SHBM 2019 – Schneisengenuss

Die Jäger haben sinngemäß gesagt wir hätten uns aber eine komische Zeit und Strecke zum Laufen ausgesucht. Sie selbst würden jetzt ja Feierabend machen. Gut, dass sie keine Ahnung hatten, was wirklich auf dem Plan stand.

Es war der zweite SHBM (Strongheart Braveman Challenge) vom Vilvo. Wie bei der Lauf-Premiere im letzten Jahr war das Teilnehmerfeld gerade noch überschaubar. Alle kannten sich und so konnte halbwegs pünktlich und ohne viel Gequatsche um 1930 von dem sehr schönen Parkplatz irgendwo an der B399 gestartet werden. Nach beschriebener Begegnung mit zwei Jägern hatte ich das „Problem“ anderen Menschen zu begegnen erledigt. Zumindest auf der Lauf“strecke“.

Die Strecke ist im Bericht von 2018 ganz gut mit einigen ihrer Besonderheiten beschrieben und gelistet. Dem ist hinzuzufügen, dass wir beide dieses Jahr den Eindruck hatten es ist noch unwegsamer geworden. Interessante neue Baumfällarbeiten sowie ein leicht matschiger Untergrund haben sicher dabei geholfen diesen Eindruck zu bestätigen. Keine Beschreibung kann die Realität wirklich treffend beschreiben – „lauft“ nächstes Jahr „einfach“ mit und erlebt es selbst.

Es war wohl also gut, dass ich quasi direkt von der Arbeit aufgebrochen bin und keine Zeit mir groß Sorgen oder Gedanken im Vorfeld zu machen. Keine Vorbereitung ist eine gute Vorbereitung in diesem Fall.

Insgesamt ist der „Lauf“ gerade wegen aller Begleitumstände ein absolutes Highlight. 54 km die absolut nicht zu unterschätzen sind. Brutalwandern deluxe auf vielen Streckenabschnitten. Ein Königreich für 4 bis 5 km/h. Sich zeitliche Ziele zu stecken macht überhaupt keinen Sinn – nach den ersten Kilometer ist das Makulatur. Die Zeit wird irrelevant, die Geschwindigkeit auch. In der dunklen Nordeifel verschwimmen die Täler, die Hänge, die Kämme, die Bäche und die Talsperre zu einer Art Abnutzungskampf der besonderen Art.

Es war wieder eine Mischung aus Brutalwandern extrem und Rumstolpern deluxe. Eine Lektion in Demut: wie schafft man es zu akzeptieren, dass diese 54 km einen mehr fordern werden (11h35m) als viele der längeren Strecken, wie schafft man es zu akzeptieren, dass es wirklich nur Schritt für Schritt vorwärts geht, wie kommt man mit diesem Gefühl zurecht, sich mitten in einer endlosen Wüste aus Hindernissen zu befinden und zu wissen – mitten durch ist der Weg. Wenn sich zwei Experten in Sachen Navigation und Orientierung mehrfach ratlos anschauen und Karten und GPS Geräte zücken müssen, sagt das schon alles.

Danke für die erneut extreme Erfahrung, Stefan! Ein einschneisendes Erlebnis im wahrsten Sinne dieser Worte. Wers nicht glaubt – hier kommt das Video von Stefan:

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NordEifelUltra 2019: for the beauty of it!

Es gibt so Tage da weiß man morgens um 0300 Uhr schon: wird groß. Wie schon so oft ging es am zweiten Wochenende im Januar nach Düren zum NEU vom Vilvo.

Draußen während der frühen Morgenstunden auf dem traditionell gering besuchten ersten Teilstück des NEU von Aachen nach Düren gab es schon das erste Zeichen: der VPsucher hat sich eine JACKE angezogen. Und länger als 5 Minuten anbehalten. Warum wir nicht direkt umgedreht sind (hatten wir doch die 0300 Uhr für die BtR bzw. NRW Challenge schon in der Tasche) – es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Es lief auf diesem Teilstück noch viel mehr schief. Hoffen wir der VPsucher hat die Bilder auf seiner Kamera gelöscht.

