***LIVE*** Erft

Wir sind mal wieder unterwegs. Haben uns im Zug geirrt und sind in Neuss wieder ausgestiegen. Fun fact: hier in der Nähe mündet die Erft in den Rhein. Wir werden also mal schauen wo die Erft so herkommt. Weil wir gerade nichts anderes zu tun haben. Das wird sicher bis morgen dauern. Wir wünschen eine angenehme Nacht zu haben. Wir joggen  dann mal los…


Erft – 121 km – Neuss—Nettersheim

https://www.gpsies.com/map.do?fileId=kujfpfyrsuvgikdi

 

Die Leichtigkeit des Seins.

Es ist eine schöne Stelle. Man tritt nach dem langen Trail des Külfs das erste Mal wieder so richtig aus dem Wald heraus. Auch die längste Dunkelheit weicht in diesem Moment. Der erste Teil der Straße bergab führt zwar noch durch Bäume, doch dann erreicht man das Feld. Es wird wieder etwas heller und die Weite ist zurück. Befreiend nach den engen Kilometern davor. Befreiend und entmutigend. So weit noch zu laufen.

Jedes mal frage ich mich, warum das Gras so hoch steht auf diesem Weg. Es ist unfassbar anstrengend sich dort durch zu kämpfen. Und immer ist es nach der Nacht noch nass. Am anderen Ende wartet dann aber endgültig der Asphalt. Seicht bergab bis zur Straße. Und hinter dieser Straße ist der VP. Mir ist leicht ums Herz. Es ist vorbei. Die Entscheidung steht eigentlich schon seit Stunden. Es war natürlich Unsinn, den schwersten Trail des Laufes noch mitzunehmen – aber ich wollte es dann doch durch die Nacht schaffen. Das Licht wiedersehen und den 24 Stunden nahe kommen. In der Ruhe dieses schönen Morgens ist es dann leicht zu sagen: es ist genug. Für ganz bis zum Ende hat es dieses Mal nicht gereicht und das ist völlig ok.

STUNT100 2018 – weites Land!

Diesen Kilometer bergab denke ich an nichts anderes als an den warmen Kaffee dort unten, an ein paar Stunden Schlaf und auf die Freude meine tapferen Kameraden dann frisch geduscht im Ziel begrüßen zu können. Erschöpft lasse ich mich in den Campingstuhl sinken – es ist ja das letzte Mal für heute. Der Kaffee schmeckt hervorragend. Und die Erschöpfung darf jetzt voll zuschlagen. Es gibt ja nun nichts mehr zu tun. Ich verabschiede meine treuen Kameraden. Wir hatten tolle 24 Stunden zusammen in den Wäldern und Feldern rund um Sibbesse. Aber es ist Zeit Abschied zu nehmen und es ist schön zu sehen, wie sie wieder anlaufen – ihren Finisher-Sternen entgegen. Hansi ruft an und spricht kurz mit Karsten – irgendwas tut sich im Ziel: die Sieger nähern sich. Der zweite Kaffee schmeckt wunderbar.

STUNT100 2018 – nichts für Ungelenkige

Aber wo bleibt die bleierne Müdigkeit? Warum wird der dumpfe Schmerz im System nicht wie sonst am Ende des langen Laufens größer? Ich schaue auf die Hügelkette voraus. Dahinter liegt Sibbesse. Das Ende von Runde 3 und, nach weiteren 21 km, das Ende des Rennens. Sollte die Antwort tatsächlich erst dort liegen? Ich stehe auf. Es tut nicht weh und geht einigermaßen flüssig. Ich greife nach meinem Rucksack. Ein seltsames Gefühl. Zeit zu gehen.

STUNT100 2018 – Leave a light on!

Am vergangenen Wochenende war es wieder mal Zeit für den STUNT100. 100 Meilen mit einigen Höhenmetern in den Hügeln rund um Sibbesse. Nach zwei Finishs in den den letzten beiden Jahren 2016 und 2017 ging es dieses Mal für den VP- und den Pfadsucher um das Triple – um den dritten Stern.

