Helipad 2018

Endlich mal wieder zu Dritt unterwegs. Also das erste Mal seit Mittwochmorgen. Eine gefühlte Ewigkeit von fast 74 Stunden hatten wir uns nicht gesehen. Die 111 gemeinsamen Kilometer vom Hollenlauf von vor ungefähr einem Jahr wollten getoppt werden. Überhaupt sollte es Jacky´s längster Lauf ever werden. Warum sie immer wieder mit uns Eseln unterwegs sein mag – wer weiß das schon…

Jacky und die zwei Esel

Die Aufgabe war laufend von Kerkrade nach Kerkrade zu gelangen. Aus nicht näher bekannten Gründen führte der GPS-Track dabei weit durch das Limburger Land, durch  Eupen, Vaals und Herzogenrath. Ob man auch kürzer von Kerkrade nach Kerkrade gelangen kann ist nicht überliefert. Die Anreise aus Aachen wahr sehr angenehm und kurz. Jacky und den VPsucher eingesammelt und eine halbe Stunde später schon bei der niederländisch/belgische Lauffamilie angekommen. Viele der Leute die beim LEO180 dabei waren oder ihn unterstützt haben sowie viele weitere bekannte Gesichter gab es zu begrüßen. Nach viel zu viel Kaffee (für Jacky und mich) gab es einen pünktlichen Start um 09:22 Uhr (quasi um 09:00, bloß dass das Briefing und die Begrüßung einfach ohne Stress abgelaufen sind).

Da wieder live-Tracking angesagt war, sind dann alle schnell mit ihren Treckern los gerannt:

Trecker vom VPsucher

Trecker vom VPsucher

Die Strecke  entpuppte sich als wunderbar abwechslungsreicher Ausflug durch die Drei-Länder-Gegend. Mal Trail, mal Weg und mal Asphalt – vieles davon gut laufbar. Und sogar eine Halde zum Klettern bei km 135 gab es. Perfekt.

Was noch viel schöner war: unser 3er-Team hat sehr gut funktioniert. Wenn es Tiefs gab, wurden sie klein gescherzt und weggefuttert. Insgesamt sind wir aber alle Drei gut durchgekommen und haben nur minimal gejammert (Jacky und ich).

Ein weiteres Highlight waren die Verpflegungspunkte unterwegs – vielen Dank an Veranstalter und Supporter!

VP1 KM 25: an apple a day…

VP3 KM 73 – geniale Hühnersuppe!: eigentlich könnte man hier ein paar Stunden bleiben…

Zwischendrin waren wir noch die Party-Crasher beim X-Run Trail in Irgendwo. 8 km Trail klang auch sehr verlockend:

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Manchmal waren die Beine etwas flabberig…

… und wir haben uns gefragt, ob das alles wirklich so sinnig ist. Aber doch: bestimmt!

Insgesamt ein tolles Event mit all den Verrückten.

Am Ende waren 148 km auf der Uhr und wir sind unter 22 Stunden geblieben! Kann man so stehen lassen.

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
21:41:16 19:09:49 148.13 6.83 20.88 2,685.00
hours hours km km/h km/h meters

Wir freuen uns (alle 3) schon auf die 100 Meilen-Ausgabe von 2019!

Ich mag mich täuschen – aber es kann sein, dass die Sonne hier gerade unter geht.

***LIVE HELIPAD 2018***

Endlich mal wieder mit guten Freunden unterwegs – die Saison beginnt jetzt so richtig!

143 km durch das schöne Limburger-, Ostbelgische- und Aachener-Land!

Und dann auch noch mit Live-Tracking:

http://helipad2018.legendstracking.com/

Viel Spaß!

Unser Motto ist: „Start easy – finish strong“!

