüßt und von Temperaturen jenseits von Gut und Böse. Sich für einen Gruppenlauf anzumelden, bei dem man keinen richtig gut kennt ist immer spannend und wir freuten uns auf viele neue Gesichter und Geschichte. Einen kannten wir dann doch – Stefan war da. Der Schock war einigermaßen groß und ich hoffe wir haben auf den ersten 50 km nicht zuviel Blödsinn erzählt und damit irgendwem schlechte Laune bereitet :).

Die Strecke war absichtlich nicht so spannend wie der Klingenpfad, aber trotzdem sehr schön. Die Orga top und die Verpflegungen super. Vielen Dank an alle die daran mitgewirkt haben – schönes Dingen. Gewünscht war ein langsamer und gemütlicher Test über 100 km und genau das ist es geworden. Bei perfektem Wetter, wenn man mal davon absieht das es die ersten 3 Stunden verdammt kalt war.

Neue Leute durften wir auch kennen lernen und Geschichten haben wir viele gehört. Und was für welche… An manchen Stellen sollte man vielleicht besser schweigen. Wir haben gelernt, dass die eine Hälfte der Leute bei der TTdR am Start ist und ein paar der Leute auch in Iserlohn wieder zu uns stoßen werden. Alles beim Alten also. Wichtige Treffen wurden verabredet (wir haben mit Verena ein Gummibärchen-Date bei der TorTour) und wichtige Dinge über das Laufen haben wir auch gelernt (der schlimmste Feind des Ultras sind die bösen Wurstfinger :D).

Schön wars – ein paar erste Bilder findet ihr hier. Vielleicht werden die noch von Struppi ergänzt.

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Wer sich schon immer gefragt hat was die perfekte Geschwindigkeit ist – hier ist die Antwort:

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out there

In Gedanken im Frozen Head State Park in Tennessee, USA. Über die sozialen Medien wurde heute verbreitet, dass es nach keinem Finisher in 2015, im Jahre 2016 wieder einen Läufer gibt, der es tatsächlich geschafft hat. Jared Campbell ist zudem der erste Finisher der es 3 Mal geschafft hat. Es bleibt eine unfassbare Leistung.

Der Kampf eines jeden Teilnehmers dort erinnert daran, dass es wichtig ist die eigenen Grenzen sehr genau einschätzen zu können, dass es keinen Grund braucht sich auf eine unmögliche Reise zu begeben und das es keine Schande ist, das Unmögliche zu verfehlen.

To be out there just because you thought it might be a brilliant idea is the key on the way to find happiness.

DutchCoastUltraRunbyNight_2016

Ach, es ist doch immer sehr schön ans Meer zu fahren. Und dann noch so kurzentschlossen und spontan. Einfach freitags Nachmittags in den Zug und kaum 4 Stunden später ist man schon in Den Helder und damit am nördlichsten Punkt des niederländischen Festlandes. Noch viel besser ist, dass es nach Süden einen schier unendlich langen Sandstrand gibt. Zum Verweilen, Spazieren gehen und Sandburgen bauen. Traumhaft. Nur die Sporttasche war irritierend und die Laufschuhe an den Füßen auch. Und Björn war dabei. Nach einer Zugfahrt ohne verpasste Anschlüsse und einigen Gesprächen über Läufe die außerhalb von Gut und Böse liegen, muss es für die wenigen anderen Passagiere ein komisches Bild gewesen sein als sich in Den Helder die Türen des ICs das letzte mal öffneten. Auf einmal waren ca. 20 in Sportsachen bekleidete Menschen, die im Januar im Dunkeln schnell aus dem Bahnhof in Richtung gegenüber liegendem Hotel verschwanden.