Der dunkle, dunkle Turm!

Es gibt dem was im Live-Ticker von Hansi zum STUNT100 2018 geschrieben wurde kaum etwas hinzuzufügen. Es war dieses Jahr ein etwas spannenderer Lauf als in den letzten beiden Jahren – in gewohnt fantastischem Umfeld. Das was an Helferleistung und Helferherzblut in dieses kleine Event gesteckt wird ist unerreicht. Jeder Verpflegungspunkt, jede Begegnung mit einem Helfer ist direkt ein schönes Erlebnis was man nicht missen möchte. Wenn es so etwas wie die Ultrafamilie wirklich gibt – am DUV-Stützpunkt in Sibbesse ist sicher eins ihrer Basislager.

Wir haben es tatsächlich geschafft zu viert in 29:38:00 Stunden das Ziel gemeinsam zu erreichen. Der erste Stern für Jacky, der zweite für Frank  und der jeweils dritte für den VP- und den Pfadsucher. Das soll uns erst einmal einer nachmachen. Oft hatten wir sogar Spaß dabei dort draußen bei den lieben Helfern und in der wunderbaren Landschaft mit den vielen netten Trails und Wegen!

Und sonst?

Elegant schwebten wir über die Trails. Stets mit erhobenem Kopf und leichtem Schritt.

In den dunklen Momenten sind die Hilfe und die netten Worte der Menschen, die mit dir durch dick und dünn gehen oft fast zu viel. Zu nah und zu direkt. Erst in den Momenten mit sich allein und angesichts des schon beschlossenen Endes entwickelt sich ein anderer Blick auf die Dinge. Das ist unfair gegenüber den Leidensgenossen aber absolut nicht böse gemeint. Es ist die Flucht in die Einsamkeit. Am Ende muss man es dann nämlich doch mit sich selbst ausmachen, mit sich ringen, mit sich selbst die Gründe erörtern und entweder schafft man es sich in dieser Argumentation zu schlagen oder man bleibt sitzen und gibt wirklich auf. Der Pfadsucher hat sich dafür entschlossen seinen Freunden zu folgen und hat sie auf dem Pfad zum dritten Stern wieder einholen können.

Sonnengewärmter Stahl

When lonely days turn to lonely nights
You take a trip to the city lights
And take the long way home
Take the long way home

Supertramp

Auf den Wegen die wir wirklich lieben könnt ihr uns nicht folgen. Zu den langen Strecken brechen wir oft zu unmöglichen Zeiten auf und bewegen uns auf „Wegen“ die eine Fahrrad- und oft auch eine Laufbegleitung unmöglich oder unzumutbar machen. Selten werden wir mit GPS-Sendern versehen und oft ist an Mobilfunk und mobile Daten nicht zu denken.

Wir verschwinden einfach und tauchen nach einer nicht absehbaren Zeitspanne zerkratz, blutend, müde aber lächelnd wieder auf. Wir wissen, das ist schwer zu verstehen. Auch unsere Berichte klingen oft unglaubwürdig. Das wir uns zwischendrin im Paradies befinden klingt unrealistisch. Die laute Stille nachts im Wald, die Wiesen im Morgentau, das letzte Licht des Tages, die ersten Strahlen der Sonne am Morgen, die warmen Steine, der duftenden Waldboden… Da draußen liegt die unendliche Schönheit dieser Welt.

Es ist Pfingstsonntag 2018. Irgendwann zwischen 10 und 19 Uhr. Irgendwo auf dem Ruhrtalradweg. Es ist in der Zwischenzeit viel zu warm geworden – zumindest im Vergleich zu den ersten 24 Stunden. Die Sonne brennt von oben. Der Radweg ist voll, dauernd gehen die Klingeln und ständig wird ausgewichen. Der Asphalt ist warm, die Bänke besetzt – das muss sie sein. Die Hölle, von der immer alle reden.