Immerhin waren wir aus Versehen zu früh angereist und hatten so noch Zeit für ein paar Runden im Park bevor es zum Treffpunkt der Menschen mit den Regenschirmen ging. Insgesamt 11 Idioten starteten dann auf die 56 km Strecke in der Nordeifel. Dass es dann auch noch Menschen gab, die uns bei diesen Bedingungen mit dem Auto hinterher gefahren sind und uns mit den üblichen Köstlichkeiten sowie Heiß- und Kaltgetränken versorgt haben: es war zu schön und doch so wahr. Unsere Hochachtung!

Mit diesem Tag ist uns wieder vor Augen geführt worden wie elegant und wundervoll dieser, unser Sport doch ist. Er gleicht mehr einem Schweben über warme und trockene Ebenen. Er ist wie eine warme Brise auf der sonnenbeschienen Haut.

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SHBM 2018 – ein echter Vilvo

Oha. Ich meine: echt jetzt? Was war das denn? Ok, es war nach langer Zeit mal wieder ein Lauf mit Vilvo. Vielleicht bin ich einfach schwach geworden. Dazu kam – ich war denkbar schlecht vorbereitet. Ich hatte zwar die Ausschreibung für den „Stronghearted Brave(wo)men“ überflogen, mir aber die Videos zu dein beiden Einzelstrecken nicht wirklich angeschaut. Die Videos der Tag-Varianten hätten mich sicherlich besser vorbereiten können.

Nun ja – nichts zu machen. Nach der Arbeit schnell umgezogen, etwas Wasser in den Rucksack und die Stirnlampe auf. Es sollte ein recht teilnehmerschwacher Lauf werden. Genau genommen standen nur Stefan und ich auf dem Parkplatz „Drei-Kaiser-Eichen“ an der Jägerhausstraße zwischen Raffelsbrand und Zweifall um 1930 Uhr bereit. Die Nacht vor dem Feiertag galt es zu nutzen. Und wie das gelungen ist.

Das Wetter war stabil und ideal zum Laufen. Um die 10 Grad Celsius und lediglich auf den seltenen freien Stücken etwas zugig. Die Strecke war als „acht“ angelegt. Der Parkplatz als zentrales Element auf dem Verbindungsstück zwischen den beiden Trails: „High Noon am Glockenofen“ und „High Noon am Jägerhaus“ gelegen konnte damit nach 27,5 km der postulierten 51,5 km als kurze Verschnaufpause und Nachfüllstation verwendet werden. Sehr praktisch. Zu viel zur Strecke sei an dieser Stelle nicht gesagt. Das Video von Stefan wird sicher nachher alles Gesehene in den Schatten stellen und genug verdeutlichen was da wirklich passiert ist in diesen über 10 Stunden. Es waren einige wenige laufbare Passagen dazwischen und trotzdem war nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 5 und 6 km/h möglich. Wunderbare Trails waren zu laufen – teilweise neu und teilweise bekannt. Die Kombination der Laufgegenden im Kopf des Pfadsucher hat das Bild der Gegend und den Horizont in jedem Fall erweitert. Reden müssen wir aber über die gefühlt mindestens anderen 50 % der Strecke. :D. Wir hatten es mit „Wegen“, „“Wegen““ und „““Wegen“““ zu tun. Und mit „“““WEGEN““““. Unfassbar. Alles ab „“Wegen““ darf für den Otto-Normal-Trailer getrost als querfeldein verstanden werden.