Der Start des DCURbN sollte nach GPS Track genau dort erfolgen. Also mal rein ins Warme. Es waren noch anderthalb Stunden zu überbrücken bevor um 2200 der Start für die Starter über die 100 und die 75 km Strecke erfolgen sollte. In der Zwischenzeit konnten wir das Treiben am 60 km Verpflegungspunkt der 100 Meiler beobachten. Die waren schon um 1400 in der Nähe von IJmuiden gestartet und durften daher den Strand in beide Richtungen und sowohl im Hellen als auch im Dunkeln genießen. Und sie waren bedauernswerter Weise auch die gewesen, die die Regenschauer aushalten mussten, die am frühen Abend über die Küste gen Westen gezogen waren. Die Hoffnung auf eine wettermäßig ruhigere Nacht stand ihnen in die Gesichter geschrieben. Überhaupt das Wetter: an dieser Stelle muss ich verstehen, dass ich den Unmut der Organisatoren verstehen kann. Bei einem Lauf, der oft davon gelebt hat gefühlte -20°C, Sturm oder Orkan von vorne, eingefrorene Gesichtspartien und Trinkschläuche aufbieten zu können, so schönes und ruhiges Wetter zu haben ist schon ärgerlich. Obwohl ich sonst vehement ungünstige Bedingungen verfechte – dieses Mal möchte ich mich zum ersten Mal nicht beschweren. Für die erste Erfahrung bei diesem Event war es schön, dass das Wetter überhaupt kein Problem war. Um 2130 wurde es in der Hotelbar richtig voll. Alle Läufer waren da und holten sich ihre Nummern. Auch wir registrierten uns und hatten mit Rinus unser Gepäckproblem (wie bekommen wir unsere Sporttaschen von Den Helder nach IJmuiden wo wir sie doch nicht wie alle anderen dort in unserem Auto hatten lassen können) ganz schnell gelöst. Danke dafür! Eindringlich wurden wir bei dieser Gelegenheit nochmal vor dem Strand gewarnt und das es wohl anders werden würde als wir es gewohnt seien. 🙂

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Rucksäcke auf und raus vor die Tür. Ein wunderbar rustikaler Start. Man benötigt einen Stuhl damit man als Organisator größer ist als die versammelten Verrückten und eine Konfettikanone. Ein paar liebe Worte die wir leider nicht ganz verstanden haben, die Uhren an (Navigation erfolgte ausschließlich nach GPS) und dann ging es an diesem Abend um 10 Uhr los. Die ersten 5 km über die Deichanlagen von Den Helder und dann runter ans Meer.

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Der noch vorhandene leichte Wind von Südwesten drehte im Lauf der Nacht vollständig nach Westen und flaute immer mehr ab. Am Anfang war das Laufen in der Gruppe noch deutlich leichter (Windschattenlaufen!!!), wir suchten aber nach unserem eigenen Tempo und nach dem Stück Strand welches genau die richtige Festigkeit aufwies. Erste Aufgabe: bis km 25 den Strand runter ohne groß Schaden zu nehmen und zu schnell zu sein. Bei km 25 erwartete uns ein Auto mit Wasser hinter den Dünen – zu kalt zum lange verweilen. Also runter an den Strand und weiter gehts.

Es gibt nicht genug Worte für die Zeit die wir dort am Meer verbringen durften. Natürlich ist das Laufen anstrengend und die Suche nach dem festen Stück Sand manchmal etwas lästig. Aber das Gefühl unter einem erst von Wolken umspielten und später dann hell scheinendem fast-Vollmond laufen zu dürfen, dauernd nach oben schauen zu müssen, weil der Anblick so schön ist, dann wieder minutenlang auf die eigenen Füße zu schauen und zu bewundern wie der Mond sich dem dünnen Wasserfilm spiegelt der auf dem Sand liegt, die Spiegelung des Mondes im Meer und die leuchtenden weißen Gichtberge, die Schaumteile die vom Wind mitgezogen werden und über den Sand auf einen zu fliegen und einem das Gefühl geben auf etwas zu laufen das sich bewegt, das Meer der Stirnlampen, die wie eine Perlenschnur bis in die Endlosigkeit verschwinden … Mit der Zeit wurde es so hell, dass die Lampen überflüssig wurden und wir in den Genuss kamen mitten im Januar nachts ohne Lampen am Strand laufen zu dürfen – unbeschreiblich. Dazu noch das Gefühl der Weite und der Zeitlosigkeit. Jedes Licht, jeder Schemen scheint Ewigkeiten nicht näher zu kommen, es gibt absolut kein Maß für Geschwindigkeit auf dieser bei Ebbe endlosen weiten Fläche. Rechts das Meer, links die Dünen. Das Maß für die Zeit war das Sternbild des Orions das zuerst südlich zu sehen war und dann im Westen im Meer versunken ist und der Mond, der einen ähnlichen Weg wählte. Ohne Worte.