Von hinten kommt die Ansage: „Wasser“. Zwei Räder kommen nach vorne. Der VPsucher nimmt seine Flasche entgegen und auch ich bekomme meine gereicht. Kurze Konzentration, ein tiefer Zug lauwarmes Wasser, Flasche abgeben und das wars. Ein ewig gleiches Spiel. Seit Stunden. Jedes Mal stelle ich mir die Wassermenge vor, die ich schon getrunken haben muss. Man ist doch erstaunlich gut versorgt an diesem schlimmen Ort.

Unsere Crew leistet Unfassbares. Unterhält uns wenn es passt und, mindestens genau so wichtig, lässt uns (mich) in Ruhe, wenn es nötig erscheint. Fährt zwei Autos und zwei Fahrräder die Ruhr runter, wechselt Reifen, versorgt sich und alle unsere Crew-Gäste bestens, kauft Wasser nach, liest uns unsere Wünsche von den Augen ab, kämpft sich durch den Verkehr, packt das Auto ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus. Und es funktioniert fantastisch. Gerade in den harten Phasen greift alles ineinander – ein perfekt funktionierender Motor. Das war ein sehr besonderes und erhebendes Erlebnis für uns!

Eigentlich ist es also doch alles gar nicht so schlimm wie es scheint.

Gar nicht so schlimm!

Und dann noch das: wir (und das schließt mich mit ein) laufen immer wieder längere Strecken. Zwar langsam, aber beständig. Sowohl diesseits als auch jenseits der 200 km. Warum hat denn niemand gesagt, dass das alles so einfach ist. Nein, im Ernst: es ist anstrengend, ja, aber es ist auch möglich und es geht voran. Ein wichtiger Sieg über mich selbst. Das Gefühl war bisher noch nie so klar da und es fühlt sich gut an. Dieses Mal wird es ein gutes Ende nehmen. Keine großen Zweifel, kein Auto 6 km vor Schluss, kein Bangen und kein Zittern. Auch wenn ich nach dem Auto gerufen habe war das eher ein Zeichen dafür, dass der Humor diesmal ebenfalls durchhalten würde und eine Warnung an das Rheinorange: sometimes we have to win too! Ich war mir tatsächlich schon am Samstag Morgen recht sicher, dass es gehen wird – und das war auch ein neues Gefühl.

Ruhr226 😀

Trotz der Unannehmlichkeiten die 35 Stunden Laufen so mit sich bringen sind die letzten Kilometer wunderbar. Wie der ganze Lauf eigentlich. Das nimmt uns keiner mehr. Viele von euch wollten informiert werden, haben mitgefiebert, waren vor Ort und haben geholfen. Wir hoffen euch das Ultralaufen etwas näher gebracht zu haben – mit allem was dazu gehört. Das Ding war für euch!

Auf dieser Strecke wird es kein Wiedersehen mit uns geben. Sehr viele Ziele und Träume sind erreicht und in Erfüllung gegangen – sowohl für uns als auch für einige aus dem Team. Damit ist das auch ein Abschied. Wir konnten das Wochenende genießen und es wird für immer eine schöne Erinnerung bleiben, aber unser Spielplatz ist „dort draußen“. Fern vom heißen Asphalt.

Und was denkt man dann so mit einem kaputten Kopf neben den überwältigenden Emotionen in DEM Moment?

Aha – der Stahl ist ziemlich warm!

Wir verbeugen uns vor:

Henk & Helmut (wir hoffen die Papa´s sind ein wenig stolz – wir haben es für euch zu Ende gebracht), Maren & Martine (ihr habt fantastisch für uns gekämpft), Alex, Steffen & Rainer (klasse, dass ihr zu uns gestossen seid), Barbara & Klaus (für uns wie für die Crew eine super Unterstützung), allen Teilnehmern (hat sehr viel Spaß gemacht viele von Euch, ob vorher bekannt oder nicht, zu treffen und ein paar Momente miteinander zu teilen), Crews (super Stimmung unterwegs) und dem Orga-Team!

Niemals ohne mein Team!