Vorwort

Laufen ist etwas Elegantes. Hat viel Anmut und Lebensfreude. Schlägt man das Internet, die Bücher oder auch die Hochglanzmagazine auf sieht man sie lächeln. Beim Laufen. Sie schweben über die Landschaften hinweg, bezwingen endlose Täler, die höchsten Höhen, die heißesten Wüsten und das ewige Eis. Sie brechen Geschwindigkeits- oder Weitenrekorde als sei es nichts. Wanderwege werden zu Rennstrecken, tausende Kilometer glänzen und strahlen in wunderbaren Dokumentationen. Die Kameras begleiten sie auf Schritt und Tritt und halten das Unmögliche fest. Zeigen auch kleinere Momente wo es mal nicht so läuft, aber dann kommen wieder Phasen, wo das Laufen zum Fliegen wird. Die letzten 100 Kilometer einfach weggelächelt werden. Sie durchlaufen die Zielbanner dieser Welt und freuen sich. Geben Interviews, küssen Felsen oder Füße von Statuen. Sie sind die Unbesiegbaren. Sie zeigen wie einfach es ist. Sie laufen und sie lächeln immerzu.

Es ist irgendwann im Mai 2016, irgendwo in Duisburg an einem Samstag Nachmittag um kurz vor 5 Uhr. Vor mir liegen 50 m Asphalt bis zur nächsten Kurve, 50 m hinter mir turnt der VPsucher mit unserem vielköpfigen Support-Team rum. Ich mache mir keine Illusionen – sie haben mich vorgehen lassen und hoffen, dass wir etwas voran kommen. Es ist das Ende. Ich kann nur noch in Abständen von 50 m denken. Jede Bank am Weg wird genutzt. Das Aufstehen wird immer schwerer und erscheint immer unnötiger. Vor allem mental ist das absolut über dem Machbaren. Es war ein schöner Lauf bis vor einigen Stunden die Erschöpfung zu schlug. Gestartet noch mit den Gedanken an den Zieleinlauf im Kopf und den treibenden Glücksgefühlen die damit verbunden waren in den Beinen ist es nach und nach zu einem Laufen um des Laufens Willen, einem Laufen für und mit der Crew, einem Laufen gegen die Erschöpfung und schließlich einem Lauf geben mich selbst geworden. Und die Erschöpfung hat dann doch gewonnen. Das gilt es zu akzeptieren. Und da ist es – ein Auto unseres Teams. Ich stolpere hin und lasse mich auf den Beifahrersitz fallen. Das wars. Genug ist genug und ich habe mir nichts vorzuwerfen. 156 km mehr oder weniger gelaufen – die 100 Meilen sollten nicht sein. Es ist zwar nicht sonderlich kalt, doch ich friere und alles schmerzt. Nach 23 Stunden unterwegs schließe ich die Augen.

Was ich genau in diesen Momenten (oder waren es Stunden) gedacht habe ist längst verdrängt. Aber wenn die Enttäuschung über die Aufgabe des Rennens schwächer ist als die Erschöpfung kommt es halt genau so. Viele ermunternde Dinge werden mir in diesem Moment erzählt – letzte Versuche mich zum Weitermachen zu bewegen. Die Crew und der VPsucher stehen nutzlos rum. Das wars dann also. Die Nummer von Jens steht ja auf unseren Armbändern. Anrufen und raus. Nichts leichter als das. Draussen wankt ein weiterer Läufer vorbei. Einer der 230-km-Startern. Sieht überhaupt nicht gut aus.

Ich öffne die Tür und stelle mich hin. Alles tut irgendwie weh – am schlimmsten ist aber doch das mentale Tief. Ich denke einen kurzen Moment daran: es wären nur noch 5 km bis ins Ziel. In 50 m Abständen denkend aber viel zu weit. Ich gehe einige wenige Schritte zum VPsucher und unseren Supportern. Mein Plan ist nach diesen 10 m wieder stehen zu bleiben. Aber ich gehe wortlos weiter. In richtiger Richtung auf der Strecke. Ich hasse mich dafür. Langsam macht sich Verwunderung bei den anderen breit und man beginnt mir zu folgen. Ich fange an zu laufen. Ein allerletztes Mal. Das Team scheint sich darüber zu freuen. Ich kann so etwas wie Freude nicht mehr verarbeiten. Ich konzentriere mich nur auf eine einzige Sache: weiter. Tatsächlich laufen wir knapp 4 km der verbleibenden 5 km. Und dann ist dort tatsächlich das Ziel. Einfach nur hin. 23 Stunden und 52 Minuten. Diese ersten 100 Meilen werden unvergessen bleiben.