Der VP bei km 50 kam wie eine Erlösung. Es ging also doch irgendwie voran. Mittlerweile zwischen so gegen 4 Uhr morgens tat es gut in das schöne Strandhaus gehen zu können und sich auf die bequemen Sitzmöglichkeiten fallen zu lassen. Ein Lagerfeuer, was zu essen, glücklich 50 km-Finisher, glücklich Menschen die die längeren Distanzen aufgegeben hatten und mit der Entscheidung zufrieden waren, Musik, Wärme. Es wäre leicht gewesen liegen zu bleiben. Wenn das Wetter härter gewesen wäre, wenn eine gute Ausrede da gewesen wäre…

Schnell wieder raus ans Meer. In die Weite und Einsamkeit. Ein Schritt nach dem anderen. Nach ca. 60 km im Rennen verlässt der Kurs das Meer. Ab auf den Asphalt. Eigenartiger Wechsel. Aber ein Unterschied und eine Veränderung. Gut für den Kopf. Bis man dann kilometerweit an langen und einsamen Landstraßen entlang läuft und den Klang der Wellen vermisst. Teil dieses dritten 25-km Abschnittes war dann auch der Hafen von IJmuiden. Riesig und beeindrucken. Ein Meer aus orangenem Licht, qualmenden Schloten, und überdimensionierten Schiffbefüllungseinrichtugen. Ein endloses Meer aus Wasserwegen und vor allem: laut. Ein gleichmäßiges Brummen in der Nacht. Das Rauschen der Wellen mit ihrem niemals endenden Konzert hatte einen menschengemachten Mitspieler gefunden. Die Einsamkeit in dieser Industriewüste war erstaunlich. Das Gefühl sehr klein zu sein dort draußen scheint ein Markenzeichen dieses Laufs zu sein. Es ist doch alles nicht so wichtig.

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Und dann endlich das Ziel. Für die 75 km Läufer und für die, die aus welchem Grund auch immer genug hatten von ihrer Reise. Es wurde einem leicht gemacht. Einfach in der 75 km Distanz werten lassen, Medaille um, aufs Sofa legen und Chips essen. Wir hatten vorher kurz drüber gesprochen. Björn ging es wieder besser und mir nicht schlecht genug.  Kurz nach dem Start hatte man uns zudem darüber aufgeklärt, dass die letzte 25 km Runde durch die Dünen wunderschön sei. Und sehr schwer. Das wollten wir uns dann doch noch anschauen. Für 2 km an den Strand und dann nach links rein ins Vergnügen. Wir wurden auf verschiedenste Weise belohnt. Helligkeit, fast knietiefe Wasserflächen auf denen das Eis noch zu sehen war und auch ein paar Trails. Die schmerzenden Füße nach den wiederholten Eisbädern waren schnell vergessen. Es bleibt erstaunlich was dann läuferisch doch noch geht. Es mag eigenartig klingen – es fühlte sich nach einer guten Entscheidung an wieder raus gegangen zu sein und in ein endloses Naturschutzgebiet voller kleiner Sandberge zu laufen… Es war der letzte Abschnitt dieses Rennens und er hatte alles zu bieten. Sogar wunderbare Singletrails.

Für mich kam nach ungefähr 90 km so langsam der Punkt wo ich meinte genug getan zu haben. Der Kopf wollte dann doch mal dafür belohnt werden, dass er noch nicht die Reißleine gezogen hatte. So schön die Dünen auch sind, ich habe mich dann doch gefragt warum diese Hügellandschaft kein Ende hat, warum da immer der nächste kleine Hügel kam und man von oben wieder nur die nächsten 5-6  Hügel sehen konnte auf einem schier endlosen Weg zurück ans Meer. Schließlich wurde das Geräusch der Wellen dann wieder lauter und nach 98 km auf der Uhr standen wir wieder am Strand. Zum ersten Mal im vollen Tageslicht.

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Es war beeindruckend und beängstigend. Wunderschön und trostlos. Uns war beiden klar, dass es genau 3 km am Strand sein würden und das 2 km dahinter das Ziel warten würde. Wir sind losgelaufen und hatten wie ich fand einen einzigen Gedanken: nicht stehen bleiben. Keine Ausrede wie „ich muss essen, pinkeln, mich hin legen“. Durchlaufen. Es war wohl ein wenig die Angst davor stehen zu bleiben und nicht mehr loslaufen zu können. Es waren sehr lange 3 km. Ein letztes mal die Dünen hoch auf den Deich und ab ins Ziel. Diesmal wirklich. Es gutes Gefühl. 103 km auf der Uhr und erschöpft. Dieser DCURbN ist etwas Besonderes. Sehr abhängig von den äußeren Bedingungen und auch bei den besten davon zugleich absolut faszinierend und schwierig. Vor allem für den Kopf. Das Bedauern der anderen Läufer auf die Aussage das man noch weiter müsse, spricht Bände. Viel wurde uns erzählt von den Wetterverhältnissen der letzten Jahre. Ob es dann wirklich möglich gewesen wäre anzukommen – wir werden es vielleicht nie erfahren. Aber man soll nie nie sagen.