 

Helipad 2018

Endlich mal wieder zu Dritt unterwegs. Also das erste Mal seit Mittwochmorgen. Eine gefühlte Ewigkeit von fast 74 Stunden hatten wir uns nicht gesehen. Die 111 gemeinsamen Kilometer vom Hollenlauf von vor ungefähr einem Jahr wollten getoppt werden. Überhaupt sollte es Jacky´s längster Lauf ever werden. Warum sie immer wieder mit uns Eseln unterwegs sein mag – wer weiß das schon…

Jacky und die zwei Esel

Die Aufgabe war laufend von Kerkrade nach Kerkrade zu gelangen. Aus nicht näher bekannten Gründen führte der GPS-Track dabei weit durch das Limburger Land, durch  Eupen, Vaals und Herzogenrath. Ob man auch kürzer von Kerkrade nach Kerkrade gelangen kann ist nicht überliefert. Die Anreise aus Aachen wahr sehr angenehm und kurz. Jacky und den VPsucher eingesammelt und eine halbe Stunde später schon bei der niederländisch/belgische Lauffamilie angekommen. Viele der Leute die beim LEO180 dabei waren oder ihn unterstützt haben sowie viele weitere bekannte Gesichter gab es zu begrüßen. Nach viel zu viel Kaffee (für Jacky und mich) gab es einen pünktlichen Start um 09:22 Uhr (quasi um 09:00, bloß dass das Briefing und die Begrüßung einfach ohne Stress abgelaufen sind).

Da wieder live-Tracking angesagt war, sind dann alle schnell mit ihren Treckern los gerannt:

Trecker vom VPsucher

Trecker vom VPsucher

Die Strecke  entpuppte sich als wunderbar abwechslungsreicher Ausflug durch die Drei-Länder-Gegend. Mal Trail, mal Weg und mal Asphalt – vieles davon gut laufbar. Und sogar eine Halde zum Klettern bei km 135 gab es. Perfekt.

Was noch viel schöner war: unser 3er-Team hat sehr gut funktioniert. Wenn es Tiefs gab, wurden sie klein gescherzt und weggefuttert. Insgesamt sind wir aber alle Drei gut durchgekommen und haben nur minimal gejammert (Jacky und ich).

Ein weiteres Highlight waren die Verpflegungspunkte unterwegs – vielen Dank an Veranstalter und Supporter!

VP1 KM 25: an apple a day…

VP3 KM 73 – geniale Hühnersuppe!: eigentlich könnte man hier ein paar Stunden bleiben…

Zwischendrin waren wir noch die Party-Crasher beim X-Run Trail in Irgendwo. 8 km Trail klang auch sehr verlockend:

Manchmal waren die Beine etwas flabberig…

… und wir haben uns gefragt, ob das alles wirklich so sinnig ist. Aber doch: bestimmt!

Insgesamt ein tolles Event mit all den Verrückten.

Am Ende waren 148 km auf der Uhr und wir sind unter 22 Stunden geblieben! Kann man so stehen lassen.

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
21:41:16 19:09:49 148.13 8:47 2:52 2,685.00
hours hours km min/km min/km meters

Wir freuen uns (alle 3) schon auf die 100 Meilen-Ausgabe von 2019!

Ich mag mich täuschen – aber es kann sein, dass die Sonne hier gerade unter geht.

I run 531!

Das war doch mal ein schöner Ausflug zum Abschluss des Märzes 2018. Von St. Andreasberg in Richtung Brocken.

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
05:17:38 04:57:29 37.25 7:59 2:49 1,033.00
hours hours km min/km min/km meters

Gut, das Wetter war etwas bedenklich. Eine Menge Regen an diesem Samstagmorgen in St. Andreasberg und durchaus nicht übermäßig viel Temperatur. Aber Plan ist Plan. Also los. Unfassbar nass der Auf- und Abstieg. Vereiste Trails, vereiste Wurzlen, matschiger Schnee, oberschenkeltiefer Schnee, ab 1000 m mal so richtig Winter und auf dem Brocken durchaus kühl.