  • Minutenlang in 2-Meter-hohem Farn regelrecht festgesteckt. Nachts. Im Nichts.
  • Minutenlang in 2-Meter-hohem Farn mit 1-Meter-hohem versteckten Brombeergebüsch festgesteckt. Die Beine mit einem Ruck dort heraus zu ziehen – unbezahlbar.
  • Halb-Stunden-lang durch mit hohem Gras bewachsene, von Wildschweinen und schwerem Gerät bearbeitete Waldschneisen gekämpft. Bei jedem Schritt war die Bodenhöhe um 0,5 bis 1 Meter unterschiedlich. Bei JEDEM Schritt. Besonders erfreulich waren die umgestürzten und eingewachsenen (versteckten) Bäume und Äste. Wenn man da mit Wucht zwischen die Zweige tritt und dann hüfthoch im Baum steht – genial. Ein Königreich für 3 km/h.
  • Endlose Weiten von Chaos und halb-bewusstlosem Vor-Sich-Hin-Stapfen. Muss man einfach lieb haben solche „Zustände“.

Es hat wirklich sehr viel Freude gemacht. Wir haben uns gut verstanden und genossen etwas genießen zu können, von dem 99,9 % der Menschen und 99 % der Läufer einfach nur entsetzt wären. Insgesamt war es für den Kopf dann oft sehr kompliziert und eine gute Übung für die mentale Stärke. Auch wenn man sich zwischendurch so fühlt als befände man sich mitten in einem Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spiel mit nur einer Figur und es gibt keine Zielfelder in der eigenen Farbe. Und auf dem Würfel sind nur Einsen. Und man wird dauernd rausgeworfen. Man muss stets versuchen das Positive sehen.

Die Wenigsten werden dieses Erlebnis haben. An manche Stellen der Strecke wird nur höchst selten überhaupt ein Mensch gelangen. Danke Vilvo für diese eindrucksvolle Nacht.

Salamander-Taktik: still sitzen bleiben – vielleicht geht es von selbst vorbei!

Falsche Richtung!

Die Strecke im Detail:

 

Die Daten des Laufs: anders als die Fenix 2 es Strava glauben machen will – es waren zwischen 54 und 55 Kilometer und wir waren 10h15min unterwegs. Haben uns also zu einem bravurösen 5,X km/h Schnitt durchgekämpft. Klingt einfach, war es aber nicht.

WP Strava ERROR 401 Unauthorized - See full error by adding
define( 'WPSTRAVA_DEBUG', true );
to wp-config.php

Und hier ist das Video:

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NordEifelUltra 2018 (mit Hinweg)

Wie schon im Jahr 2016 hatten wir uns auch letzten Sonntag für die etwas längere NordEifelUltra-Variante entschieden. Das wir mit den Jahren beträchtlich langsamer werden, sieht man deutlich am geänderten Plan: statt wie damals erst zur doch recht humanen Uhrzeit von 0430 in Aachen loszulaufen, ging es in diesem Jahr, wie schon beschrieben, pünktlich um 0407 los. Dafür gab es deutlich weniger Regen auf dem 38 km-Hinweg als 2016 – es war allerdings ähnlich dunkel. Auch die Anzahl der Teilnehmer für diese spannende NEU-Variante blieb merkwürdig konstant bei zwei. Manche Dinge bleiben ein Mysterium.

In Düren sind wir dann tatsächlich um 0845 (und damit die matschige Vierteln Stunde vor dem eigentlichen Start) eingetroffen – als hätten wir es geplant – und haben dort die anderen 14 Teilnehmer und unseren Gastgeber Stefan getroffen. Die Taktik für die ersten paar Stunden war für uns klar: in der Gruppe verkriechen, uns nichts anmerken lassen und uns etwas erholen. Die 56 km NEU-Strecke durch die Eifel war wieder einmal sehr schön. Da es mittlerweile unser vierter bzw. fünfter Start war ist die Runde zudem mittlerweile so vertraut, dass es kaum mehr Erläuterung zur Streckenfindung bedarf. Wieder einmal wurden wir liebevoll und fürsorglich von Ursula und Konrad verpflegt. So konnte man sich, wenn es mal etwas anstrengender wurde, immer auf die super leckeren Rosinenschnecken und den Kaffee am nächsten Stopp am Auto freuen. Oder auf eine andere der vorhandenen Leckereien.