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Es ist definitiv eine einmalige Erfahrung, es ist ein wunderschöner Lauf. Sicher einer von denen, wo der Kopf eine unglaublich wichtige Rolle spielt. Eine absolute Empfehlung, aber definitiv nicht zu unterschätzen. Keinem ist auch nur der geringste Vorwurf zu machen, bei km 50 oder 75 einfach sitzen zu bleiben. Das Meer und der Strand sind geduldig und geben einem das Gefühl, dass derartige Dinge nicht so wichtig sind.

Dank je wel an Ferry, Rinus und all die anderen, deren Namen ich mir nicht alle merken konnte. Super freundlicher und guter Support (inkl. Shuttleservice zum Bahnhof). Perfekt! Bemerkenswertes und wunderschönes Rennen. Diese 13 Stunden und die 103 km werden wir sicher nicht so schnell vergessen. Wer weiß, vielleicht sieht man sich mal wieder. Wie steht noch so schön auf der Webseite:

„The Beach at Night stirs the Heart and inspires the Imagination!“

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Hin & NEU (10.01.2016)

Nach Hin & NETT konnte es nur eine logische Fortsetzung geben: Hin & NEU! Stefan hatte wie alle Jahre zum Nord Eifel Ultra geladen und alle waren da. Doch der Reihe nach! 0315 aufstehen, 0430 loslaufen in Aachen: 38 km bis Düren Annakirmesplatz. Wie angesagt erwischte uns um 0515 der dicke Regenschauer mit viel Wind und ein paar Blitzen. Mit Regenjacke ging es dann weiter. Es war einer der Tage wo es einfach nicht hell werden will. Da die Strecke hauptsächlich über große Wege führte (bis auf die kurzen Passagen wo der Track in den Wald, in die Dornen oder auf den Singletrail wollte) lief es ganz gut und wir waren im Zeitplan. Irgendwann wurde es doch hell und die Sonne kündigte einen tollen Tag an. Pünktlich um 0845 waren wir auf dem Annakirmesplatz und die Familie stand schon bereit. Über das Laufen und die Strecke wurde hier schon viel geschrieben. Der auf dem Hinweg versprochene Schlamm war überall und die immer mal wieder etwas trailigen 56 km durch die Nordeifel sind wunderschön. Immer wieder gerne, Stefan. Auch die liebevolle Betreuen von Stefan´s Familie und Freunden war wie immer genial. Vielen Dank dafür. Es hat mir das Laufen sehr erleichtert. Das Loslaufen mit 38 km in den Beinen in einer Horde erfahrener Ultras ist immer hart – mit der Zeit werden die Unterschiede dann Gott sei Dank immer etwas kleiner. Ansonsten war es ein wundervoller Tag, viele liebe und schöne Gespräche mit den Mitläufern. Man muss sich einfach wohlfühlen in der Truppe. Pläne wurden geschmiedet, persönliches besprochen, sich näher kennen gelernt – so verfliegt das Laufen selbst mit schweren Beinen. Der Nachhausefahrservice von Ina und Tobias setzte dem ganzen die Krone auf. Vielen Dank für den Service! Das war super!

Insgesamt 96 km. Oder wie Björn sagen würde: „endlich der erste längere Lauf in diesem Jahr“! 🙂 Spaß bei Seite: für die Strecke, die Distanz und den momentanen  Zustand war es sehr gut und lief ohne größere Probleme. So darf es weitergehen. Bereit für das was in 2 Wochen auf uns wartet!

Tendenz fallend

Fragen über Fragen türmen sich auf:

  • Ist dieser Trend besorgniserregend?
  • Wann ist das Tal erreicht?
  • Oder ist es eigentlich ein Berg?
  • Wenn ich stehen bleibe, kann ich dann unendlich viele KM laufen?
  • Werde ich alt?
  • Wie viel Kraft liegt denn jetzt wirklich in der Ruhe?
  • Wo ist hier eigentlich die Kalorienaufnahme beim Laufen aufgetragen?