Viele Steine,

müde Beine,

Aussicht keine,

Heinrich Heine.

Insgesamt ein spannender Lauf und ein durchaus gelungener März mit 531 km. Das ist neue Monatsbestweite.

Einen Monat Vollgas noch und dann langsam Richtung TorTour de Ruhr auslaufen!

24h Lauf Heilbronn – Eisbein & Apfelscholle

Schön & anstrengend wars. Vielen Dank an das Orga-Team, das Restaurant-Team und das VP-Team des 1. zweiten 24h-Laufs in Heilbronn. Zu hoffen bleibt, dass trotz des kühleren Wetters einige Läufer mit einigen Kilometern zu einem guten Spendenergebnis für die gute Sache beigetragen haben.

Aufgrund der etwas längeren Anreise mit der Bahn am Wettkampfmorgen, war ich erst um kurz nach 11 Uhr am Samstag (Start war schon um 10 Uhr) in Heilbronn im Wertwiesenpark am Neckar. Schnell die Nummer geholt, Rucksack ins Zelt geworfen und dann das erste Mal über die Zeitnahme kurz hinterm VP. Mir blieben also noch 22,5 Stunden maximal. Irgendwie blieb das Gefühl etwas nachholen zu müssen eine ganze Weile. So genoss ich den VP das erste Mal auch erst nach unfassbaren 8 Runden á 2,46 km. Auch danach hab ich mich stets gezwungen mindestes 3, besser 4 oder 5 Runden am Stück zu laufen und erst dann wieder den VP zu bedienen. Das klappte gut und es lief auch. Lange konnte ich knapp 10 km/h halten. Auffrischender Wind und nachlassende Kräfte drückten den Gesamtschnitt dann langsam Richtung 9 km/h bzw. knapp darunter. Da es gut lief, war eine Taktikänderung möglich. Bei ca. km 75 entschloss ich mich endgültig die 100 km unter 12 Stunden anzugehen. Das war mir bisher nie gelungen (ich hab es tatsächlich auch kaum versucht), aber die alte Bestzeit von 12:14 h musste doch wohl zu schlagen sein. Ein Nachteil hat ein solcher Plan. Er hat was mit Laufen zu tun. Mir war voll bewusst, dass die noch fehlenden 25 km in 3,5 h eine Menge Disziplin fordern würden und nur wenig Jammern zulassen würden. Aber Plan ist Plan und ein wenig anstrengen darf man sich ja ruhig auch mal. Mitten in der Nacht im Eiswind am Neckar war es dann soweit: 100 km in 11:51 h. Gerade mal so geschafft. Der linke Oberschenkel sagte mir schon, dass diese Art zu Laufen für mich bei diesen Temperaturen wohl nix ist. Die Runde noch ausgehen und dann mal etwas Aufwärmen. Oben im Restaurant wars warm und der Kreislauf ging spontan in den Schlafmodus. Nichts riskieren dachte ich mir, hab den Schlafsack hochgeholt und mich hingelegt. Ein paar Stunden Schlaf, bzw. Nicht-Laufen. Dreistellig war es ja nun schon geworden (das Minimalziel) und eine Verletzung ob der kalten, beanspruchten Muskeln musste nicht sein.

Morgens um fünf wieder wach und um sechs auch mit ca. allen Klamotten dieser Erde angezogen ging es dann auf die mittlerweile verschneite und vereiste Runde. 4 Runden schnelles gehen – vielmehr schien nicht mehr sinnvoll und möglich. Also Nummer ab und raus. Sehr schön organisiert der Lauf. Die Strecke ist, nun ja, asphaltiert. Bietet eine Schnellstraße in direkter Nachbarschaft (daher für den VPsucher unbedingt zu empfehlen), zwei Brücken (eine mit einer kleinen aber feinen Rampe), den Neckar und den Wertwiesenpark auf. 24h-Romantik pur. Gegen die Autogeräusche hab ich Musik gehört oder mich unterhalten. Alles in allem muss ich sagen, dass ich trotz der bescheidenen Anzahl an Kilometern doch ganz zufrieden bin. Ich konnte die Monotonie gut wegstecken, war im Jetzt und habe mich auf das Laufen konzentriert. Die mentale Schwäche nach 12 Stunden verzeihe ich mir einfach mal und meinem Körper auch das Runterfahren der Maschinen. Die schüttelfrostartigen Szenen sind typisch für mich in diesen Momenten der Erschöpfung. Die Kraft für 100 km ist aber in jedem Fall da. Über das Wetter sag ich mal nix – Respekt an alle die zwischen 0 und 5 Uhr gelaufen sind. Manche Leute können es einfach :).