Die Gesellschaft und die Gespräche waren wie immer vorzüglich. Alle 17 von uns sind auch wohlbehalten wieder in Düren angekommen. Die Laufzeit betrug 8:14 h. Stefan hat auch dieses Mal die Momente zwischendrin genutzt und hat ein schönes Video vom Lauf gezaubert. Und auch der Flussläufer Jörg hat bei seinem neuen Start unterwegs ein paar Bilder und Worte aus dem Matsch gezogen. Vielen Dank an Stefan und seine Eltern – es war wieder ein toller Tag in der Nord-Eifel!

Für uns standen am Ende mit Hinweg genau 13 h mit 96 km auf der Uhr – ein schöner Jahresbeginn! Und auch der Rur konnten wir schon das erste Mal in 2018 „Hallo und bis bald“ zurufen.

Durch den Sturm Anfang des Jahres hat es doch einige Bäume erwischt und so sah der NEU an einigen Stellen recht kahl aus:

NETT & Jeck

Einen Tag nach dem erfolg- und essensreichen „mAMa reloaded“ war der Hunger groß und die Füße und Beine waren verwöhnt. Struppi hatte Lust auf mehr! Was könnte es da besseres geben als den NETT & Jeck – einem wunderbaren Traillauf durch die Nordeifel, der seinem Namen alle Ehre macht. Um die Spannung rauszunehmen: Einen VP gab es auf diesen schönen Trails durch die Nordeifel leider nicht. Aus dieser Sicht hat sich die Anreise nicht gelohnt – aber das haben wir ja schon vorher vermutet und deshalb unsere Rucksäcke gut gepackt mit Brötchen, Nüssen, Schokolade, Riegeln, Bananen, Pferdemaske und Tuschmaschine: Was man eben so am Karnevalsonntag gebrauchen kann, wenn man mit dieser Truppe unterwegs ist. Bereits am Vortag zeichnete sich ja ab, dass wir wieder mit den üblichen Verdächtigen unterwegs sein würden:

Ein sehr nettes Trüppchen, mit dem es sich in wunderbarer Atmosphäre laufen und durch den Matsch waten ließ. Nach dem mAMa hatte ich da ein hübsches Bild von gemütlichen Waldwegen, trockenen Füßen und dem einen oder anderen laubbedeckten Pfad im Kopf. Aber der Vilvo lässt sich nicht lumpen und zeigt mit seinen Jahren der Trailerfahrung, dass wir noch einiges zu lernen haben: Auch an diesem trockenen Tag hatte der NETT & Jeck noch mehr Schlamm zu bieten als der mAMa und auch was die schönen, ehemaligen Trails (manche würden wohl hinzufügen ‚aktuellen Brombeerfelder‘) angeht, hat der Lauf einiges zu bieten. Wo die mAMa Lust auf mehr gemacht hat, da hat der NETT & Jeck geliefert.

Man weiß, dass man auf gutem Weg ist, wenn selbst der Vilvo sich fragt, wo denn nun der Weg sein könnte:Mittel-Nett_Jeck_2016_15

Danke für einen weiteren tollen Lauf, Stefan. Danke an alle, die zur tollen Atmosphäre am Narrenwochenende beigetragen haben. Täätäääää! Es sind diese kleinen, wunderbaren, versteckten Läufe, die fernab von jedem Trubel in einer großen, herzlichen, eingeschworenen Familie stattfinden, die das kompetitive Futtern zu etwas machen, das Kraft, Ruhe und Gelassenheit schenkt.

Ein paar Bilder und natürlich das obligatorische Video gibt es auch bei Vilvo, der es bestens versteht, Wege und Schuhwerk aufeinander abzustimmen. 🙂