Eigentlich gibt es dazu aber nur eins zu sagen:

[Ohne Worte]

Bildschirmfoto 2015-12-30 um 22.10.13

vOLNE tOLNE SPAßveranstaltung

Der letzte Sonntag im November hält immer etwas Besonderes bereit: Olne-Spa-Olne. Die Erinnerungen an letztes Jahr waren im Vorfeld etwas verblasst – was noch parat war: Hinfahren ist Pflicht. Diesmal war ich leider allein unterwegs und hab mich deshalb für Musik beim Laufen entschieden. Wecker auf 5, los um 6, Nummer geholt um 7 und dann der Start um 8 Uhr. Ich weiß nicht warum, aber OSO ist ganz speziell.

Es ist nicht so, dass das Traillaufen etwas Neues wäre, oder ich vor allzu viel zurückschrecken würde, aber OSO setzt noch einen drauf. Woran genau das liegt vermag ich nicht zu sagen. Erst einmal ist es sehr viel Trail und dann fällt glaub ich die Bodenbeschaffenheit stark ins Gewicht. Wer kennt sie nicht, die schönen Singletrails auf weichen Tannennadeln, auf moosbedeckten Steilhängen und auf Traumpfaden die so schön sind das man die Augen kurz zu macht. All das ist nicht im Programm von OSO. Steine, unendlich viele Steine (und zwar nicht die schönen kleinen, sondern die, die sich durch die Schuhe bohren, oder die gerade so aus dem Boden gucken, dass ein Sturz unausweichlich ist), knöcheltiefer, klebriger Schlamm, wadentiefes Wasser… Das komplizierte daran – dauernd wechselt das hin und her. Nichts ist mit kurzer Entspannung für Beine und Kopf – das sind 69 km höchste Konzentration. Jeder Schritt ist anders und jeder ist mit einem Hinderniss versehen. Jedes mal überlegen: wo trete ich hin und was hat das für Folgen. Zermürbung in Reinstform. Der einzige Grund für die ab und an kurz vorhandenen Straßen und Waldautobahnen ist wohl, falsche Sicherheit vorzuspielen und die Läufer an der Aufgabe zu hindern :). Es ist eine Strecke zum Liebhaben. Eindrucksvoll war wieder der 3 km Anstieg relativ am Ende auf einem breiten Waldweg. Genau perfekt zwischen zu steil zum Laufen und zu Flach zum gehen. So das man wahnsinnig wird. Die ganze Zeit ist der Gedanke im Kopf: wenn das hinten so runter geht, dann kann man mal ein Stück rennen. Irgendwo ahnt man aber auch was dann Realität wird. Oben angekommen gehts im 90° Winkel ab, Singletrail, der auf gefühlt 200 Metern alle Höhenmeter vernichtet. Während man sich auf allen Vieren an den Abstieg macht ist die einzige Option: über sich selbst lachen. Wie konnte man nur hoffen es wird leicht? Geniale Strecke.

Das Tolle an OSO: alle sind mit Feuereifer und ganz viel Freude dabei. Man kann nicht einfach als mit einem Grinsen durch den Trail zu stolpern. Wenn man sich die Freude und Ironie nehmen lässt gewinnt der Trail auf jeden Fall. Ich musste lachen als ich den ersten VP erreichte: ein 10 Liter (Farb-)Eimer mit Rosinen und eine doppelt so gr0ße Schüssel Chips. Ich war zu Hause angekommen. Überhaupt: es gibt nur alle 16 km einen VP (ich hab das als angenehm empfunden – so wurde ich beim Laufen nicht zu sehr gestört), aber dafür ist die Stimmung prächtig. Für alle die es mögen: die Belgier grillen auch bei Dauerregen. Wer sich ein halbes Schwein auf Toast bei km 48 oder 64 vorstellen kann, dem wird geholfen. Wein und Bier sind inklusive, versteht sich.

Das Wetter war auch perfekt: richtig viel Regen vorher, leichter Regen unterwegs. Wie der Vilvo immer behauptet: „jede gute Strecke wird durch viel Regen noch viel besser“! Ich sage immer: der Mann weiß wovon er spricht. OSO ist eine dieser Strecken. Alles wird soviel schl… äh besser! Soviel weniger laufbar – soviel schöner!