Aber mal so generell: Frühling – so geht´s nicht weiter. Ich friere immer noch…

In den nächsten Wochen heisst es weiter fleissig Kilometer sammeln. 1-2 Vorbereitungsläufe wird es wohl noch geben bis zur TorTour de Ruhr im Mai, aber hauptsächlich längere Trainingsläufe.

Die halbe Rur

Der Plan war elegant. Mal wieder einen Fluss ablaufen. Dieses Mal hatten wir uns die Rur ausgesucht. An sich ist der Fluss ca. 164 km lang, hatte der Track ca. 177 km.

 

Start war am Samstag um 09 Uhr. Was am Samstag Morgen in Aachen noch wie eine sehr dünne Schneedecke aussah, entpuppte sich 500 m höher im Hohen Venn als durchaus winterlicher Bodenbelag. Die ersten 40 km durch Monschau nach Einruhr waren daher auch sehr kräftezehrend. Was als Radwege mit Asphalt für ein einfaches „Rollen lassen“ geplant war, präsentierte sich als tief verschneite, knubbelige und teils gut vereiste Wege.

Aber dafür war das Wunder der Landschaft gerade auf den ersten km und den Wegen im Hohen Venn unwahrscheinlich atemberaubend. Da die Wege kaum zu erkennen waren dort oben, waren wir auch mehr oder weniger freiwillig sogar zweimal sage und schreibe auf der Rur unterwegs. Das Eis hat getragen.

Zu sechst gestartet, lichtete sich das Feld geplant wie ungeplant recht schnell. Vom geplanten Track sind wir ob der Bedingungen auch das ein oder andere Mal abgewichen – immer auf der Suche nach etwas laufbareren Wegen. Super verpflegt wurden wir auch noch. Alex und auch Stefan haben sich aufopferungsvoll um uns gekümmert und haben uns so das Laufen sehr erleichtert. Versorgt wurden wir bei km 40, 60, und ab da alle 5-7 km! Genial – vielen Dank euch beiden! Ein Königreich für einen warmen Kaffee und viele Leckereien. Darüber hinaus hat Alex die Etappenläufer versorgt und sogar bis nach Aachen gefahren – ganz stark!

Ab km 60 waren aus den sechs Startern zwei geworden und es war dort schon klar, dass es dann keinen Ansturm auf Roermond geben würde. Es hätte für den Pfadsucher bedeutet ab km 90 (Düren) alleine Richtung Roermond weiter zu machen. Das erschien nicht sehr clever und ob der zunehmenden Glätte auch wenig sinnig. Die vergangenen Wochen mit wenig Kilometern und einer dicken Erkältung ließen die Vernunft endgültig gewinnen. Damit wurden die letzten 30 km nach Düren dann zu einem überschaubaren Countdown, auch wenn wir das Tempo dann doch noch so nach oben angepasst bzw. gehalten haben, dass der Einlauf in Düren am Ende eine große Erlösung war.

Dem Nationalpark-Infopunkt in Zerkall haben wir dann aber doch noch Hallo gesagt – zu viele schöne Erinnerungen rund um den PussyRun verbinden uns damit.

Nationalpark Infopunkt Zerkall – PussyRun Headquater

Ab in den Zug nach Aachen und gut ist.

93 km in 13:18 h sind doch auch ein schöner Trainingslauf. Roermond läuft uns ja nicht weg. Eine laue Sommernacht sollte es dann etwas einfacher machen die Rur zu bezwingen – wir kommen wieder. Danke an alle Mitläufer, besonders an Desiree für die letzten 30 km und an unsere Edelsupporter Alex und Stefan!

Stefan hat sogar ein Video von unserem Rur-Versuch gedreht! Sehr schön!

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Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
13:18:28 11:26:02 92.26 7:26 2:49 1,294.90
hours hours km min/km min/km meters

mAMa 2018 – Der VP-Sucher plaudert aus dem Nähkästchen

Eigentlich könnte alles so einfach sein: Wie normale Menschen könnten wir unsere guten Freundinnen und Freunde einladen, sie bekochen und einfach eine gute Zeit haben. Vielleicht könnten wir ihnen bei einem kleinen Verdauungsspaziergang auch einen unserer Lieblingspfade an der Inde zeigen. Idealerweise machten wir so etwas im späten Frühling oder im frühen Sommer, wenn sich der Pfad in seiner vollen Pracht zeigt und wir die traumhafte Atmosphäre dort so, wie wir sie beim ersten Mal erlebt haben, bei einem kleinen Picknick genießen können. Soweit der Plan.

So aber, funktioniert das bei uns nicht. Jedes Mal, wenn wir uns gemeinsam hinsetzen, um die Einladung zu schreiben, können wir uns nicht beherrschen und müssen, auf die Menschenkenntnis unserer Freunde vertrauend, einen deftig sarkastischen Ton in der Mail einschlagen. Schließlich sind wir als Scherzkekse bekannt: Einen traumhaft schönen Pfad? Den gibt es bei uns natürlich nicht, stattdessen viel Matsch und Schlamm und Flüsse. Güllefelder? Klar, da müsst ihr auch durch! Essen? So ein Quatsch, das gibt es bei uns nicht. Kümmert euch doch um euch selbst! Jahreszeit? Natürlich nichts Gemütliches, sondern Anfang Februar, wenn fast sichergestellt ist, dass wir fieses, kaltes Wetter haben, die Vegetation noch nicht vorangeschritten ist und auch landschaftlich möglichst wenig zu holen ist. Euch geht es schlecht? Dann habt ihr hier die Notrufnummer, aber lasst uns damit in Ruhe! Achso, wir wollen natürlich nur mit den lautesten 20 von euch zusammensein, darum kloppt euch um die Plätze und zeigt uns damit eure Liebe! Vielen Dank, meldet euch schnell zurück! – So der Tenor unserer Ankündigung.

Eigentlich, so dachten wir, ist damit alles klar. Die Menschen wissen, dass wir mit ihnen einfach eine tolle Zeit genießen wollen, dass wir ihnen etwas Schönes zeigen wollen. Was sollte das, wenn der VP- und der Pfadsucher rufen – anderes sein, als ein köstliches Festmahl und ein traumhaft schöner Pfad, der sich in all seiner Pracht zeigt. Das richtige Datum nennen wir ihnen dann, wenn sie sich bei uns melden.

Zumindest war das der Plan. Das ist nun zum vierten Mal in Folge katastrophal schiefgegangen: Im Sommer waren wir bislang immer allein; dafür nehmen die Leute die „Einladung“ tatsächlich ernst, kommen Anfang Februar zu uns und wollen sich von uns durch den Dreck ziehen lassen. Wir – vom sozialen Druck nicht unberührt – sind dann natürlich gezwungen, uns irgendwas aus den Fingern zu saugen. Ein Streich – also -, der immer wieder kräftig nach hinten losgeht. Aber (Wie sagte ein guter Freund nochs so schön?) :Konsequenz heißt, auch den Holzweg zu Ende zu gehen.

Das Essen, zumindest, und damit kommen wir zum erfreulichen Teil, haben wir natürlich trotzdem da. Wir sind ja keine Unmenschen. Es ist auch nicht ganz uneigennützig, erlaubt es uns doch, ein wenig unserem gemütlichen Indoor-Hobby, dem Kochen, nachzugehen und auch neue Rezepte auszuprobieren. Dann haben wir wenigstens etwas Spaß an der Sache – beim Kochen und beim Essen.