Was das Laufen an sich anging: lief eingentlich. Bis auf den Sturz bei km 29 und die leichten Schmerzen auf den letzten 40 km bin ich gut durchgekommen. Für OSO-Verhältnisse, versteht sich. Scheinbar genau richtig viel gegessen und getrunken; lediglich der VP bei km 48 kam zu einem falschen Zeitpunkt. Aber das Tief war nicht allzu lang.

Die letzte Gemeinheit der Organisatoren ist: man läuft auf den letzten 3 km zweimal an einem Schild vorbei auf dem Olne steht. Zu dem Zeitpunkt hofft man einfach auf das Ende und muss dann immer nochmal einen kleinen Schlenker weg vom Dorf… OSO zu finishen fühl sich eigenartig und besonders an. Die Strecke strengt einen nicht einfach nur an, sie kotzt einen aus. Merhmals. Als ich nass, blutend, schlammig und absolut fertig ins Ziel gestolpert bin und auf französisch gefragt wurde ob es schön war, hab ich „really nice“ gesagt. Ein abweisender und erschrockener Blick war die Folge. Ob das am Englisch oder meinem Aussehen lag, ist mir nicht klar. Als ich die Daumen gehoben hab und geseufzt habe, war die Welt wieder in Ordnung. Es ist ein Zieleinlauf für den man unterwegs sehr viel investieren muss. OSO ist was die Streckenführung und Beschaffenheit angeht ein Schlag ins Gesicht. Und doch ist unterwegs immer die Freude mitgelaufen und Olne doch noch wiederzusehen am Ende und nicht im Nirvana verloren gegangen zu sein, macht einfach glücklich. Man verlässt Olne nie ohne noch eine Rechnung offen zu haben mit der Strecke – wir sehen uns 2016.

69 km; 7:43 h; Platz 38

20(:)15 – Die Primetime hat gerade erst begonnen

Es ist wohl noch zu früh um auf 2015 zurück zu blicken, aber dieses Jahr hatte schon so viele wunderbare Läufe, so viele schöne Begegnungen und so viele Höhepunkte, dass das für ein Jahr schon mehr als genug ist. Und doch geht es scheinbar erst los. Das Projekt Ultra (ab 100 Meilen) läuft nun endgültig an. 2016 ist schon fast komplett verplant – es stehen Läufe auf dem Programm die noch vor einem Jahr undenkbar und unwirklich erschienen. Es wird spannend. Zeit Helmut und Björn schon einmal zu danken: Ihr habt das Laufen für mich zu etwas Wunderbarem werden lassen! Was auch kommt, so lange wir es zusammen angehen mache ich mir wenig Gedanken!

In 7 Tagen ist es dann soweit – wir starten zusammen in Arnsberg (ob wir auch am Ende noch zusammen laufen wird man sehen :))!

„Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ Hermann Hesse

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http://www.traildorado.com

Schritt für Schritt

Und dann kommt der Tag doch! Selbst ausser Gefecht ans Sofa gefesselt bleibt doch die Webseite mit den Liveresultaten immer offen und das Schicksal der Läufer im Kopf. Beim Blättern zwischen den verschiedenen bekannten Namen, den befreundeten Läufern und denen von deren Namen man schon gehört hat, gelten die Gedanken doch allen Läufern die gerade in Berlin unterwegs sind. Diese Verbundenheit zu allen die unterwegs sind, zu allen die sich aufgemacht haben diese lange Strecke zu bezwingen und die unabhängig von ihren persönlichen Zielen einfach darauf hoffen anzukommen um sich damit sicher einen Traum zu erfüllen ist genau das was das Laufen auf den langen Distanzen ausmacht. Auch wenn mir diese Länge unbekannt ist, hoffe ich einfach das ihr alle ein ähnliches Gefühl wie ich in Kopf und Bauch habt, das euch antreibt und euch die Ziellinie sehen lässt. Am Start ist es dominiert von Freude, Demut und der Hoffnung das nicht zuviel Unvorhersehbares dazwischen kommt. Mit jedem Schritt in Richtung Ziel wird diese Hoffnung dann ganz langsam umgewandelt in die Gewissheit, dass es was werden könnte gepaart mit einer großen Dankbarkeit dafür das es doch immer noch einen Schritt weiter geht! Egal was zwischendrin auch passiert – kommt heile an und genießt es so gut wie möglich!