Eines der neuen Rezepte war dieses Mal ganz besonders simpel: 5 Zutaten, eine Hand voll Minuten Zubereitungszeit und eine Viertelstunde zum Runterkühlen auf dem Balkon, im Kühlschrank oder im Rucksack. Nebenbei habe ich gelernt, wie ich mir selbst einen leckeren Schokoaufstrich mache, der Kakao und Erdnuss vereint. Das Rezept ist also etwas für all die, denen bei der Beschreibung des selbstgemachten Brotes letztes Mal das Wasser im Munde zusammenlief – nicht wegen des Brotes, sondern wegen der Aufstrichkombination von der ich schrieb. Über das Desaster bei der mAMa haben wir ja schon an anderer Stelle berichtet. Hoffen wir einfach, dass beim nächsten Mal niemand kommt und wir einfach direkt essen können.  Damit ihr aber wisst, was manche Menschen sich antun, um an solche selbstgemachten Köstlichkeiten zu kommen, seht ihr hier ein paar Bilder, die ihr in ihrer vollen Pracht bei Flickr anschauen könnt:

 

Über Bäche

…über Böschungen und Wälle…

…durch die Inde…

Durch gefährliches Gelände

Sogar auf den Öcher Läufer*innen-Strich…

… diese Menschen tun wirklich alles für eine Hand voll…

Erdnuss-Schoko-Kügelchen

Ganz einfach:

Zutaten:

  • 300g Erdnussmus (mit Stückchen ist besser als ohne)
  • 4 großzügig gehäufte Esslöffel (Back-)Kakao
  • 100 g Dicksaft (z.B. Agaven- oder Apfeldicksaft)
  • 1 Messerspitze Vanille (nur wenn ihr es fein haben wollt)
  • 75 g (?) gepuffte Hirse oder gepufften Amaranth

Zutun:

  1. Erdnussmus, Kakao, Dicksaft und ggf. Vanille miteinander vermengen.
  2. Euch davon abhalten, das nun alles direkt aufs Brot zu schmieren, euch aber merken, dass ihr das nun machen könntet und damit ganz einfachen dunklen Schokoaufstrich gemacht hättet. Tapfer weiterlesen, weil ihr euren Freund*innen etwas Gutes tun wollt.
  3. Gut 50g der gepufften Hirse oder des gepufften Amaranths mit untermischen.
  4. Aus der Masse kleine Kügelchen formen (gute Häppchengröße: Etwas zwischen Daumen- und Faust-Breite als Durchmesser, ihr könnt euch selbst am besten einschätzen; bei Faust-Breite solltet ihr aber vielleicht die doppelte Menge an Zutaten nehmen.) und diese dann im restlichen gepufften Getreide rollen
  5. Die Kügelchen etwas abkühlen lassen (15 Minuten reichen)
  6. Mit lieben Menschen teilen. 🙂

Tipps:

  • Da hier nichts gebacken wird und auch sonst keine chemischen Hexenwerke ablaufen, könnt ihr mit den Zutaten sehr flexibel sein: Ich habe das Ganze ohne Waage gemacht.
  • Die Kügelchen eignen sich auch gut für unterwegs.
  • Meistens ist mehr Kakao mehr besser. 😉 Ihr solltet damit also großzügig sein. 😉 (Dazu hat der VP-Sucher auch noch eine nette Geschichte auf Lager, aber die wird ein anderes Mal erzählt.)
  • Wenn ihr darauf steht, alles selbst zu machen: Erdnussmus könnt ihr ganz leicht selbst herstellen (ab in den Mörser mit den Erdnüssen und fertig), ebenso wie den Dicksaft. Das Getreide könnt ihr auch leicht selbst aufpuffen lassen. 😉

(Bilder hiervon gibt’s beim nächsten Mal.)